Corona-Krise

Altenheime haben das Virus im Griff

Ihr Haus Clarenbach war als erstes Alten- und Pflegeheim in Remscheid vom Coronavirus betroffen: Andreas Wigger und seine Mitarbeiterinnen Anna Zaremba und Halina Seygula unternehmen alles, damit Sars-CoV-2 nicht noch einmal Eingang findet. Foto: Roland Keusch
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Ihr Haus Clarenbach war als erstes Alten- und Pflegeheim in Remscheid vom Coronavirus betroffen: Andreas Wigger und seine Mitarbeiterinnen Anna Zaremba und Halina Seygula unternehmen alles, damit Sars-CoV-2 nicht noch einmal Eingang findet.
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Das Besuchsverbot in der ersten Coronawelle zehrte an den Bewohnern: Jetzt herrscht neue Zuversicht.

Von Axel Richter

Remscheid. Eine Liveband hätte gespielt, ein Büttenredner seine Zoten gerissen und das Funkenmariechen die Beine geschmissen. Doch der Auftakt der Karnevalssession fiel im Haus Clarenbach am Mittwoch ebenso aus wie das traditionelle Gänseessen zu St. Martin. Mehr als die aktuellen Einschränkungen in der Coronakrise aber zehrte im Frühjahr das Besuchsverbot an den Bewohnern des Alten- und Pflegeheimes in Lüttringhausen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: „Wir haben zwar keine erhöhte Sterberate“, berichtet Heimleiter Andreas Wigger, „wir haben aber zum Teil deutliche Gewichtsverluste. Unseren Bewohnern ging es in dieser Zeit nicht gut.“

In der zweiten Welle sollen die Heime deshalb offen bleiben. Erst recht in der nahenden Advents- und Weihnachtszeit. Thomas Neuhaus (Grüne), Sozialdezernent und Chef des Remscheider Krisenstabs, weiß: „Eine Schließung zum Fest wäre für Bewohner wie Angehörige eine Katastrophe.“

„Es bleibt bei uns keiner alleine.“

Gabriele Heyer-Stojsavljevic, Der Wiedenhof

Doch die Heime haben dazugelernt und die Hygienemaßnahmen greifen. Auch im Haus Clarenbach, wo es im Mai die ersten Coronafälle in einem Remscheider Alten- und Pflegeheime gegeben hatte. Damals waren sieben Bewohnerinnen und Bewohner sowie sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Aktuell meldet das Haus mit 80 betagten Remscheidern einen Infektionsfall und der ist möglicherweise eine Fehldiagnose.

Insgesamt sind aktuell sechs Alten- und Pflegeheime von Sars-CoV-2 betroffen. 12 Bewohner und 10 Pflegekräfte sind positiv getestet worden. In den Behinderteneinrichtungen gibt es unter Bewohnern und Pflegern wiederum 14 positive Fälle. „Das sind ganz geringe Zahlen“, sagt Thomas Neuhaus, der zugleich Leiter des Corona-Krisenstabes ist. Zum Vergleich: 8000 Menschen hat das Gesundheitsamt mit Hilfe der Bundeswehr in den vergangenen Wochen und Tagen in den Heimen getestet.

Für die Bewohner wurde das Kommen der Männer und Frauen in Uniform und Schutzanzug zum Event. Doch diese Besuche werden weniger. Mit Schnelltests werden die Heime ihre Bewohner und Mitarbeiter künftig selbst testen können. Auch Fußpfleger, Friseure und andere, die die Heime aufsuchen, können damit rasch auf das Virus untersucht werden.

Weil die meisten von ihnen selbst in die Risikogruppe fallen, müssen viele Ehrenamtler den Heimen bis heute fern bleiben. Damit fehlen auch die Programmangebote, die sie dort unterbreitet haben. Vor allem darf nicht mehr gemeinsam gesungen werden. Doch die Heime beweisen Einfallsreichtum. „Die einen singen vor der Tür“, berichtet Beate Pabst von der städtischen Heimaufsicht, „die anderen veranstalten sogar eine Disco.“ Das Haus am Park zum Beispiel. Während im Innenhof der DJ Platten auflegt, stehen und lauschen die Bewohner an den Fenstern.

„Es bleibt keiner alleine“, so lautet das Motto seit dem Frühjahr auch im Altenpflegezentrum „Der Wiedenhof“. Großes Lob zollt Leiterin Gabriele Heyer-Stojsavljevic dem Gesundheitsamt: „Man gibt uns von dort ein starkes Gefühl der Sicherheit.“

Zuversicht wuchs freilich auch mit der Nachricht vom Impfstoff, der nun doch früher verfügbar sein könnte, als es bislang angenommen worden wurde. Die Beschäftigten und Bewohner in den Heimen dürften zu den ersten zählen, die gegen Sars-CoV-2 geimpft werden können.

Vorsichtig optimistisch zeigt sich der Krisenstab auch angesichts der jüngsten Entwicklung bei den Fallzahlen. Am 30. Oktober erreichte die Inzidenzzahl mit 245,2 ihren vorläufigen Höchststand. Seit dem 4. November geht sie sichtbar zurück. Überschattet wird die gute Nachricht von einem Todesfall. Ein 80-jähriger Remscheider, der an einer schweren Vorerkrankung litt und mit Sars-CoV-2 infiziert war, ist gestorben.

In unserem Live-Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

Standpunkt: Eine Scheibe abschneiden

Von Axel Richter

axel.richter@rga-online.de

Es waren zum Teil erschütternde Szenen, die sich in der ersten Coronawelle an den Alten- und Pflegeheimen abspielten. Angehörigen war der Zutritt verboten, was im Einzelfall dazu führte, dass der demente Bewohner die eigene Frau nicht mehr zu Gesicht bekam. Die musste deshalb davon ausgehen, dass er sie gar nicht mehr wiedererkennen würde, sollten bis zum nächsten Besuch Tage oder gar Wochen vergehen. So etwas soll sich nicht wiederholen, weshalb die Heime peinlich genau darauf achten, dass die geltenden Hygieneregeln eingehalten werden. Leider gilt das nicht für jeden Besucher, wie die Heimaufsicht der Stadt durchblicken lässt. Selbst dort, wo jene leben, die am stärksten von Covid-19 bedroht sind, glauben einige wenige, sich nicht an die geltenden Regeln halten zu müssen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Heime ist deshalb ein riesen Kompliment zu machen. Zwar konnten sie nicht verhindern, dass Sars-CoV-2 den Weg in ihre Einrichtungen fand. Allerdings haben sie es geschafft, das Virus erfolgreich in Schach zu halten. Von ihrer Haltung und Konsequenz kann sich manch ein anderer eine Scheibe abschneiden.

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