Urteil

Angeklagte hat serienweise Reisebüro-Kunden betrogen

Gericht verurteilt Remscheiderin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Von Dirk Lotze

Die Geschädigten sollen sich erholsame Urlaube im Süden vorgestellt haben. Teils hätten sie erst in den Hotels erfahren, dass ihre Reise nicht bezahlt war. Eine angeklagte Reiseverkehrskauffrau (51) aus Remscheid ist nach serienweisem Betrug und Missbrauch von Kundendaten zur Freiheitsstrafe verurteilt. Das Amtsgericht Wuppertal verhängte zwei Jahre Haft.

Die Frau erhält ausnahmsweise Bewährung, obwohl sie weiter in einem Reisebüro arbeitet. Gründe sind ihr Geständnis, dass es ihre erste Strafe ist und eine positive Prognose des Gerichts. Die Vorsitzende Richterin stellte in der mündlichen Urteilsbegründung klar: „Mit dem Geld hat sie versucht, jeweils andere Löcher zu stopfen.“ Ziel der Angeklagten sei gewesen, ihr eigenes, finanziell zerrüttetes Unternehmen aufrecht zu erhalten und von den Einnahmen zu leben. Sie habe teils Taten zum Vorteil früher betrogener Opfer begangen – die teils die Abläufe nicht bemerkt haben sollen.

Taten zwischen 2017 und 2020 beging die Angeklagte in Reisebüros in Remscheid und Wuppertal, dort zunächst in einem eigenen Unternehmen. Die Geschädigten kamen aus der ganzen Region. In einigen Fällen zahlten sie am Urlaubsort über Kreditkarte mehr als 1000 Euro nach, damit sie bleiben durften – und keinen verfrühten Heimflug zusätzlich brauchten.

Im Prozess ging es laut der Staatsanwaltschaft um „die Spitze des Eisbergs“. Auszugehen sei von wesentlich mehr Taten: „Sie hat das Vertrauen ihrer Kundinnen und Kunden ausgenutzt und ein kriminelles System aufgebaut.“

Laut Geständnis variierte die Angeklagte ihre Methode. Teils gab sie einfach vor, den Reisepreis abrechnen zu dürfen – was Sache der Veranstalter gewesen wäre. Das Geld ging auf ihr Privatkonto; nachdem sie zahlungsunfähig wurde auf das Konto ihres Mannes, über das sie volle Kontrolle hatte. In anderen Fällen behauptete sie, eine Pauschalreise gebucht zu haben. Tatsächlich rechnete sie mit den Veranstaltern Einzelleistungen ab. Der Preisunterschied ging an sie. Probleme tauchten auf, wenn vor Ort Angebote für die Reisenden nicht verfügbar waren, die im Pauschalpreis enthalten sein mussten. Dann besserte die Angeklagte nach.

In drei Fällen nahm die 51-Jährige die Adress- und Bankdaten früherer, unzufriedener Kunden und bestellte neue Reisen. Die Geschädigten mussten sich teils vor Gericht mit den Reiseveranstaltern auseinandersetzen.

Nach ihrer Insolvenz arbeitete die Frau ab Mai 2019 vorübergehend als Aushilfe in einem Remscheider Büro – wo sie binnen weniger Wochen auffiel. Der Inhaber berichtete im Zeugenstand: „Irgendwann hab ich gefragt: Was machst Du mit deinem Laptop auf meinem Schreibtisch?“ Er habe private Geschäfte „nebenbei“ vermutet – was sich bestätigte.

Der berufstätige Mann der Angeklagten rang um Fassung, als er aussagte: Er habe von den Taten erfahren, nachdem ein Fernsehteam für eine Sendereihe um „Abzocke“ vor der Tür erschienen war. Das hatten geprellte Kunden veranlasst. Um Teile des Schadens auszugleichen, habe er sein Elternhaus verkauft.

Das Urteil ist rechtskräftig.

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