In Lennep

Aidshilfe startet Gesprächskreis für schwule Männer

Hand in Hand durchs Leben zu gehen, wünschen sich homosexuelle Paare genauso wie heterosexuelle Paare. Ein neuer Gesprächskreis soll Männern Mut machen, ihren Weg zu gehen.
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Hand in Hand durchs Leben zu gehen, wünschen sich homosexuelle Paare genauso wie heterosexuelle Paare. Ein neuer Gesprächskreis soll Männern Mut machen, ihren Weg zu gehen.
  • Melissa Wienzek
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Beim Auftakt erzählt auch der Landtagsabgeordnete Sven Wolf von seinem Coming-Out.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Er ist evangelischer Pfarrer – und homosexuell. Wie passt das zusammen? Für den 71-jährigen Remscheider, der sich in den 70er Jahren mit Mitte 20 outete, schließt das eine das andere nicht aus. „Anlagebedingte Homosexualität und Partnerschaft, wie wir sie heute kennen, liegen außerhalb des biblischen Erfahrungshorizontes“, erklärt der Mann, der unerkannt bleiben möchte – zu groß ist die Angst, persönlich angegriffen zu werden. Denn das sei heute, im 21. Jahrhundert, immer noch traurige Alltagsrealität so manch eines schwulen Mannes, wie er einer sei.

„Kirche sollte meiner Meinung nach Homosexuelle als gleichwertig anerkennen“, sagt der Pfarrer, der Krankenhaus-Seelsorger war und sich im Konvent schwuler Pfarrer und lesbischer Pfarrerinnen engagiert. Man müsse jedoch unterscheiden: In den 90er Jahren habe sich der schwul-lesbische Konvent in der evangelischen Kirche im Rheinland für eine Liberalisierung erfolgreich eingesetzt, wobei es in der katholischen Kirche immer noch nicht offiziell erlaubt sei, ein schwules oder lesbisches Paar zu segnen.

71-Jähriger erfährt als Schwuler Diskriminierung

Denn das eigentliche Problem liege da, wo Homophobie ausgrenze - in Kirche und Gesellschaft. Nicht der Schwule sei pervers, sondern die Gesellschaft, die ihn nicht akzeptiere. „Noch immer gibt es viele Menschen, die uns nicht akzeptieren wollen in unserer Lebensart. Aber ich bin kein Monster, sondern ein normaler Mensch, der genauso leben will wie die anderen auch: ohne Diskriminierung am Arbeitsplatz, mit denselben Rechten und Pflichten.“ Der beste Weg für ihn sei, darüber zu sprechen. „Dann merken die Menschen, dass sie sich offensichtlich ein falsches Bild vom ,gewöhnlichen Homosexuellen‘ gemacht haben.“

Der Remscheider wünscht sich, dass gerade an Schulen das Thema gleichgeschlechtliche Vielfalt besser aufgearbeitet wird – was die Aidshilfe Wuppertal / Zentrum für Gesundheit, Sexualität und Selbstbestimmung im Bergischen bereits macht. „Ich wünsche mir, dass schwul bald kein Schimpfwort mehr in der Schule ist.“ Denn darum gehe es doch eigentlich: Wertschätzung. Für Jana Kawina von der Aidshilfe, die an Schulen, in Einrichtungen und bei Veranstaltungen zu gleichgeschlechtlicher Vielfalt aufklärt, ist der Ansatz zwar richtig. „Aber viele Schülerinnen und Schüler übernehmen die Werte aus ihren Elternhäusern. Die Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen oder auch Transgeschlechtlichen zieht sich oft durch die Generationen.“
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Um andere Männer zu ermutigen, ihren Weg zu gehen, und um weiter für Toleranz und Vielfalt zu werben, will der Remscheider Pfarrer seine ganz persönliche Geschichte erzählen - beim neuen Gesprächskreis für schwule und bisexuelle Männer der Aidshilfe, den er leiten wird. Denn auch er fand Verständnis in einer Gruppe. „Die Männer sagten mir: Du bist ein Gewinn für uns. Das tat gut.“ Manch einer habe hier auch sein Coming-Out. Wobei man dieses Wort eigentlich gar nicht so hoch hängen sollte, meint der 71-Jährige. „Man stellt sich immer einen wer weiß wie großen Gegenwind dabei vor. Aber der Gegenwind ist eigentlich gar nicht vorhanden. Erst recht nicht, wenn man Menschen um sich hat, die offen damit umgehen.“ Es bedürfe weiterhin solcher Schutzräume, sagt auch Jana Kawina. „Hier können sie einfach sein, wie sie sind.“

Erzählcafé: Der Auftakt für den regelmäßigen Gesprächskreis für schwule und bisexuelle Männer soll am Freitag, 21. Oktober, ein offenes Erzählcafé zum Thema Coming-out für Männer sein. Man trifft sich von 19 bis 20.30 Uhr in den Räumen der Aidshilfe, Mollplatz 3 in Lennep. Hier werden auch der Remscheider und Radevormwalder Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD) sowie Thomas Nogueira, Vorstand der Aidshilfe, ihre Coming-Out-Geschichten zur Verfügung stellen, um mit den teilnehmenden Männern ins Gespräch zu kommen.

Unterstützer gesucht: Der Pfarrer wird den Gesprächskreis für schwule und bisexuelle Männer leiten – bitte hierzu anmelden. Er sucht noch einen weiteren schwulen Mann, der ihn dabei unterstützt. Interessierte melden sich bei Jana Kawina unter Tel. (01 76) 34 55 19 33 oder per E-Mail: j.kawina@aidshilfe.wtal.de

Aidshilfe

Die Aidshilfe Wuppertal bietet im Mollplatz 3 in Lennep neben kostenfreien sowie anonymen HIV-, Hepatitis-C- und Syphilis-Schnelltests Beratung zum Thema HIV/Aids, sexuell übertragbare Krankheiten, geschlechtliche Vielfalt und zur Sexualpädagogik an - und zwar für alle Interessierten. Auch Fortbildungen können gebucht werden.

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