Angeklagter beschimpft Opfer

Prozess wegen eines schweren sexuellen Übergriffs

Von Dirk Lotze

Aufbrausend und mit Zwischenrufen im Gerichtssaal präsentiert sich ein Angeklagter (54) in einem Prozess um einen schweren sexuellen Übergriff in Remscheid. Laut Anklage soll der Mann im Juli 2020 in der leerstehenden Mannesmann-Unternehmervilla an der Burger Straße eine Prostituierte über eine dreiviertel Stunde herumgezerrt, gefesselt, teils entkleidet und mit Vergewaltigung bedroht haben. Die Frau (59) war für einen sexuellen Termin an den Tatort bestellt worden.

In der Verhandlung wurde sie Ziel einer Wortattacke des Mannes: „Ich habe mich entschuldigt! Das Erste, was ich gesagt habe, war: Es tut mir leid. Das verschweigst Du! Du lügst hier!“ Der vorsitzende Richter ermahnte ihn zur Ordnung. Der Angeklagte ist vorbestraft wegen einer anderen Vergewaltigung und war in Sicherungsverwahrung.

Die Frau hatte bei einem früheren Termin bereits ausgesagt und war erneut gerufen worden, um Nachfragen des Gerichts zu klären. Sie bekräftigte das Geschehen in der einsam gelegenen Villa: „Ich habe geschrien! Ich habe gebettelt, er soll mich gehen lassen.“ Sie habe mit ihrem Leben abgeschlossen gehabt, sagte die Frau: „Wenn er gesagt hätte, er lässt mich leben, hätte ich’s über mich ergehen lassen.“

Für die Richterinnen und Richter soll ein Gerichtsmediziner dazu aussagen, mit welcher Kraft die Fesselungen der Frau erfolgt sein können. Sie hatte Verletzungen an den Armen erlitten. Fotos sind in den Ermittlungsakten. Die Richter fragten für den Gutachter nach der Medikamenteneinnahme der Frau, nach möglichen Hauterkrankungen und nach Sonnenbank-Besuchen. Für andere Einzelheiten prüften sie die Internet-Anzeige der Frau, die im Handy des Angeklagten gespeichert war: Eine Fotostudio-Aufnahme, die bestrumpfte Beine zeigt, dazu das Versprechen von Haus- und Hotelbesuchen.

Der Angeklagte wetterte: „Da, sehen sie, Herr Richter! Das Foto – und dann ist sie erschienen. Da liegen Welten dazwischen!“ Er gab an, es habe Streit gegeben, weil er die Frau wieder wegschicken wollte.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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