Gericht

Angeklagter zu sechs Jahren Haft verurteilt

Der Prozess findet vor dem Landgericht in Wuppertal statt. Foto: lho
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Der Prozess findet vor dem Landgericht in Wuppertal statt.

Remscheider überfiel eine 82 Jahre alte Nachbarin und bedrohte diese mit einem Elektroschocker.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Nach einem bewaffneten Überfall auf seine 82 Jahre alte und gebrechliche Wohnungsnachbarin in Lennep hat das Landgericht Wuppertal einen angeklagten Mann (42) verurteilt. Er soll sechs Jahre Freiheitsstrafe verbüßen; nach zwei Jahren Haft wird er in eine Entziehungsklinik eingewiesen, weil er suchtkrank ist.

Nach Überzeugung des Gerichts bedrohte der Mann die Geschädigte mit einen gefährlichen Elektro-Schocker, so dass sie ihm von sich aus Geld anbot. Die Beute betrug 110 Euro. Der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung: „Das war ein massiver Übergriff, der schwere Folgen nach sich zieht.“

Über das Geschehen am 16. Januar in ihrer Erdgeschoss-Wohnung hatte die Frau im Zeugenstand ausgesagt, sie habe Todesangst gelitten: Die Tür habe sie geöffnet, weil der Nachbar eine Angelegenheit um die Miete klären wollte. Er habe sie durch den Flur bis in die Küche gedrängt und dort zu Fall gebracht, sie habe geschrien. Im Gericht sagte sie: „Ich habe nur diese schrecklichen Augen gesehen. Da wusste ich: Es ging auf Leben und Tod.“

Angeklagter bestreitet Einsatz eines Elektroshockers

Laut Urteil versuchte der Mann, die Seniorin mit einem Geschirrtuch zu knebeln und verletzte sie dabei am Mund. Sie habe panisch reagiert. Den Einfall, Geld anzubieten, beschrieb die Frau als ihren „Geistesblitz“. Der Mann zog ab. Ermittler nahm den Angeklagten am selben Tag in seiner Wohnung fest. Die Seniorin musste zuvor noch von der Polizei befreit werden: Sie hatte aus Angst eine Sicherheitskette an ihrer Wohnungstür vorgelegt und bekam die unter der Aufregung allein nicht mehr auf. Zwei Beamte kletterten über den Balkon in ihre Wohnung und halfen ihr.

Der Mann hat den Einsatz eines Elektroschockers bestritten. Das Gericht folgte in weiten Teilen dem Antrag der Staatsanwaltschaft und stützte sich auf die Aussage der Frau. Die Forderung des Mannes sei klar gewesen, auch wenn er während des Überfalls fast nichts gesagt habe. Zu der Tat hatte der Staatsanwalt kommentiert: „Sie wird sich für den Rest ihres Lebens zu Hause nicht mehr sicher fühlen.“

Im Hinblick auf die Drogensucht stellte ein Gerichtspsychiater fest: Einerseits habe der 42-Jährige bei der Tat nicht unter Drogen gestanden; andererseits sei der Hintergrund aber Sucht und Geldbedarf für Drogen gewesen. Der 42-Jährige konsumiert Heroin und Kokain. Er ist Lkw-Fahrer, verheiratet und Vater eines Sohnes, der bei der Mutter lebt.

Der Angeklagte bleibt in Untersuchungshaft, bis sein Urteil rechtskräftig wird.

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