Dranbleiben

Auch grünes Licht stört die Tauben nicht

Unbeeindruckt: Vom grünen Licht lassen sich die Tauben nicht vertreiben. Allerdings wurde es dazu auch gar nicht installiert. Foto: Roland Keusch
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Unbeeindruckt: Vom grünen Licht lassen sich die Tauben nicht vertreiben. Allerdings wurde es dazu auch gar nicht installiert.
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Die Tiere hinterlassen in der Bahnunterführung eine fingerdicke glitschige Masse.

Von Axel Richter

Schon die Gelehrten des Altertums berichteten von der Stadttaube. Allerdings galt der Vogel ihnen als Sinnbild für Sanftmut und Unschuld – und als besonders rein. So ändern sich die Zeiten. Heute sorgen die halbwilden und verwilderten Tauben dort, wo sie flattern, trippeln, picken, nisten und ihre Ausscheidungen hinterlassen, vor allem für Verdruss.

Bei Michael Scholz zum Beispiel. Der Remscheider, der bei der Firma Kempkes arbeitet, geht täglich zu Fuß über die Bismarckstraße und durch die Unterführung der Bahngleise. „Dort liegt der Kot oft fingerdick und bildet eine glitschige Masse“, sagt Scholz: „An dem grünen Licht stören die Tauben sich überhaupt nicht.“

Das stimmt, doch unterliegt der Remscheider, der den RGA am Telefon der Aktion Dranbleiben erreichte, damit zugleich einem weit verbreitetem Irrtum. Das grüne Licht, das die Stahlträger der Unterführung unweit des Hauptbahnhofes seit vier Jahren im Dunkeln erhellt, wurde nie zur Vergrämung der Stadttauben installiert.

„Es soll einfach nur schön aussehen“, sagt Udo Wilde, der bei den Technischen Betrieben Remscheid für Verkehrstechnik, Steuerung und Beleuchtung zuständig ist. Dazu ließ er sich in Köln inspirieren: „Wenn Sie von der Domplatte in Richtung Hauptbahnhof gehen, sehen Sie den alten Stahl des Tragwerks grün beleuchtet.“ Wilde war begeistert und fand bei der Firma Trilux aus dem Sauerland einen Sponsor für Remscheid. Als 2017 die alte Beleuchtung ausgetauscht werden musste, bestückte das Unternehmen die Unterführung kostenlos mit neuen Scheinwerfern. Seither werden auf beiden Seiten jeweils die ersten drei Stahlbögen mit grünem LED-Licht beleuchtet.

Was den Menschen gefällt, ist den Tauben egal. Zudem finden sie unweit der Stahlträger unterhalb der Neuenkamper Straße reichlich Futter. Körner und Brotreste deuten darauf hin, dass die Tiere gefüttert werden.

Die Rechtslage dazu ist eindeutig. Das Füttern von Tauben ist in Remscheid verboten. Wer es dennoch tut, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss ein Bußgeld zahlen, wenn er erwischt wird. Der Grund dafür sollte einleuchten. Die Tiere verbreiten den Speckkäfer, den Vogelfloh und andere Parasiten, die auch den Menschen gefährlich werden können. Der Kot greift zudem Hausfassaden und Fahrzeuglack an. Und nicht nur auf dem Bürgersteig unterhalb der Bahngleise sind ihre Hinterlassenschaften einfach nur eklig.

Also gilt es, die Population in Grenzen zu halten. Vor Jahrzehnten ließ die Stadt die Tiere noch vergiften. Bevor die ersten Einkäufer auf die Alleestraße kamen, sammelten die Stadtsoldaten die Kadaver ein. Daran ist heute nicht mehr zu denken. Was bleibt, sind Appelle. Jürgen Beckmann, Leiter des Remscheider Ordnungsamtes, wiederholt sie seit Jahren. Sollen sich Tauben nicht unkontrolliert vermehren, darf die Täubin keine Nistmöglichkeiten und kein Futterangebot vorfinden. Doch mit Appellen ist es so eine Sache. Und erst recht mit der Einsicht mancher, die sich selbst Tierfreunde nennen.

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