Wege werden länger

Apothekensterben in Remscheid setzt sich fort

Henning Denkler ist Inhaber der Regenbogen-Apotheke und Remscheider Pressesprecher des Apothekerverbands Nordrhein. Archivfoto: Michael Schütz
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Henning Denkler ist Inhaber der Regenbogen-Apotheke und Remscheider Pressesprecher des Apothekerverbands Nordrhein.

Eine Versorgungslücke wird es nicht geben.

Von Manuel Böhnke

Es ist mehr als ein kurzfristiger Trend. Anfang der 2000er Jahre gab es in Remscheid 35 Apotheken. Zehn Jahre später waren es noch 24. Seitdem haben fünf weitere ihren Betrieb eingestellt, vier davon im vergangenen Jahr. „Ein Apothekensterben ist deutschlandweit nachweisbar – leider auch hier. Wir befinden uns in einem Sturzflug“, sagt Henning Denkler. Er ist Inhaber der Regenbogen-Apotheke im Kaufland und Remscheider Pressesprecher des Apothekerverbands Nordrhein. Trotz dieser Entwicklung betont der 46-Jährige: „Eine Versorgungslücke wird es nicht geben.“

„Wir befinden uns in einem Sinkflug.“
Henning Denkler

Meistens ist es das Alter des Inhabers, das zur Schließung eines Standorts führt. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig. Fachkräfte sind rar, vor allem studierte Pharmazeuten, erklärt Denkler. Diese Erfahrung machte der Remscheider im vergangenen Jahr am eigenen Leib. Für seine Niederlassung nahe der Dünkeloh-Klinik suchte er einen Apotheker als Filialleiter – erfolglos. Er musste das Geschäft schließen. „Dabei lief es eigentlich gut.“

Für Denkler besteht kein Zweifel: Sein Berufsstand ist nicht attraktiv genug. Und er möchte mit einem Klischee aufräumen: „Die Zeiten, in denen sich Apotheker Gedanken über ihr Ferienhaus und den dritten Porsche machen konnten, sind vorbei.“ Mit anderen Worten: Der Beruf wirft weniger ab als in der Vergangenheit. Das liegt Denkler zufolge unter anderem an den Vorgaben der Arzneimittelpreisverordnung. Der Apothekenzuschlag für verschreibungspflichtige Produkte beträgt 8,35 Euro. Hinzu kommen eine Notdienstpauschale in Höhe von 21 Cent und drei Prozent des Einkaufspreises.

„Bei kostspieligen Medikamenten sind drei Prozent natürlich nicht unerheblich“, räumt Henning Denkler ein. Doch bis die Krankenkassen gezahlt habe, gehe er in Vorleistung, trage das unternehmerische Risiko. Auch die Kosten für Personal, Miete und Beratung müssen noch abgezogen werden. Bei rezeptfreien Medikamenten befinden sich die Apotheker zudem in Konkurrenz mit Online-Anbietern.

Auf der anderen Seite nehme der Arbeitsaufwand vor allem durch die Bürokratie zu. Insbesondere im Umgang mit den Krankenkassen falle viel Papierkram an. „Man verdient weniger und muss Dinge tun, auf die man im Grunde keine Lust hat“, fasst Henning Denkler zusammen. Denn der Kontakt mit Kunden, wegen dem viele Apotheker sich ihren Job ausgesucht hätten, rücke zum Erfüllen rechtlicher Vorgaben in den Hintergrund.

Momentan sei der Beruf vor allem etwas für Idealisten. Und wenn doch ein junger Mensch den Weg in die Pharmazie einschlägt, lässt er sich lieber anstellen, als selbst eine Apotheke zu gründen. In Denklers Wahrnehmung ist das Problem, Nachwuchs zu gewinnen, in Remscheid größer als etwa in Köln oder Düsseldorf. „Die Stadt wird nicht als attraktiv wahrgenommen.“ Ähnliche Probleme gibt es bei der Suche nach niedergelassenen Ärzten.

Die 19 Apotheken vor Ort schaffen es jedoch weiterhin, die Remscheider mit Arzneimitteln zu versorgen. „Die sinkende Zahl führt aber dazu, dass die Wege zu den Apotheken immer weiter werden“, sagt Denkler. Mit Lieferdiensten versuchen die bestehenden Betriebe, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Trotz aller Herausforderungen bereut Henning Denkler seine Berufswahl nicht. Seit 2006 arbeitet er als Apotheker, seit vier Jahren ist er selbstständig. „Leuten wirklich zu helfen, indem man sein Wissen anwendet, ist toll“, betont der 46-Jährige. Darin sieht er auch einen Schlüssel zum Erfolg, um das Apothekensterben zu stoppen. Er fordert mehr Wertschätzung für seine Zunft: „Wir sind echte Experten auf unserem Gebiet, die eine entsprechende Anerkennung und Vergütung verdient haben.“

Medikamente

Ein weiteres Problem treibt die Apotheker und ihre Kunden um. Noch immer kommt es bei bestimmten Medikamenten zu Lieferengpässen. In der Corona-Krise sei das Problem an fehlenden Masken und der Wartezeit auf den Grippeimpfstoff deutlich geworden, erklärt Henning Denkler. „Ähnliche Situationen erleben wir mit anderen Medikamenten quasi täglich.“ Der 46-Jährige hofft, dass ein Umdenken einsetzt und Arzneimittel zukünftig wieder verstärkt in Deutschland und der Europäischen Union hergestellt werden.

Für die vor der Schließung stehende Kinderarztpraxis in Lüttringhausen zeichnet sich nun doch eine Nachfolgelösung ab. „Es gibt einen Kinderarzt, der sich für die Übernahme der Praxis interessiert“, berichtete Sozialdezernent Thomas Neuhaus (Grüne) im Rat der Stadt.

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