Erinnerung an die Lage der Flutopfer

Künstlerin Karola Krämer stellt eine besondere Krippe im Allee-Center aus

Das Wasser ist überall, der Boden weggeschwemmt: Die Flut-Krippe von Karola Krämer setzt Jesu Geburt in das aktuelle Jahr. Foto: Roland Keusch
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Das Wasser ist überall, der Boden weggeschwemmt: Die Flut-Krippe von Karola Krämer setzt Jesu Geburt in das aktuelle Jahr.

Auf weichem Stroh gebettet ist hier niemand. Weder der Ochse noch das Jesuskind. Der Untergrund ist weggeschwemmt, der Boden in Fetzen gerissen, überall liegen Zweige.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Und dennoch ist Weihnachten: Der Engel verkündet es vom Dach, beschützt vom Stern über Betlehem. Statt heimeliger Idylle hat diese Veranschaulichung von Jesu Geburt etwas Mahnendes.

Die Künstlerin Karola Krämer stellt im Allee-Center eine besondere Krippe aus: ihre Flut-Krippe. Bis Anfang Januar ist sie im Showroom von „Kunst und Kultur in Remscheid“ zu sehen. Viele Center-Besucher bleiben in diesen Tagen mit ihren Einkaufstüten stehen und betrachten die Szenerie durch das Schaufenster.

Karola Krämer hat bereits zahlreiche Krippenausstellungen in der ehemaligen Melanchthon-Kirche gemacht, auch letztes Jahr war sie mit ihrer „Corona-Krippe“ bei „Kunst und Kultur“ dabei. Ihr neuestes Werk greift ein prägendes Thema des Jahres 2021 auf: die Überflutungskatastrophe. „Bekannte von mir sind selbst überflutet worden. Nachdem ich mich nach der Flut in Wuppertal-Beyenburg umgeschaut habe, hat mich das Thema nicht mehr losgelassen“, erzählt die Künstlerin.

Ein Teil der Geschichte: Karola Krämer hat diesen Aufruf ans Schaufenster geklebt. Sie stellt damit die Lage der Flutopfer Weihnachten 2021 dar.

Die Flut-Krippe habe durhaus eine zweite Bedeutungsebene. „Gläubige Christen können sich vielleicht vorstellen, dass es trotz der Katastrophen einen Gott gibt, einen Retter. Denn Jesu Geburt geschah auch unter schwierigen Umständen: Maria und Josef mussten die Flucht auf sich nehmen. Und Jesus hat es trotzdem geschafft, Hoffnung zu vermitteln.“ Die Weihnachtsgeschichte, die Karola Krämer auf ein riesiges Plakat gedruckt hat, erzählt davon. Sie klebt an der Schaufensterscheibe des Showrooms, direkt neben anderen kleinen Zetteln. „Familie x hat uns aufgenommen. Adresse: x, Telefon: x“ steht dort angeschlagen. Denn als sie vor drei Wochen im Ahrtal war, um Krippen zu spenden, war sie geschockt, erzählt Karola Krämer. „Die Zettel ,Wir sind bei Familie xy untergekommen‘ klebten an überfluteten Häusern, die nicht mehr bewohnbar sind. Wie im Krieg.“ Es sehe auch fünf Monate danach immer noch verheerend aus in der Region, die so heftig von den Wassermassen getroffen wurde. „Weihnachten sollte ein fröhliches Fest sein, das uns guttut. Aber es gibt eine Menge Menschen, die noch in einem Schlammloch leben, teils ohne Wasser oder Strom.“ Und dann auch noch Corona.

„Hoffen, dass Gott hilft. Aber auch die Frage: Warum lässt er das zu?“

Karola Krämers Gedanken

Und genauso wie einst die schwangere Maria werden auch in den deutschen Überflutungsgebieten viele Schwangere keine Herberge, kein Heim haben, ist sich die Künstlerin sicher. „Glauben, hoffen, dass Gott hilft, hat er doch seinen Sohn gesendet. Aber auch die Frage: Warum lässt er das zu? Dann in der Not ein Kind bekommen.“ All diese Gedanken gehen der Künstlerin durch den Kopf.

Daher habe sie auch folgenden Aushang an der Schaufensterscheibe gemacht: „Achtung: Wir brauchen ein Babybett, Windeln, Babywäsche – alles, was notwendig ist für ein Neugeborenes“. Damit das Holz der Flut-Krippe authentisch aussieht, legte die Künstlerin es in Wasser und Matsch ein. „Ich habe einige Zeit gebraucht, bis das Holz vergammelt war.“

Nach Jahren intensiven Sammelns von Weihnachtskrippen und der Gestaltung von eigenen Krippen hat sich die Arbeit der Künstlerin, deren Stil an die Fluxus-Bewegung erinnert, erweitert. „Lebenswege“ sind hinzugekommen. Werke, an denen man Anstoß nehmen kann, die zum Reden oder Sich-Selbst-Beobachten auffordern. „Manchmal fehlen aber auch mir die Worte“, sagt Karola Krämer. Dann lässt sie die Objekte für sich sprechen.

kunstwege.net

Kunst und Kultur

So geht es weiter bei der Aktion „Kunst und Kultur in Remscheid“ (KuK) von Maximilian Süss:

Showroom: Der Ausstellungsraum im Allee-Center ist unbefristet gemietet. Es ist geplant, dass hier künftig im Monatswechsel Künstler ausstellen. Wer interessiert ist, im Showroom auszustellen, kann sich bei Maximilian Süss melden: kontakt@kuk-remscheid.de

Kunst in Schaufenstern: Die anderen Läden, in denen KuK-Künstler ausgestellt haben, sind mittlerweile teils wieder vermietet. Noch zu sehen sind die Ausstellungen von Bianca Haarmann an der Alleestraße und die Werke von Claudia Fey im alten Metropol-Kino.

Online-Kalender: Noch bis Heiligabend lesen 24 Remscheiderinnen und Remscheider eine Weihnachtsgeschichte beim KuK-Online-Adventskalender vor: kuk-remscheid.de

Auch interessant: Allee-Center wird für 25 Millionen Euro modernisiert - Edeka und Aldi mieten einstige Real-Fläche

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