Arbeit und Freizeit gerecht verteilen

Frauenreferentin über Solidarität

Von Andrea Hansen Frauenreferentin und Gleichstellungsbeauftragte, Ev. Kirchenkreis Lennep

Im Juli las ich von einem Unternehmen, welches während der Corona-Einschränkungen Zeitspenden für Kollegen mit Familie- und Pflegeaufgaben ermöglicht. Hierbei übertrugen Mitarbeitende geleistete Überstunden auf die Arbeitszeitkonten der Betroffenen. So haben diese die Möglichkeit, ihre Kinder und pflegebedürftigen Angehörigen zu betreuen, ohne ihre Arbeitszeit reduzieren zu müssen.

Statistiken belegen, dass Frauen seit der Corona-Pandemie überproportional belastet sind: Sie reduzieren häufiger ihre Arbeitszeit, um die Pflege und Betreuung von Familienangehörigen sicherzustellen. Sie profitieren weniger von Kurzarbeit, da sie häufiger geringfügig beschäftigt sind und daher hierauf keinen Anspruch haben. Sie arbeiten häufiger in gering bezahlten, aber systemrelevanten Berufen. Sie arbeiten in Homeoffice eher abends und nachts, um den Familienalltag zu stemmen, so dass ihnen Erholungszeiten fehlen… Die Bertelsmann Stiftung stellt fest, dass Frauen mit Kindern auf das Lebenseinkommen gerechnet nur halb so viel verdienen wie Männer. 257 Jahre wird es dauern, bis Männer und Frauen weltweit ökonomisch gleichberechtigt sind. Diese Zahl hat das Weltwirtschaftsforum errechnet, wenn wir so weiter machen wie bisher. Das Kinderhilfswerk Plan hat am Mittwoch das Ergebnis einer aktuellen Umfrage zum Sicherheitsempfinden von Mädchen und Frauen in deutschen Großstädten vorgestellt: Demnach wurde jede fünfte Befragte schon einmal Opfer von Gewalt. Andere Untersuchungen sprechen von jeder vierten Frau.

Auch meine Gespräche mit jugendlichen Mädchen in Remscheid offenbarten, dass fast alle schon einmal Belästigungen erlitten hatten. Das Merkmal „weiblich“ ist immer noch verbunden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Gewalt und Armut.

Warum soll es „normal“ sein für Mädchen und Frauen, mit dieser Perspektive zu leben? Corona hat uns die aktuellen Ungerechtigkeiten noch einmal verdeutlicht. Eine Welle der Solidarität war eine der Folgen. Jetzt müssen institutionalisierte und bleibende Maßnahmen folgen. Nur so können Arbeit, Geld und Freizeit fair und gerecht verteilt werden, kann Sicherheit geschaffen werden - für alle Menschen. Es gibt noch viel zu tun.

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