Interview

Photovoltaik: Aktuell ist langer Atem gefordert

Michael Kaps ist verantwortlich bei der BEW für Technische Dienstleistungen – und damit auch für Photovoltaik-Anlagen.
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Michael Kaps ist verantwortlich bei der BEW für Technische Dienstleistungen – und damit auch für Photovoltaik-Anlagen.

Michael Kaps, Technik-Teamleiter der BEW, im Interview über Photovoltaik

Von Wolfgang Weitzdörfer

Herr Kaps, seit wann ist die Photovoltaik für die Bergische Energie- und Wasser GmbH (BEW) ein Thema?

Michael Kaps: In unserer Rolle als Netzbetreiber beschäftigen wir uns bereits seit mehr als 20 Jahren mit der Einspeisung von Photovoltaikanlagen. Heute speisen im Netzgebiet der BEW Netze 1932 Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von etwa 28,7 MW grünen Strom ein. Nachdem der Zubau zwischen 2009 und 2012 besonders hohe Zuwachsraten gehabt hat, fiel der Zubau bis 2018 deutlich geringer aus. Erst seit 2019 ist wieder ein deutlich stärkeres Wachstum zu spüren. 2021 gab es einen Zuwachs von 272 Anlagen, 2022 sind bis Ende Juni 142 PV-Anlagen in Betrieb gegangen. Darüber hinaus ist die BEW bereits seit 17 Jahren selbst im Bau und Betrieb eigener PV-Anlagen aktiv.

Welche Rolle spielen Solaranlagen heute bei Neubauten?

Kaps: Solaranlagen sind bei Neubauten inzwischen sehr weit verbreitet. Etwa bei jedem zweiten Neubau wird im Zuge des Baus sofort eine PV-Anlage installiert. Im Neubaugebiet Eschelsberg in Hückeswagen bietet die BEW den Bauherren ein Komplettpaket für die Versorgung des Neubaus an, das etwa auch eine Photovoltaik-Anlage mit Speicher und eine Wärmepumpe beinhaltet.

Ist die Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpe aktuell der Königsstandard?

Kaps: Diese Kombination ist sehr sinnvoll, weil ein großer Teil des für die Wärmepumpe benötigten Stroms in der eigenen Photovoltaik-Anlage erzeugt werden kann.

Wie sieht für Bestandsimmobilien die Möglichkeit des Nachrüstens aus?

Kaps: In vielen Bestandsimmobilien lässt sich eine Photovoltaik-Anlage nachrüsten. Auch die Installation einer Wärmepumpe kann in Bestandsimmobilien eine sinnvolle Alternative zum Heizen darstellen, vor allem dann, wenn eine Fußbodenheizung vorhanden ist. Hier ist es aber wichtig, sich vorab durch einen Fachhandwerker beraten zu lassen. Beachten muss man beim Nachrüsten in jedem Fall, dass die elektrische Hausverteilung auf den aktuellen Stand gebracht werden muss.

Gibt es Fälle, bei denen es sich nicht rentiert?

Kaps: Bei Photovoltaik-Anlagen hängt die Wirtschaftlichkeit insbesondere von der Ausrichtung und einer möglichen Verschattung des Daches ab. Das sollte man im Vorfeld auf jeden Fall überprüfen lassen.

Wie stehen Sie zu einer Verpflichtung für Photovoltaik, die die EU ab 2029 für Wohngebäude vorsieht?

Kaps: Wir gehen davon aus, dass sich auch ohne Verpflichtung viele Eigenheimbesitzer in den kommenden Jahren für eine PV-Anlage entscheiden, da das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Klimaschutz insgesamt deutlich angestiegen ist und die aktuelle Strompreisentwicklung darüber hinaus auch einen starken Anreiz setzt. Und wenn die ehrgeizigen Klimaziele der Bundesregierung umgesetzt werden sollen, ist es auch äußerst wichtig, auf so vielen Dächern wie möglich PV-Anlagen zu installieren.

Wie wichtig sind gewerbliche und öffentliche Gebäude in diesem Zusammenhang?

Kaps: Öffentliche Gebäude sind in diesem Zusammenhang sehr wichtig, weil tagsüber, wenn die Sonne scheint, auch die meiste Energie gebraucht wird. Und nach Wunsch der Landesregierung sollen bereits ab 2023 alle neuen öffentlichen Liegenschaften mit PV- Anlagen versehen und ab 2025 geeignete Dachflächen auf bestehenden Gebäuden nachgerüstet werden. Die BEW konnte zuletzt eine PV-Anlage auf dem Dach der neuen Löwen-Grundschule in Hückeswagen fertigstellen.

Immer öfter wird für kleine Kraftwerke auf dem Balkon geworben. Lohnt sich das?

Kaps: Bei optimaler Nutzung und Ausrichtung rentiert sich eine solche Anlage nach etwa neun Jahren.

Kann die Energie dieser kleinen Solaranlagen ins Netz eingespeist werden?

Kaps: Grundsätzlich ja, allerdings sind diese Anlagen aufgrund der geringen Kilowattstundenmenge, die erzeugt wird, eher für den Eigenverbrauch gedacht. Eine Einspeisevergütung gibt es nicht. Für eine Einspeisung müsste zudem noch ein Zweirichtungszähler installiert werden.

Wie viel Solarmodule benötigt man, damit es sich für den Erzeuger lohnt?

Kaps: Als Mini PV-Anlage ist maximal 600 W Wechselrichterausgangsleistung erlaubt. Beachten muss man aber auf jeden Fall, das die Installation fachmännisch erfolgt, gerade was die Installation etwa der Steckdosen betrifft.

Aktuell dürfte es schwer sein, PV-Anlagen, Wärmepumpen und Batteriespeicher zu bekommen, oder?

Kaps: Ja, das ist auch unsere aktuelle Erfahrung. Sowohl für PV-Anlagen wie auch für Wärmepumpen sind aktuell Lieferzeiten bis ins nächste Jahr hinein keine Seltenheit.

Welchen Stellenwert hat diese Kombination für das Erreichen der Klimaziele?

Kaps: Diese Kombination macht aus unserer Sicht sehr viel Sinn, gegebenenfalls dann sogar in Kombination mit der Anschaffung eines Elektro-Autos, das mit über die Sonnenenergie vom Dach betrieben werden könnte.

Wie muss eine Förderung aussehen, damit auch alle Hausbesitzer dem nachkommen können?

Kaps: Die Investitionen für neue, klimafreundliche Technik im Haus sind mitunter recht hoch und von vielen Hauseigentümern gerade in der jetzigen Zeit nicht so leicht zu stemmen. Daher bieten sich Förderdarlehen mit einem niedrigen Zinssatz und längerer Laufzeit besonders an, um die Hürde für die Neuanschaffung einer PV-Anlage oder einer Wärmepumpe kleiner zu machen.

Reichen die aktuellen Fördermöglichkeiten aus – und welche sind dies?

Kaps:Die Förderkulisse ändert sich zurzeit immer wieder. Daher werden Hauseigentümer immer zeitnah vor einer Investition prüfen müssen, wofür und in welchem Umfang es Fördermittel gibt. Gute Auskunft geben dabei beispielsweise die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) oder auch die Website der KfW.

Hintergrund

BEW:Die Bergische Energie- und Wasser GmbH bietet Interessierten einen Online-Service, mit dessen Hilfe überprüft werden kann, ob und wie gut das eigene Dach für eine Photovoltaik-Anlage geeignet ist.

Infotag: Am Mittwoch, 21. September, findet ein Photovoltaik-Infotag in Wermelskirchen statt.

www.bergische-energie.de

bergische-energie.de/solarberatung

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