„Auf der Alleestraße Spielgeräte aufstellen“

„Zurzeit ziehen wir mit der Stadtverwaltung an einem Strang“: Sportbund-Vorsitzender Reinhard Ulbrich beim RGA-Interview in seinem zweiten Wohnzimmer, die gute Stube in der Denkerschmette, deren Geschicke er ebenfalls seit zwei Jahrzehnten leitet. Foto: Roland Keusch
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„Zurzeit ziehen wir mit der Stadtverwaltung an einem Strang“: Sportbund-Vorsitzender Reinhard Ulbrich beim RGA-Interview in seinem zweiten Wohnzimmer, die gute Stube in der Denkerschmette, deren Geschicke er ebenfalls seit zwei Jahrzehnten leitet.

Sportbund-Vorsitzender Reinhard Ulbrich sieht viel Positives in der Sportentwicklung – Ideen für die Outdoor-Fördermittel

Das Gespräch führte Andreas Weber

Herr Ulbrich, Sie haben nie die Konfrontation gescheut als Sportbund-Vorsitzender, haben klare Worte gewählt, wenn Sie es für nötig hielten. Zurzeit gibt es aber nichts zu meckern, oder?

Reinhard Ulbrich: Glauben Sie mir, ich führe lieber freundliche Gespräche, als kämpferisch Kritik zu äußern. Aber momentan ist alles sehr positiv. Wir haben als Sportbund in den letzten Jahren viel erreicht in Zusammenarbeit mit der Politik und Stadtverwaltung. So haben wir im ‘Pakt für den Sport’ zwei neue Dreifach-Sporthallen vereinbart. Die eine ist als Dreifachsporthalle am Röntgen-Gymnasium 2018 eingeweiht worden und war der erste Hallen-Neubau seit Jahren. Eine weitere Halle wird an der Albert-Einstein-Schule kommen. Der Sportbund ist in den Planungsprozess einbezogen, und wir werden Wert darauf legen, dass es dort eine Zuschauertribüne für den Mannschaftssport-Ligabetrieb und Schulsport-Wettkämpfe gibt. Wir möchten damit vorbeugen, dass es so zu so einem Versäumnis kommt wie damals an der Sophie-Scholl-Gesamtschule.

Auch draußen ist einiges in Bewegung. Vorneweg im Stadion Reinshagen, wo die Bagger rollen. Aber auch die Sportplätze Neuenkamp und Hackenberg haben eine konkrete Perspektive.

Ulbrich: Was auf der Achse zwischen Reinshagen und Lennep passiert, ist toll. Ein modernisiertes Stadion Reinshagen mit drei Plätzen erweitert die Möglichkeiten für Amboss im American Football, macht die Reinshagener Hockeysportler konkurrenzfähig, schafft Kapazitäten für den Betriebssport, Fußball und die Leichtathletik. Erfreulich auch, dass die benachbarte Halle West mit einem 3,5-Millionen-Euro-Invest 2022 technisch auf den neuesten Stand gebracht wird. Beim Sportplatz Neuenkamp ist der gordische Knoten zerschlagen, die Zusammenarbeit des Sportbundes mit der TBR-Architektin und dem Sportamt läuft reibungslos. Dasselbe gilt für Hackenberg.

Und um das Glück abzurunden, hat das Land in Corona-Zeiten ein Programm für Outdoorsport aufgelegt. 500 000 Euro fließen nach Remscheid. Wie wollen Sie diese Summe ausschütten?

