Ein Jahr Corona in Remscheid

April: Ärztin spricht vielen aus der Seele

Kitas, Schulen und Altenheime sind dicht, im RGA erscheint ein viel beachtetes Interview

Remscheid. Wie sehr das Virus die Wirtschaft trifft, wird bereits Anfang April klar: Im Bergischen Städtedreieck haben rund 5700 Betriebe Kurzarbeit angezeigt. Ende des Monats zeigt sich der Effekt noch deutlicher: 40 Prozent der Angestellten in Remscheid sind in Kurzarbeit.

Nichts deutet auf eine Entspannung der Lage hin. Im Gegenteil. Am 2. April baut die Feuerwehr auf Weisung des Corona-Krisenstabes in der Sporthalle Neuenkamp ein Notkrankenhaus auf. 100 Betten zählt es und soll im Extremfall nicht Coronainfizierte, sondern andere Patienten aufnehmen, um in den Krankenhäusern Platz zu schaffen. Dort wächst die Sorge vor einer Überlastung der Intensivstationen. Die Zahl der Infizierten steigt binnen eines Tages um 11 auf 80. Die Stadt bereitet sich deshalb auf schlimme Szenarien vor, in denen es auch um die Lagerung von Leichen geht.

Dr. Bettina Stiel-Reifenrath, Hausärztin in Lennep und Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, nimmt unterdessen das Corona-Fieberzentrum in Betrieb. Dort sollen sich Remscheider mit Symptomen testen lassen und das Virus so nicht in die Arztpraxen und Kliniken tragen.

Am 24. April erscheint im RGA ein viel beachtetes Interview mit der Ärztin. Bettina Stiel-Reifenrath stellt sich hinter die Corona-Schutzmaßnahmen. Aber, fragt sie: „Machen wir alles richtig? Ich glaube das nicht. Ist es richtig, dass sterbende Menschen auf der Palliativstation nur von einem Angehörigen begleitet werden dürfen?“, fragt sie damals: „Ist es richtig, Kinder aus prekären Verhältnissen nicht zur Schule gehen zu lassen, obwohl die Schule vielleicht den einzigen verlässlichen Rahmen für sie bildet? Ich wünsche mir sehr, dass unsere Maßnahmen im Kampf gegen das Virus nicht für Schäden sorgt, die für einzelne möglicherweise schwerer wiegen als das Gesundheitsrisiko, das von dem Sars-CoV-2 ausgeht“, sagt die Ärztin und spricht damit vielen Remscheidern aus der Seele.

Die Herausforderung, daheim zu bleiben und Kontakte zu meiden, treibt unterdessen immer neue Blüten. Der Wertstoffhof in der Solinger Straße ist mittlerweile für den Hobbygärtner geschlossen. Nicht wenige halten das für eine Rechtfertigung dafür, ihren Grünabfall in die Wälder zu karren. Absurde Züge behält auch das Einkaufsverhalten vieler Menschen. Klopapier ist ständig ausverkauft. Außerdem hamstern die Menschen Nudeln und Konserven. Dabei stand die Versorgung mit diesen und anderen Produkten nie in Frage.

Machen wir alles richtig? Ich glaube das nicht.

Dr. Bettina Stiel-Reifenrath, Kassenärztliche Vereinigung

Am 15. April warnt der Corona-Krisenstab vor einer vorschnellen Wiederöffnung der Schulen und Kitas, doch auf Bund- und Länderebene sind die Entscheidungen gefallen. Am 20. April sind zunächst die Geschäfte an der Reihe. Jene unter 800 Quadratmeter Verkaufsfläche dürfen als erste öffnen. Auf der Alleestraße herrscht reger Kundenverkehr. Die ersten Einkäufer werden von den Ladeninhabern mit Blumen begrüßt. Zugleich gilt überall die gleiche Aufforderung: Abstand halten! Tatsächlich ist die Gefahr nicht gebannt. Vier Remscheider sind an oder mit Covid-19 verstorben, 197 sind infiziert.

Am 23. April dürfen die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen wieder in die Schulen. Tags zuvor wird eine bundesweite Maskenpflicht beschlossen. Sie wird ab dem 27. April gelten. In Bus und Bahn und beim Einkaufen muss danach eine Mund-Nase-Maske getragen werden. Weil die Zahl der Masken nicht ausreicht, wird genäht, was das Zeug hält.

Und die Menschen suchen nach Zerstreuung. Weil das Cinestar-Kino am Hauptbahnhof geschlossen bleibt, beleben findige Veranstalter eine alte Instanz neu: Das Autokino kehrt zurück. Zur Premiere am 25. April fahren 300 Autos auf den Schützenplatz. Zu sehen gibt es einen James-Bond-Streifen. -ric-

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