Gewerkschaft

Arbeitszeit belastet die Gesundheit

Björn Lüdtke ist Pressesprecher der Kreisgruppe Bergisches Land der Gewerkschaft der Polizei. Er stellte gestern anlässlich der Personalratswahlen einen Forderungskatalog vor. Foto:
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Björn Lüdtke ist Pressesprecher der Kreisgruppe Bergisches Land der Gewerkschaft der Polizei. Er stellte gestern anlässlich der Personalratswahlen einen Forderungskatalog vor.

Polizei: Gewerkschaft fordert weniger Wochenarbeitszeit und mehr Rückhalt.

Von Bastian Küllenberg

Bergisches Land. Das Gleichgewicht von Arbeit und Freizeit ist ein zentrales Thema im Forderungskatalog der Gewerkschaft der Polizei. Björn Lüdtke, stellvertretender Vorsitzender und Pressesprecher der Kreisgruppe Bergisches Land stellte diesen im Rahmen eines Pressegesprächs zur Personalratswahl bei der Polizei NRW vor. Die Wochenarbeitszeit solle demnach von 41 auf 35 Stunden reduziert werden.

Lüdtke ist sich bewusst, dass dies in Zeiten der Corona-Krise zunächst sonderbar wirken könne, betont jedoch, die Gesundheitsrisiken einer dauernden Arbeitsüberlastung. So erschwerten unter anderem die Wechselschichten den Ruherhythmus.

Remscheid: Corona hat Auswirkung auf Wahl und Arbeitsalltag

Die Personalratswahl 2021, die Anfang Mai stattfinden wird, ist in besonderem Maße von der Pandemie betroffen, wie Gewerkschafter Lüdtke berichtet. Es sei ein unpersönlicher und dadurch schwieriger Wahlkampf. Wo man früher etwa zu Ostern persönlich Ostereier an den Dienststellen verteilte, musste in diesem Jahr das Aufstellen einer Box zum Mitnehmen der kleinen Präsente ausreichen. Lüdtke befürchtet daher, dass die Wahlbeteiligung im Vergleich zu früheren Wahlen sinken könnte. Dies könnte dazu führen, dass die Legitimation der gewerkschaftlichen Arbeit insgesamt sinke.

Um den erschwerten Bedingungen Rechnung zu tragen, organisiert die Kreisgruppe 2021 daher erstmals eine Plakataktion. Damit möchte man nicht nur den ausfallenden Wahlkampf vor Ort kompensieren, sondern zudem die eigenen Nöte und Wünsche in die Öffentlichkeit tragen.

Lüdtke bedauert, dass nur ein Plakat pro Kreispolizeibehörde vom Landesbezirk gesponsert worden sei. „Wir haben als Vorstand überlegt, mit eigenen Mitteln in Remscheid und Solingen noch je eins auszuhängen, uns dann aber aufgrund unserer engen monetären Grenzen für andere Aktionen entschieden, die unsere Mitglieder direkt erreichen.“ Dennoch hofft er, dass das großflächige Plakat am Wuppertaler Polizeipräsidium zur Wahl animiert. „An dieser Örtlichkeit fahren auch die Kolleginnen und Kollegen aus Remscheid und Solingen in der Regel vorbei.“

Remscheid: Digitalisierung zur nachhaltigen Arbeitsentlastung nutzen

Eine der großen Herausforderungen sieht Lüdtke in der Digitalisierung. Diese werde die Polizeiarbeit in den kommenden Jahren grundlegend verändern, von neuen Strategien zur Gefahrenabwehr über die Bekämpfung der Cyberkriminalität bis zur Verkehrsunfallaufnahme.

Darüber hinaus solle die Digitalisierung aber auch für eine nachhaltige Arbeitsentlastung genutzt werden. Positive Entwicklungen in diesem Bereich habe es während des letzten Jahres unter dem Eindruck der Pandemie auch gegeben. „Das Vertrauen in die Heimarbeit ist gestiegen“, kommentiert Lüdtke, was eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermögliche.

Er weist allerdings auch darauf hin, dass es bei der Polizei Bereiche gebe, bei denen Homeoffice nicht möglich sei. Es solle aber dafür gesorgt werden, „dass digitale Arbeitsmittel, allen zur Verfügung stehen, für deren Aufgabenerfüllung es sinnvoll ist.“

Remscheid: Wunsch nach mehr Rückhalt durch Gesellschaft und Politik

In Bezug auf die Forderung nach mehr Rückendeckung und Rückhalt aus Gesellschaft, Medien und Politik führt der Pressesprecher ebenfalls ein Beispiel aus der Corona-Krise an: „Wenn Politik oder Verwaltung Versammlungen zulassen, die Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung erwarten lassen, darf die Polizei dafür nicht an den Pranger gestellt werden.“

Zudem wünscht sich Björn Lüdtke einen sensibleren Umgang mit Handyvideos, die polizeiliche Maßnahmen zeigen. Zwar sei es mittlerweile üblich, dass man im Einsatz von Handys gefilmt werde, eine kurze Sequenz aus einem solchen Video, die in den sozialen Medien veröffentlicht werde, dürfe jedoch nicht zur Grundlage einer Vorverurteilung der Beamten werden. „Hier braucht es eine Gegenkraft aus der Politik“, fordert der Gewerkschaftssprecher.

Hintergrund

Die Personalratswahl bei der nordrhein-westfälischen Polizei findet in der Zeit vom 3. bis 7. Mai statt. Neben der Briefwahl ist auch eine persönliche Stimmabgabe im Wahllokal möglich. In der Kreisgruppe Bergisches Land der Gewerkschaft der Polizei sind gut 1000 Bedienstete aus Wuppertal, Solingen und Remscheid organisiert.

www.gdpnrw.de/bergisches-land/

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