Ulbrich: Alles geht auf das Sportstättenförderungsprogramm vom Land über 300 Millionen Euro zurück, das vor zwei Jahren aufgelegt wurde. Danach bekam jede Kommune das Fünffache der Sportpauschale. Das machte für Remscheid 1,4 Millionen Euro aus. Neu war dabei, dass Kriterien Aufstellung und Mittelvergabe den Sportbünden in NRW oblagen. Aus diesem Fördertopf wurden 27 Millionen Euro zurückbehalten, die nun unter allen 54 Sportbünden in NRW gleich aufgeteilt werden. Das Schöne daran ist, dass wir die 500 000 Euro unbürokratisch verteilen können mit offenen Richtlinien. Die Vereine sind aufgefordert worden, uns ihre Ideen mitzuteilen. Auch im Vorstand des Sportbundes haben wir uns frühzeitig Gedanken gemacht. Ziel ist es, dass die ganze Stadt profitiert. So könnten wir uns einen großen Spielplatz für Lüttringhausen vorstellen, oder Bolz-/Spielplätze, wo zum Beispiel Opa und Oma, die ihre Enkel betreuen auch eigene Trimmgeräte vorfinden. Die LTG stellt Überlegungen an, Sportgeräte im Hardtpark aufzustellen, vielleicht als Parcours. Ähnliches könnte man sich für den Stadtpark vorstellen. Wir haben auch vorgeschlagen, auf der Alleestraße Spielgeräte aufzustellen.

Wie sieht es in Neuenkamp aus, das angesichts des dicht besiedelten Hohenhagen prädestiniert für ein Sportzentrum wäre?

Ulbrich: Dafür gibt es tatsächlich die konkrete Idee, neben dem Kunstrasenplatz einen überdachten, multifunktionalen Spielplatz zu errichten. Dieser ist nicht nur Vereinsmitgliedern vorbehalten, sondern wäre für jedermann zugänglich. Das könnte dem Südbezirk extrem gut tun.

Wann wird die halbe Million Euro verteilt?

Ulbrich: In der vergangenen Woche ist der endgültige Förderaufruf mit den Rahmenbedingungen erfolgt. Es besteht aber keine Hektik. Die 500 000 Euro werden ab 2022 fließen, durchgeführt sein müssen die Maßnahmen aber erst bis Mitte 2024.

„Was auf der Achse zwischen Reinshagen und Lennep passiert, ist toll.“

Reinhard Ulbrich, Sportbund

Vieles ist geschafft, der Sportbund mahnt aber seit langem weiteren Hallenbedarf an. Wo sehen Sie den?

Ulbrich: Es ist richtig, dass im Zentrum von Alt-Remscheid eine weitere Dreifachsporthalle dringend für den Schul- und Wettkampfsport benötigt wird. Ich denke zum Beispiel an den Bedarf, der durch das neue Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung am Hauptbahnhof entsteht. Als Standort hatten wir früher den Stadtpark vorgeschlagen, der aber durch die zusätzliche Kita nicht mehr in Frage kommt. Deshalb schließen wir uns gerne dem Vorschlag der Schulentwicklungsplaner an, eine neue Dreifachsporthalle neben der EMA zu bauen.

Der Rat hat Anfang des Jahres die Fortschreibung der Sportstättenentwicklungsplanung für die Sportfreianlagen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Uni Wuppertal werden bald erwartet. Womit rechnen Sie?

Ulbrich: Ich gehe davon aus, dass die Untersuchung unseren Standpunkt stützt. In den letzten Jahren sind mit dem kleinen Platz im Stadion Lennep, Düppelstraße, unteren Platz Honsberg, Grund und Holz fünf Fußballplätze weggefallen, gleichzeitig hat der Nachwuchs im Kinder- und Jugendbereich zugenommen. Der Bedarf ist da. Diesem wollen wir als Sportbund gerecht werden. Zurzeit ziehen wir dabei mit der Stadtverwaltung an einem Strang. Das ist wichtig. Der Sport ist ein weicher Standortfaktor und besitzt einen riesigen Stellenwert im sozialen und gesundheitlichen Bereich für alle Altersgruppen. Und in diesem Zusammenhang sollte auch der Sportgutschein erwähnt werden, den Remscheider Kinder zum vierten Geburtstag erhalten, um ihn bei einem der teilnehmenden Sportvereine einlösen zu können. In dieser Hinsicht ist Remscheid vorbildlich.

Hat uns die Distanz in der Pandemie gelehrt, wie wichtig der Sport ist?

