Verkehrsaufkommen nervt

Talsperrenweg: Anwohner fühlen sich im Stich gelassen

Von Lastern, hohem Verkehrsaufkommen und rücksichtsloser Fahrweise restlos genervt: (von links) Erika Krüger, Anne-Sophie Keller und Nina Buchholtz haben als Anwohner des Talsperrenweges die Nase voll. Ihre Straße wird durch die Baustelle Trecknase als Schleichweg genutzt. Foto: Roland Keusch
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Von Lastern, hohem Verkehrsaufkommen und rücksichtsloser Fahrweise restlos genervt: (von links) Erika Krüger, Anne-Sophie Keller und Nina Buchholtz haben als Anwohner des Talsperrenweges die Nase voll. Ihre Straße wird durch die Baustelle Trecknase als Schleichweg genutzt.
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Talsperrenweg wird als Schleichweg genutzt. Ordnungsamt entschließt sich zu ersten Schritten.

Von Andreas Weber

Mit 14 Jahren ist die Tochter von Erika Krüger mit Rollschuhen den Talsperrenweg runtergefahren. „Das liegt 36 Jahre zurück. Heute wäre das völlig undenkbar“, sagt ihre Mutter. Die Krügers sind eine alteingesessene Familie am Westzipfel des Hasenbergs. Seit 54 Jahren leben sie im Haus Talsperrenweg 25. Aus der ruhigen Wohngegend mit Schrebergarten-Idylle ist längst eine verkappte Hauptschlagader geworden. Der Talsperrenweg wird als Schleichweg genutzt.

Der Ausbau der Kreuzung Trecknase sorgt dafür, dass viele Pkw- und Lkw-Fahrer die Verbindung zwischen Ringstraße und Höhenweg als bequeme Ausweichstrecke wählen. Zu Stoßzeiten wird Kolonne gefahren, kleinere Staus inklusive. „Als hätten wir eine Autobahn vor der Haustür“, ärgert sich Anne-Sophie Keller. Die 35-jährige Studienrätin ist direkte Nachbarin der Krügers.

Oft werde durch die abschüssige Ortsverbindung gebrettert, obwohl nur 30 km/h erlaubt ist, klagt Keller. Wer als Anwohner das Limit einhalte, der bekomme am Steuer den Stinkefinger gezeigt. „Rücksichtnahme gibt es nicht.“

Wenn 7,5-Tonner hochfahren, fallen Anwohner aus dem Bett

Standpunkt von Andreas Weber

Von Stadt und Polizei fühlen sich die Anwohner allein gelassen. „Uns wurde frech gesagt, dass es doch noch keine Unfälle gegeben hätte.“ Muss denn erst was passieren?, entgegnet Erika Krüger. Nina Buchholtz, Nachbarin der Kellers zur anderen Seite, beschleicht täglich ein mulmiges Gefühl, wenn sie mit ihren drei Mädchen am Straßenrand ins Auto ein- oder aussteigt. Immer, wenn sie ihr Baby in den Maxi-Cosy setzt, wird´s hektisch. Ständig rauschen Wagen vorbei auf dem Weg Richtung Bergisch Born oder Lennep. Im Berufsverkehr morgens und nachmittags ist es extrem.

Vor allem die Brummis sind „ein Kreuz“. Viele auswärtige Lasterfahrer werden von ihren Navis an der Hauptstraße vorbei gelotst, sorgen für hohe Lärmbelastung und einen sich ständig weiter verschlechternden Zustand des ohnehin ramponierten Talsperrenweges. „Wenn die 7,5-Tonner hier hochfahren, fallen sie aus dem Bett“, meint Erika Krüger. Am Barmag-Gelände ist eine Spedition beheimatet, deren Fuhrpark sich in aller Herrgottsfrühe in Bewegung setzt.

TALSPERRENWEG

BAUSTELLEN Die Baustelle Trecknase ist bis Juni 2018 geplant. Für die Anwohner am Talsperrenweg ist es aber nicht das erste Mal, das eine Straßenbaustelle im Umfeld den Verkehr vor ihrer Tür zusätzlich belastet. Trecknase ist die Nummer 3 nach Bergisch Born und der Ringstraße.

Die Anwohner haben zwei Lösungsvorschläge: ein Durchfahrtsverbot für Lkw und Radarkontrollen. Ersteres will das Ordnungsamt zeitnah in die Wege leiten. Auf Anfrage des RGA erklärte dessen Leiter Jürgen Beckmann: „Es wird eine Längenbegrenzung für Lkw geben – sowohl an der Einmündung Ringstraße / Talsperrenweg wie Borner Straße / Höhenweg. Zuvor muss nur noch eine Schleppkurven-Berechnung vorgenommen werden.“ Das Teilverbot soll die Polizei im Rahmen ihrer Möglichkeiten überwachen.

Auch bei der Geschwindigkeit reagiert das Ordnungsamt. Aufgrund der Proteste wurde diese Woche am Talsperrenweg ein Seitenradargerät angebracht. Im Höhenweg zeichnete dieses bereits auf. Die Messstelle dort ergab, dass die Fahrzeuge im Schnitt (51 km/h) nicht zu sehr auf dem Gaspedal standen. „85 Prozent fahren dort nicht schneller als sie dürfen“, stellt Beckmann fest. Im Höhenweg sind allerdings 50 km/h erlaubt.

Der Seitenradar ist ein unscheinbarer Kasten. Als verdecktes Verkehrszählgerät zeichnet es rund um die Uhr alle Durchfahrten samt Tempo auf. „Stellen wir nach der Auswertung gravierende Überschreitungen fest, handeln wir“, verspricht Beckmann. Soll heißen: Dann könnte geblitzt werden. Das halten die Anwohner für eine Idee, von der sogar die Stadt profitieren könnte. „Mit einem Blitzer in unserer Straße würde sich die Stadt eine goldene Nase verdienen“, ist Anne-Sophie Keller sicher. 

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