Fachkräftemangel

Ärzte beklagen einen Mangel an MFA

Layla Ijfiri macht ihre Ausbildung in der Praxis von Dr. Eric Jörgensen. Im Sommer ist die 20-Jährige fertig. Und dann eine heiß begehrte Fachkraft.
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Layla Ijfiri macht ihre Ausbildung in der Praxis von Dr. Eric Jörgensen. Im Sommer ist die 20-Jährige fertig. Und dann eine heiß begehrte Fachkraft.

Gibt es zu wenig Fachangestellte, hat das auch Auswirkungen für die Patienten.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ein paar Monate noch, dann ist Lyla Ijfiri fertig mit ihrer Lehre. Die 20-Jährige absolviert derzeit eine Ausbildung zu Medizinischen Fachangestellten, kurz: MFA, in der gastroenterologischen Praxis von Dr. Eric Jörgensen im Süd-Bezirk. Wenn sie im Sommer ihren Abschluss macht, wird sie zur gesuchten Fachkraft in einem Beruf, den die Agentur für Arbeit bereits 2019 als „Engpassberuf“ eingestuft hat.

„Es gibt in Remscheid viel zu wenig MFA“, sagt auch ihr Chef Dr. Jörgensen. Und das habe längst Auswirkungen, auch für die Patienten, ist der Mediziner überzeugt: „Ich weiß von Praxen, die deswegen ihre Sprechstunden einschränken“, berichtet er. Gerade bei Fachärzten führe das dazu, dass man noch schwerer an Termine komme.

Ohne MFA lasse sich eine Praxis nicht betreiben, betont Jörgensen. Die meist weiblichen Mitarbeiter, oft noch unter dem bis 2006 gültigen Begriff Arzt- oder Sprechstundenhilfe bekannt, vergeben Termine, halten die Abläufe im Blick, nehmen Proben und verabreichen Spritzen. Sie arbeiten im Backoffice, sind das erste Gesicht, das der Patient beim Betreten der Praxis sieht und bedienen medizinisches Gerät. „Wir Ärzte können nur gut sein, wenn wir gute MFA haben“, sagt Eric Jörgensen. Gerade bei Untersuchungen agiere man als Team. „Die MFA achtet darauf, was wir Ärzte machen. Und andersrum.“

Wie groß der Mangel, zumindest bundesweit, ist, zeigen Zahlen der Arbeitsagentur. Danach kamen 2021 noch 102 MFA auf Jobsuche auf 100 offene Stellen, 2022 waren es dann nur noch 75. Ganz ähnlich sieht es wohl auch beim Nachwuchs aus, berichten Experten. Auch Ausbildungsstellen blieben immer häufiger unbesetzt. Die auch für Remscheid zuständige Ärztekammer Nordrhein verweist allerdings darauf, dass es regionale Unterschiede gibt. Betroffen seien vor allem ländliche Regionen, sagt Pressesprecherin Sabine Schindler-Marlow, nicht der ganze Kammerbezirk. Und auch für Remscheid sehen die Zahlen gut aus, hier sei „ein steter Anstieg der Ausbildungszahlen zu verzeichnen“, so Schindler-Marlow. Wurden im Jahr 2020 noch 28 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, waren es zwei Jahre später schon 37.

Doch den tatsächlichen Bedarf decke das nicht, sagt Dr. Eric Jörgensen – und erntet dafür die Zustimmung seiner eigenen Auszubildenden: „Jeder in unserer Berufsschulklasse sagt, dass seine Praxis noch mehr ausbilden würde, wenn es ginge“, berichtet Lyla Ijfiri. Denn auch in den Arztpraxen gehen nun nach und nach den besonders geburtenstarken Jahrgänge in Rente.

Warum sich der Beruf so schwer tut, lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Dass es aber auch am Image liegen könnte, ist zumindest wahrscheinlich. Bei einer Umfrage in Bremen gaben 55 Prozent der Ärzte an, sie glaubten, der Beruf werde zu wenig wertgeschätzt.

Auch Dr. Eric Jörgensen meint, viele wüssten gar nicht, was den MFA-Job wirklich ausmacht. Was wohl auch an den alten Bezeichnungen liege. „Das sind ja keine Assistenten oder Helfer“, sagt er - und verweist auf die hohe Verantwortung der Fachangestellten. Für das Funktionieren der Praxis. Aber auch dafür, dass sich die Patienten wohlfühlen. „Was aus meiner Sicht total unterschätzt wird, ist die Anerkennung, die die MFA erfahren.“

Der ideale MFA-Azubi sei belastbar, empathisch und lernbereit, meint Lyla Ijfiri. „Und es wäre schön, wenn sie Selbstbewusstsein mitbringt“, sagt Dr. Jörgensen. Damit gebe es zahlreiche Möglichkeiten in dem Beruf, sind sich beide einig. Gerade in größeren Praxen können man sich auch spezialisieren und dann entweder nur am Empfang, im Backoffice oder bei Untersuchungen arbeiten, während man in kleineren als Allroundkraft viel Abwechslung habe. Vor allem aber könnten sich MFA längst ihre Praxis und damit ihren Arbeitsplatz aussuchen, sagt Dr. Eric Jörgensen. Umso dankbarer ist er, dass Lyla Ijfiri schon klar gemacht hat, dass sie in seiner Praxis bleiben will.

Hintergrund

Die Ausbildung zur MFA dauert in der Regel drei Jahre und erfolgt dual in einer Praxis mit Besuch einer Berufsschule. Voraussetzung ist ein mittlerer Schulabschluss.

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