RGA vor Ort

Arbeiten in Lennep: Gemischte Industrie bietet viele Möglichkeiten

Janik Piwkowski und Luan Limani haben sich Anfang des Jahres als Maler selbstständig gemacht - in einer Lenneper Garage.
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Janik Piwkowski und Luan Limani haben sich Anfang des Jahres als Maler selbstständig gemacht - in einer Lenneper Garage.

Das Handwerk bietet gute Chancen, auch, um sich selbstständig zu machen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid-Lennep. Das Erbe der Textilindustrie ist in Lennep noch an vielen Stellen anzutreffen, unter anderem im Tuchmuseum. Wirtschaftlich spielt die Branche dagegen kaum noch eine Rolle, sieht man mal von der Barmag ab, die seit 100 Jahren Maschinen für Kunstfasern liefert. Nach dem eher leisen Sterben der ehemals zahlreichen Textilproduzenten - in der Spitze beschäftigte die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie zu 80 Prozent Frauen und deren Arbeit galt ja lediglich als Zuverdienst, wie die Gewerkschaft Textil-Bekleidung einmal ernüchtert feststellte - musste sich die ehemalige Kreisstadt wirtschaftlich neu erfinden.

Das Ergebnis nennt der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit eine „gemischte Industrie“ mit Schwerpunkten in den Gewerbegebieten Jägerwald und auf den neuen erschlossenen Flächen rund um den Lenneper Bahnhof. Dort gibt es Sport- und Spielgeräte (Hudora) und Werkzeuge zur Innenentgratung geschweißter Rohre (Blissenbach) aber auch Elektromagnete (Mannel) und Trommelfilter (Ratz).

Auch Janik Piwkowski und Luan Limani haben Lennep als Firmensitz gewählt. Die beiden Maler- und Lackierer, inzwischen beide 28 Jahre alt, haben sich Anfang des Jahres selbstständig gemacht, in einer angemietet Garage und ohne viel Kapital. Aus „Piwkowski und Limani Malermeisterbetrieb“ machten sie nach längerer Diskussion den Firmennamen PULM. Inzwischen beschäftigen sie drei geringfügig Mitarbeiter und planen weiteren Personalzuwachs. „Wir wollen ein familiäres Unternehmen aufbauen mit maximal zehn Leuten“, sagt Janik Piwkowski.

Alle Teile der Stadtteilserie

Die Chancen, dass das klappt, stehen gut, weite Teile des Handwerks erleben einen regelrechten Boom. „Wir haben gut zu tun, eher schon zu viel“, berichtet Piwkowski. Und das ohne viele Werbung, wie Geschäftspartner Luan Limani betont: „Es ist schwer zu erklären.“

Lennep: Auszubildende sind schwer zu bekommen

Das Handwerk, die selbst ernannte „Wirtschaftsmacht von nebenan“, ist auch in Remscheid eine relevante Größe - die neben den zahllosen, oftmals international erfolgreichen Industrie-Mittelständlern aber manchmal ein Wahrnehmungsproblem hat. Laut Statistischem Landesamt sind in Remscheid mehr als 8000 Menschen im Handwerk tätig. Verteilt auf rund 700 Betriebe. Im Schnitt hat ein Remscheider Handwerksunternehmen also gut elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Firmen dieser Größe fehlen naturgemäß die Marketingmöglichkeiten, die große Unternehmen haben, gute berufliche Aussichten haben, sie aber trotzdem zu bieten. „An eine Ausbildungsstelle zu kommen, ist überhaupt kein Problem“, sagt Kreishandwerkermeister Detlef Weißenfeld: „Die Betriebe suchen alle händeringend.“

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Wer die entsprechende Leistung zeige, könne die Ausbildung um ein halbes Jahre verkürzen, nahezu nahtlos zur Meisterschule gehen - und nach weniger als dreieinhalb Jahren nach Ausbildungsstart schon den Meisterbrief erhalten. Damit gebe es nicht nur tolle Jobs im Angestelltenverhältnis, sagt Weißenfeld, sondern auch die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen: „Es gibt ganz viele Betriebe, die dringend Nachfolger suchen.“

Janik Piwkowski und Luan Limani: Freund sind mit großer Überzeugung selbstständig

Janik Piwkowski und Luan Limani entschieden sich für eine Neugründung, auch weil eine Betriebsübernahme mehr Kapital verlangt hätte. „Wir haben uns nach Fördermitteln und Krediten erkundigt“, sagt Piwkowski rückblickend. „Aber die geforderten Voraussetzungen stehen einfach in keinem Verhältnis.“ Also mieteten die beiden eine Garage, besorgten sich ein Auto und kratzten das Werkzeug zusammen, das sich über die Jahre angesammelt hatte. „Ein Maler braucht nicht viel“, sagt Janik Piwkowski. Bei der ersten Materialbestellung vereinbarten sie ein längeres Zahlungsziel - und beglichen die Rechnung schließlich, als ihr Kunde bezahlte.

Seither läuft es. Auch weil sich die beiden gut ergänzen: „Ich bin eher der Mann fürs Grobe und mache die Vorarbeiten, Janik gerne die filigranen Arbeiten“, berichtet Limani. „Außerdem hat sich herausgestellt, dass er sich mehr im Büro engagiert und ich lieber auf den Baustellen bin.“

Den Schritt in die Selbstständigkeit hätten sie nicht bereut, sind sich die beiden Handwerker einig: „Auf jeden Fall würden wir das wieder so machen.“ Für ihn habe schon während der Ausbildung festgestanden, dass er sich eines Tages selbstständig machen werde, sagt Janik Piwkowski: „Ich wollte unabhängig sein, mein eigener Herr.“ Kumpel Luan Limani, die beiden lernten sich in der Berufsschule kennen, brauchte etwas länger, um überzeugt zu werden. „Er hat immer wieder davon angefangen“, erinnert sich Limani. „Irgendwann habe ich mir gedacht: Arbeiten muss du eh, dann kannst du das auch für dich selber machen.“

Vor Ort

Am kommenden Samstag, 30. Juli, bieten wir einen Vor-Ort-Termin auf dem Alten Markt an. Wer möchte, kann von 10.30 bis 11.30 Uhr mit Vize-Bezirksbürgermeister Markus Kötter, dem Vorsitzenden des Verkehrs- und Fördervereins Klaus Kreutzer und dem RGA ins Gespräch kommen. Im nächsten Teil der Stadtteilserie geht es um das Brautmodengeschäft in der Lenneper Altstadt.

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