RGA vor Ort

Altes Kino steht seit zehn Jahren leer

Das Haus Barmer Straße 18 hat eine wechselvolle Geschichte, beherbergte ein Kino, etliche Discounter, eine Videothek und ein Tattoo-Sudio. Jetzt herrscht Leerstand. Foto: Michael Sieber
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Das Haus Barmer Straße 18 hat eine wechselvolle Geschichte, beherbergte ein Kino, etliche Discounter, eine Videothek und ein Tattoo-Sudio. Jetzt herrscht Leerstand.

Miterbin Karin Bartels versucht bisher vergeblich, ein 1000 Quadratmeter großes Grundstück an der Barmer Straße zu vermarkten.

Von Gerhard Schattat

Es tut sich etwas in Lüttringhausen: Prang investiert in das City-Center an der Gertenbachstraße, die Gemeinschaft BEJ in einen modernen Wohnhauskomplex an der Kreuzbergstraße, und Dr. Ferdi Nolzen schließt die Baulücke Barmer Str. 8.

In seiner Stadtteilserie „Vor Ort“ konnte der RGA bisher Investoren vorstellen, die Lüttringhausen voranbringen wollen. Das möchte auch Karin Bartels, die in Lüttringhausen aufgewachsen ist. Doch das hat sich bisher als nicht sehr einfach erwiesen.

Wilhelm Telgmann wollte mit dem Kino seinen Traum verwirklichen

Karin Bartels, die heute an der Nordsee lebt, versucht nämlich seit über zehn Jahren, den Komplex Barmer Str. 18 für die Erbengemeinschaft ihrer Familie zu vermarkten.

Hier hatte Mitte der Fünfziger Jahre ihr Vater Wilhelm Telgmann das TT-Kino eröffnet. Telgmann kam aus einer westfälischen Bauernfamilie, verzichtete auf den Hof und zog nach Lüttringhausen. „Er wollte hier seinen Traum verwirklichen: ein Kino zu betreiben“, erzählt seine Tochter Karin Bartels.

Der Wuppertaler Graffito-Maler Dominik Hebestreit hat im Auftrag von Karin Bartels die Außenfront mit Bilder versehen, hier ein Kiwi.

Die Familie Telgmann wohnte über dem Kino. Zehn Jahre sei das Kino auch gut gelaufen, dann spürte man schon die Konkurrenz in Gestalt des Fernsehens, erinnert sich Karin Bartels. Als älteste Tochter half sie auch mal im Kino aus, verkaufte etwa Eis und Snacks und schrieb die Namen der Filme mit beweglichen Buchstaben an die Eingangsfront.

1966 wurde das Haus umgebaut; das Kino zog – verkleinert – ins Obergeschoss. Später zog ein Videoverleih ein. Auf Parterre etablierten sich Mitte der Sechziger zunächst Michael Brücken, dann Netto, schließlich für 20 Jahre bis 2005 ein Lidl. Der zog schließlich in deutlich größere Räume in der Straße Am Schützenplatz um. Zunehmend wurden auf der Barmer Straße auch andere Läden aufgegeben.

Das ehemalige Kino, so meint es Karin Bartels, hatte als Einzelhandelsstandort ununterbrochen die Barmer Straße als B-1-Lage mit entsprechend gesundem Umfeld – Arztpraxen, Konditoreien, Gaststätten, Eisenwarenhandel, Apotheken – lebendig gehalten. Bis eben die Discounter größere Märkte eröffnen konnten. In den vergangenen zehn Jahren ist Karin Bartels immer wieder in Lüttringhausen gewesen, um den Leerstand abzustellen, eine neuen Nutzung zu finden oder den gesamten Komplex auch als Bauland zu verkaufen.

Es gibt den Bebauungsplan 628, der auf diesem und dem angrenzenden Grundstück der Stadt – nämlich dem Parkplatz – Neubauten ermöglicht. Hier heißt es: „Aufgrund der in der näheren Umgebung vorhandenen, ein wenig diffusen baulichen Struktur mit Einzel- und Doppelbauten wie auch geschlossenen Bauabschnitten ließe sich auch ein sich über beide Plangrundstücke erstreckender Baukörper städtebaulich einfügen. Angestrebt werden sollte im Erdgeschoss eine Einzelhandelsnutzung – auch mehrere Ladeneinheiten wären möglich, sollte kein größerer Betreiber gefunden werden. In den Obergeschossen könnten Dienstleistungen, Praxen, Büros wie auch Wohnungen entstehen. Realisiert werden konnte bisher nichts. Karin Bartels überlegt nun, ob hier nicht vielleicht Raum für eine Kindertagesstätte geschaffen werden kann.

Da das Gebäude jüngst mit rechtsextremistischen Sprüchen beschmiert wurde, hat sie einen Wuppertaler Graffiti-Künstler mit der Umsetzung von Wandbildern beauftragt, um die Fläche für Sprüche zu begrenzen. Somit hütet inzwischen ein Kiwi-Vogel den Eingang zum Haus.

RGA VOR ORT

STADTTEILSERIE Nach dem Auftakt mit der Innenstadt und dem Südbezirk in den Vorwochen widmet sich der Remscheider General-Anzeiger (RGA) bis zum heutigen Samstag an dieser Stelle dem Stadtbezirk Lüttringhausen. Weiter geht es mit dem Stadtteil Lennep. Auf der ersten Lokalseite sind bereits heute die Noten nachzulesen, die die Lenneper ihrem Stadtteil gegeben haben.

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