Ulbrich: Auf jeden Fall, wenn man die Wissenschaftler hört, die uns sagen, dass Sozialkontakte, aber auch körperliche Betätigung fehlen. Umso fahrlässiger ist es, dass es der Politik bislang nicht gelang, Kitas und Schulen mit mobilen Luftreinigern auszustatten. Diese Kurzsichtigkeit ist nicht zu fassen. Das wäre eine sinnvolle Ergänzung zum Stoßlüften und angesichts der Tatsache, dass uns Mund-Nasen-Schutz länger begleiten werden, eine Rahmenbedingung, um in Hallen Sport zu betreiben. Deshalb begrüße ich, dass der Bund ganz aktuell 200 Millionen Euro für mobile Luftreiniger an Kitas und Schulen fördern will. Für die mangels ausreichender Lüftungsmöglichkeiten geschlossenen städtischen Sporträume hat der Sportbund Luftreiniger beantragt.

War die Mitgliederentwicklung im Landessportbund während der vergangenen 16 Monate stark rückläufig?

Ulbrich: Riesig war der Schwund nicht. Die Mitgliederzahlen in NRW sind von 5,09 auf 4,91 Millionen gesunken. Größere Vereine haben dabei mehr gelitten als kleinere. Was wohl daran liegt, dass die persönliche Bindung bei den kleineren Clubs höher ist. In Remscheid sank die Zahl in den 105 Vereinen gegenüber dem Vorjahr von 18 815 auf 17 305 Mitglieder. Das macht rund acht Prozent aus. Wir hoffen auf viele Rückkehrer.

„So einen Sport- ausschuss wie in Remscheid findet man in NRW selten.“

Reinhard Ulbrich, Sportbund

Der ‘Pakt für den Sport’ in Remscheid hat viele Früchte abgeworfen. Warum soll er jetzt ein Update erfahren?

Ulbrich: In Remscheid wurde er Ende 2013 verabschiedet und seither hat sich einiges verändert. Wir waren damals hier sehr weit. Die Sportpakte waren in anderen Städten oft generalisierend, zur Prosa neigend, ohne konkret zu werden. Das war in Remscheid immer anders. Nun setzen wir uns für eine Erhöhung der 130 000 Euro ein, die jährlich an den Sportbund fließt und für die Bezahlung der Übungsleiter gedacht ist, für die Schwimmangebote und die Unterstützung der Vereine mit eigenen Immobilien. Diese Summe ist seit über einem Jahrzehnt unverändert. Wir würden sie gerne auf 150 000 Euro jährlich erhöhen. Wir haben auch einiges anderes anzupassen. Das gilt für die Sportförderrichtlinien, die Beteiligung bei der Stadtentwicklungsplanung. Und wir wollen die an sich funktionierenden und sehr guten Strukturen des Sportausschusses fest im Pakt verankern. Denn so einen Sportausschuss wie in Remscheid findet man in NRW selten. Nicht nur, dass es einen eigenen Ausschuss für unsere Belange gibt, er ist auch mit sechs Vertretern aus dem Sport besetzt: Emel Dutkun , Joachim Weber und Bernd Fiedler als sachkundige Bürger mit Sitz und Stimme; Erwin Rittich, Ralf Flügge und Joachim Hartenstein als sachkundige Einwohner mit Sitz und Rederecht.

Zur Person

Reinhard Ulbrich, 70 Jahre, gebürtig aus Viersen, wo er mittlerweile wieder lebt; verheiratet mit Marianne, zwei Töchter (Melina und Mona). Von Beruf Grund- und Hauptschullehrer, unterrichtete Ulbrich 25 Jahre an der GHS Klausen (mit seiner Ehefrau), bevor er von 1989 bis 1999 Oberbürgermeister Remscheids wurde.

Seit 21 Jahren ist er Vorsitzender des Sportbundes Remscheid und seit 2012 als Sprecher der 54 Stadt- und Kreissportbünde im achtköpfigen Präsidium des Landessportbundes (LSB).

Im März 2001 gehörte Reinhard Ulbrich auf seine Idee hin zu den Mitbegründern der Denkerschmette, deren Vorsitzender er momentan noch ist. Sein Amt wird er im Herbst bei der nächsten Hauptversammlung aufgeben. Auch im LSB will er 2024 nicht mehr für den Vorstand kandidieren.

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