Alles zu vollenden ist Gottes Werk

Eine Geistliche macht sich Gedanken

Von Pfarrerin Charlotte Behr, Ev. Auferstehungskirchen-gemeinde Remscheid

„Ich wär’ gerne voller Zuversicht. Jemand, der voll Hoffnung in die Zukunft blickt,“ singt Felix Kummer in seinem Lied „Der letzte Song.“ Er kommt zu dem Schluss, dass er nichts Aufmunterndes singen könne, da ihm ein „Alles wird gut“ zu billig sei. „Ich wär’ gern voller Zuversicht“ diese Zeile geht mir seit Tagen durch den Kopf und beschreibt gut, wie ich mich fühle. Meine Timelines und mein Herz sind voll von russischen Panzern und ukrainischen Geflüchteten, voll von Spritpreisen und Waffenexporten. Ich würde auch gerne sagen können „alles wird gut,“ aber es fällt mir schwer.

Meine Konfirmanden haben mir kurze Videos geschickt, in denen bei ihnen alles gut ist. Es sind alltägliche Dinge: Das entspannte Frühstück mit der Familie, den Hobbys nachgehen. Zusehen, wie der Hund einem Stock hinterher hetzt und ihn stolz wieder bringt. „Aber alles ist dann natürlich noch nicht gut“, meint ein Mädchen aus der Gruppe. Sie hat recht. Die Kriege, der Hunger, Umweltkatastrophen, sie pausieren nicht. Doch es gibt sie, diese guten Momente, den Himmel auf Erden: Wenn ich mitbekomme, wie groß die Hilfsbereitschaft bei uns in der Stadt ist, Menschen auf die Straße gehen für den Frieden, Geschichten teilen, einander zuhören, dann ist ‚etwas‘ gut.

Das Wort ‚alles‘ ist mir zu groß. Ich überlasse es Gott. Nicht resigniert, sondern hoffnungsvoll. Alles zu vollenden, ist sein Part, und er ist schon am Werk. Darauf vertraue ich. In einem seiner Briefe hat Paulus einmal geschrieben „Wenn wir auf etwas hoffen, dass wir noch nicht sehen können, so hilft uns widerständige Geduld.“ Diese Worte erinnern mich daran, dass ich längst nicht alles sehe, dass ich Geduld brauche.

Sie erinnern mich an Gottes trotzige Kraft, aus Tod Leben zu schaffen. Neuanfänge zu ermöglichen, dort wo man längst nicht mehr an sie glaubt. Am Ende bleibt von dem Lied durch die eingängigen Wiederholungen das „Aber alles wird gut“ im Ohr. Die Reaktionen in der Kommentarspalte bei Youtube zeigen: Das Lied, das nicht trösten will, tröstet durch seine Ehrlichkeit doch.

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