Erinnerungen

Als die Amerikaner in Remscheid einrückten

Gregor Stillger erinnert sich noch genau an den Einmarsch der Amerikaner in den Südbezirk zum Kriegsende vor 75 Jahren. Foto: Roland Keusch
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Gregor Stillger erinnert sich noch genau an den Einmarsch der Amerikaner in den Südbezirk zum Kriegsende vor 75 Jahren.

Gregor Stillger erinnert sich, wie er als kleiner Junge das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte.

Von Gregor Stillger

Remscheid. Der Remscheider Gregor Stillger (87) aus der Strucker Straße hat als Junge den Einmarsch der US-amerikanischen Streitkräfte und das Kriegsende in Remscheid erlebt. Der Bauingenieur hat für den RGA seine Erinnerungen an den 15. April vor 75 Jahren aufgeschrieben:

Zu den Ereignissen an diesem Tag hier im Südbezirk: Ich war damals 12 Jahre alt, habe also noch eine lebhafte Erinnerung an das damalige Geschehen. Am Abend des 14. April 1945 – unsere Familie saß gerade am Abendbrottisch – erschütterte plötzlich eine gewaltige Explosion unsere Gegend, die Fensterscheiben klirrten. Pioniere hatten die Eisenbetonbrücke der Autobahn bei Mebusmühle gesprengt. Danach sind wir alle umgezogen in unseren Luftschutzkeller, in dem wir auch die ganze Nacht verbrachten. Es folgte aber in der Nacht kein Beschuss der amerikanischen Truppen, so meine Erinnerung.

Schulrektor Saßmann verhinderte Schlimmeres

Der Sonntag, 15. April, begann ebenfalls ruhig, daher gingen meine zwei Jahre ältere Schwester und ich noch zur 7-Uhr-Messe in die Kirche St. Josef. Es herrschte eine merkwürdige Ruhe. Ab und zu hörten wir aus der Ferne Geschützlärm. Doch am späten Vormittag fuhr noch ein einzelner schwerer deutscher Panzer auf, genau an der Einmündung der Strucker Straße in die Baisieper Straße und richtete so das Geschützrohr abwechselnd in die beiden Straßenrichtungen, schoss jedoch nicht, da noch kein Amerikaner in Sicht war.

Da griff ein verantwortungsbewusster Bürger unseres Bezirks ein, es war der damalige Leiter der Dörpfeld-Schule, Rektor Saßmann. Er ging hin zu dem Panzerkommandanten und nach längerer Verhandlung hatte er ihn von der Sinnlosigkeit des Vorhabens, Remscheid von hier aus zu verteidigen zu wollen, überzeugt. Der Panzer drehte ab und fuhr nach Norden in Richtung Wuppertal. Nicht auszudenken, was aus dem Wohngebiet Intzestraße - Strucker Straße - Baisieper Straße - Neuenhof mit dem markanten Wasserturm an seiner höchsten Stelle geworden wäre, wenn der Panzer von dort aus das Feuer auf die anrückenden amerikanischen Truppen eröffnet hätte.

So verlief alles ruhig, nach und nach hingen an allen Häusern weiße Laken aus den Fenstern. Am frühen Nachmittag kamen die Amerikaner aus dem Tal herauf. Wir sahen sie auf der Baisieper Straße gehen. Das also waren unsere „Feinde“. Sie kamen die Strucker Straße herab, gingen in jedes Haus und suchten nach Waffen und eventuell versteckten Soldaten der Wehrmacht. Bei uns waren sie nicht. Damit endete für uns die „Eroberung der Welt“.

An den 8. Mai habe ich seltsamerweise gar keine Erinnerung, wahrscheinlich war da schon die Sorge um das tägliche Essen die wichtigste Aufgabe. Eins weiß ich noch genau: In den ersten Tagen nach der Kapitulation hörte ich zum ersten Mal zwei Namen, Buchenwald und Dachau. Verbinden konnte ich mit diesen Namen zu dem damaligen Zeitpunkt nichts.

Hintergrund

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der deutschen Kapitulation. In Remscheid war da der Krieg bereits seit 23 Tagen vorbei. Am 15. April marschierten die amerikanischen Truppen in die Stadt ein. Der damalige NSDAP-Oberbürgermeister Ludwig Kraft übergab die Stadt Remscheid kampflos, nach dem das amerikanische Oberkommando massiv mit einem Artillerieangriff gedroht hatte.

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