Alte Deutsche Bank: Baustelle ruht

Aus großen Plänen für Lennep wurde bislang wenig

Vor beinahe sechs Jahren verließ die Deutsche Bank das schmucke Gebäude in Lennep. Heute sieht es dort so aus.
+
Vor beinahe sechs Jahren verließ die Deutsche Bank das schmucke Gebäude in Lennep. Heute sieht es dort so aus.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

Große Pläne skizzierte Corinna Vorwerk dem RGA. In das hübsche Gebäude am Tor zur Lenneper Altstadt lasse sie neues Leben einziehen.

Von Axel Richter

Remscheid. Eine Gastronomie mit Außenbereich, eine Kaffeerösterei zum Beispiel, könnte Einzug halten in das denkmalgeschützte Gebäude, in dem bis vor ein paar Jahren die Deutsche Bank residierte. Und im Keller mit freigelegtem Mauerwerk, sah die Remscheiderin damals im Gespräch mit dem RGA voraus, „könnte ich mir gut Wein- oder Whiskey-Verkostungen vorstellen“.

Das war vor zwei Jahren. Und was immer die Eigentümerin sich zwischenzeitlich für das Objekt vorgestellt hat: Zu sehen ist davon bis heute (noch?) nichts.

Bereits Mitte vergangenen Jahres beschrieb die Stadt Remscheid die Dinge so: „In den Jahren 2020/2021 wurden Arbeiten durchgeführt. Im Sommer 2022 wurde das Gerüst an der Eingangsseite entfernt. Derzeit ruht die Baustelle.“ Und, erklärte die Stadt auf Nachfrage der CDU-Fraktion in der Lenneper Bezirksvertretung weiter: Trotz Ankündigung „ist die Eigentümerin für Vorgespräche zur zukünftigen Nutzung bis heute noch nicht auf die Bauverwaltung zugekommen.“

Am Tor zur Lenneper Altstadt sehen sich die Spaziergänger freilich schon seit Jahren besser nicht so genau hin. Seit dem Weggang der Deutschen Bank vor beinahe sechs Jahren steht der Bau aus dem Jahr 1890 leer. Umso größer war die Freude, dass endlich etwas damit geschehen sollte. Und die Enttäuschung, als sich zeigte, dass sich nichts Sichtbares mehr tat.

In Lennep machen sich die Bürgerinnen und Bürger daraufhin ihren eigenen Reim. Schuld für den Stillstand sei der Denkmalschutz, hieß es aus mehr oder minder unberufenem Munde in den sogenannten sozialen Netzwerken des Internets.

„Da kommt wieder eine Gaststätte rein.“

Leo Schönhals zum alten Bergischen Löwen

„Blödsinn“, sagt dazu die Eigentümerin heute. Mehr möchte sie dem RGA allerdings nicht mehr zu ihrem ehrgeizigen Projekt erzählen. Nur so viel: „Es gibt Gründe, woran es liegt“, sagt sie. Welche das sind, sagt sie nicht.

Ein anderer, der in Lennep große Pläne verfolgt, hat keine Probleme, sich zu erklären. Wie berichtet, hat der stadtbekannte Investor Leo Schönhals die alte Apotheke an der Wetterauer Straße und das alte Kino mit Gaststätte am Übergang vom Alten Markt zum Munsterplatz erstanden. Beide Objekte will Schönhals aus einem Jahre währenden Dornröschenschlaf erwecken. Doch auch das dauert.

Sowohl in der alten Gaststätte Zum Bergischen Löwen und dem darüber liegenden Union-Theater als auch in der ebenfalls denkmalgeschützten Apotheke scheint derweil die Zeit still zu stehen. Hier erinnert ein Langnese-Schild an Kino-Schleckwerk aus den 60er Jahren, dort eine alte Registrierkasse sowie zahllose Tiegelchen und Töpfchen an ein Apothekerleben längst vergangener Tage.

An Visionen für seine Neuerwerbungen mangelt es Leo Schönhals nicht. „Da kommt wieder eine Gaststätte rein“, sagt Schönhals mit Blick auf die Kneipe unterm Kino. Und zwar eine türkische. Im April/Mai soll Eröffnung sein, sagt Schönhals.

Gastronomie hatte er auch in der seit 1982 leerstehende Apotheke gesehen. „Doch davon sind wir wieder weg“, sagt der Besitzer. Nun sollen Büros darin entstehen.

Unvollendete Werke haben die Investoren unterdessen noch in anderen Stadtteilen. Corinna Vorwerk unter anderem in Hasten, und Leo Schönhals wartet nach eigener Aussage aktuell auf Brandschutztüren für sein lange geplantes Spieleparadies für Kinder auf der Alleestraße.  

Was wird aus den DOC-Flächen?

Die mit Abstand größte Baustelle in Lennep stellt das Röntgen-Stadion mit Kirmes- und Jahnplatz dar. Nachdem vor beinahe einem Jahr die 170 Millionen schweren Pläne für ein Designer Outlet Center vor Gericht scheiterten, sucht die Stadt nach Alternativen für die Grundstücke. Im Februar soll dazu eine dritte sogenannte Lennep-Konferenz stattfinden. Dort können die Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen beisteuern. Die Stadt Remscheid strebt eine Mischung aus Wohnen, Freizeit und Gewerbe an.

Standpunkt von Axel Richter: Eine Enttäuschung

axel.richter@rga.de

Es gibt gute Gründe dafür, sich mit Aktivitäten am Bau gegenwärtig zurückzuhalten. Die Zinsen für Kredite steigen, die Kosten fürs Material auch. Und Handwerker sind schwer zu bekommen. Insofern kann es nicht überraschen, wenn Bauherren ihre Objekte ruhen lassen und im wahrsten Sinne auf bessere Zeiten hoffen. Selbst die Großen der Branche verfahren so. So hat die städtische Wohnungsgesellschaft Gewag wohl alte Wohngebäude an der Zeppelinstraße in Lennep abreißen lassen.

Die längst vorhandenen Pläne für Neubauten, die an gleicher Stelle entstehen sollten, legte die Gewag aber auf Eis. „Wir müssen vorläufig auf Sicht fahren“, erklärte Gewag-Chef Oliver Gabrian im RGA-Gespräch. Wenn das der Grund wäre, warum sich auch an der ehemaligen Deutschen Bank in Lennep nichts tut, so wäre das verständlich. Ohne jede Erklärung aber bleibt der Leerstand für die Lenneper ein Ärgernis. Und nach den vollmundigen Ankündigungen davor eine große Enttäuschung dazu.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Lüttringhausen: Unfall mit sechs Autos
Lüttringhausen: Unfall mit sechs Autos
Lüttringhausen: Unfall mit sechs Autos
Hindenburgstraße: Zwei Eröffnungen an nur einem Tag
Hindenburgstraße: Zwei Eröffnungen an nur einem Tag
Hindenburgstraße: Zwei Eröffnungen an nur einem Tag
Busse: Donnerstag und Freitag drohen Streiks
Busse: Donnerstag und Freitag drohen Streiks
Busse: Donnerstag und Freitag drohen Streiks
Nachfrage bei der Rentenberatung ist stark gestiegen
Nachfrage bei der Rentenberatung ist stark gestiegen
Nachfrage bei der Rentenberatung ist stark gestiegen

Kommentare