Prozess

Angeklagter soll Mitbewohner mit Messer attackiert haben

Ein 20-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht.
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Ein 20-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht.

Ein 20-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht.

Von Dirk Lotze

Bei einem lautstarken Streit und verdächtigen Geräuschen in einer Geflüchtetenunterkunft in Remscheid stand der Hausmeister (62) mitten im Geschehen, nachdem er die Tür zu einem Zimmer zweier Bewohner aufgeschlossen und geöffnet hatte: ein Kampf bis aufs Messer zwischen zwei sportlichen Männern. Das berichtete der 62-Jährige zu Beginn eines Prozesses um versuchten Totschlag im Landgericht Wuppertal.

Ein Bewohner habe sich an der Tür des Mehrbett-Raums an eine Wand gedrückt befunden. Der Mitbewohner, der 20 Jahre alte Angeklagte, habe diesen Mann bedrängt und und ein gut 30 Zentimeter langes Messer mit 19-Zentimeter-Klinge in einer Faust gehalten. Er habe versucht, sein Werkzeug schräg von oben in den Hals seines Opfers zu stechen. Der Angegriffene habe mit einem Arm grade noch gegenhalten können.

Der Hausmeister berichtete über den Angeklagten: „Er hatte einen ganz leeren Blick. Und er hat mit dem Messer immer noch weiter gedrückt. Ein Polizist hat mir später gesagt: Wenn ich die Tür zwei Minuten später aufgeschlossen hätte, wäre das Opfer tot gewesen.“

Bei dem Geschehen vom 18. November 2020 an der Königstraße im Stadtteil Hasten hatten laut Zeugen weitere Bewohner den Angeklagten entwaffnet und die Männer getrennt, bis die Polizei kam. Der Angegriffene erlitt Schnitte an einer Hand und Prellungen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte an dem Tag die Zimmertür von innen verschlossen hatte und dann – allein mit seinem Opfer – den Mitbewohner angriff. Streit zwischen beiden um Alltäglichkeiten soll sich über rund drei Wochen des gemeinsamen Wohnens aufgeschaukelt haben.

Zeuge sagt aus, dass er mit dem Tod bedroht wurde

Der Angeklagte ist aus Afghanistan geflüchtet. Der Geschädigte kommt aus Guinea, wird von den Behörden als 20-Jähriger geführt und macht selbst zu seinem Alter wechselnde Angaben – er sei nun 17. Beide haben keine gemeinsame Sprache und sollen bis zum Tattag, den Namen des jeweils anderen nicht zu nennen gewusst haben.

Der Verletzte bestätigte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Sprunghaft berichtete er mal vom Zusammenwohnen, und dass der Angeklagte ihn mit dem Tod bedroht habe. Er selbst sei gegen Rauchen, Alkohol und Marihuana, darum seien Streitereien gegangen. Am Tag vor dem Übergriff soll er sich bei der Polizei über den 20-Jährigen beschwert haben: Er wolle in Deutschland bleiben und nichts zu tun haben mit Leuten wie dem Angeklagten, die sich nicht an die Regeln halten könnten. Mehrfach verdeutlichte er mit Gesten, wie die Messerstiche vom Angeklagten geführt worden seien.

Der 20-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Bei dem Vorfall habe der Andere die Tür verschlossen gehabt und ihn zunächst angeschrien, dann geschlagen. Im Gerangel habe er ein Messer gegriffen, das auf dem Kühlschrank lag – um den Anderen auf Abstand zu zwingen. Er betreibe seit acht Jahren Taekwondo, womöglich sei es deshalb zu Verletzungen gekommen.

Das Wuppertaler Landgericht will am 28. April weiter verhandeln.

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