Berufungsverhandlung vor dem Landgericht

Angeklagter will sich nicht mehr erinnern

Das Landgericht Wuppertal verhandelt in einem außergewöhnlichen Fall um gefährliche Körperverletzung in einer Remscheider Wohnung.
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Das Landgericht Wuppertal verhandelt in einem außergewöhnlichen Fall um gefährliche Körperverletzung in einer Remscheider Wohnung.

Ein Angeklagter, der lieber schweigt, statt gegen drohende Haft zu kämpfen, der sagt, er wisse nichts mehr und ein Vorsitzender Richter, der klare Zweifel an einem teilweise rechtskräftigen Urteil des Remscheider Amtsgerichts benennt.

Das Landgericht Wuppertal verhandelt in einem außergewöhnlichen Fall um gefährliche Körperverletzung in einer Remscheider Wohnung.

Der vorbestrafte, 41 Jahre alte Angeklagte soll den Sohn seiner Lebensgefährtin mit einem Messer angegriffen haben – aber nichts passt zusammen. Für den Angeklagten geht es um neun Monate Gefängnis – oder Bewährung.

Der Schuldspruch des Amtsgerichts geht davon aus, dass es am 19. März 2020 in der Wohnung der Mutter Streit gab, der körperlich wurde. Einer der Auslöser sei zu laute Musik des Jugendlichen gewesen. Im Gerangel habe der Angeklagte den Jugendlichen mit einem Küchenmesser verletzt. Ein Pullover mit einem runden Loch wurde in Aussagen beschrieben, war aber nicht mehr zu finden. Die Beschädigung passt womöglich gar nicht zu einem Schnitt. Vorhanden hingegen sind Fotos von vier Stichen hinten in der Schulter des Angeklagten: am Rücken. Mutter und Sohn fehlten als Zeugen – beide mit Krankmeldungen.

Der 41-Jährige erklärte: „Ich kann mich nicht erinnern. Ich war zu betrunken.“ Die Konter vom Richter: „Das ist Quatsch.“ Der Atem-Alkoholtest vom Abend des Geschehens belege höchstens ein Bier. Bei einer Bewährungshelferin habe er sich noch im Juni dieses Jahres erinnert: „Da haben sie gesagt: Es gab Knatsch, weil die Frau eifersüchtig war. Aber Sie hätten weder sie angegriffen noch den Jungen.“ Und: Die Frau, derzeit schwanger, stehe unter Bewährung wegen eines früheren Urteils.

Fazit des Richters: „Im Bergischen sagt man dazu: Da kommt man am Denken. Ich glaube: Sie decken jemanden.“ Der Anwalt des Angeklagten fügte hinzu: „Mein Mandant sagt mir, er ist mit dem Schuldspruch nicht einverstanden, aber er kann damit leben, wenn er nicht ins Gefängnis muss.“ Das Verhältnis zur Partnerin sei wieder intakt.

Das Gericht hat den Prozess auf Januar vertagt. Dann soll die Bewährungshelferin als Zeugin berichten, was der Angeklagte ihr gesagt hat.

Auch interessant: Prozess um vorgetäuschten Unfall - Beide Angeklagten schweigen

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