Niedergelassene Ärzte

Ärzte: Auf dem Papier ist die Stadt gut versorgt

Dr. Bettina Stiel-Reifenrath, Kreisvorsitzende der KV.
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Dr. Bettina Stiel-Reifenrath, Kreisvorsitzende der KV.

Remscheider Hausärzte sind überdurchschnittlich alt. Kassenärztliche Vereinigung steuert gegen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Remscheid ist sehr gut mit niedergelassenen Ärzten versorgt. Das sagt zumindest die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Im Gesundheitsausschuss präsentierte Anika Zembok, Referentin für regionale Versorgung bei der KV Nordrhein, Zahlen, wonach in der ganzen Stadt derzeit nur ein halber sogenannter Kassensitz, also eine halbe Arztstelle, besetzt werden müsste, um die 100-prozentige Soll-Versorgung mit Hausärzten zu erreichen. Und bei den Fachärzten ist Remscheid demnach sogar deutlich überversorgt, teilweise um das Doppelte der Soll-Zahlen.

Daten, die bei Gesundheitsdezernent Thomas Neuhaus für „Euphorie“ sorgten, wie er während der Sitzung bekannte. Große Teile des Ausschusses wollten diese Euphorie aber nicht so recht teilen. „Ich bin da nicht so sehr beruhigt“, sagte Dietmar Volk, Sprecher der CDU-Fraktion im Gesundheitsausschuss. Schließlich sei es weiterhin schwer, einen neuen Hausarzt zu finden oder Termine bei Fachärzten zu bekommen. „Die Remscheider sehen das anders“, formulierte es Lothar Sill (SPD). „Remscheid ist im relativen Mangel gut ausgestattet“, sagte Thomas Brützel (WiR).

Auch interessant: Praxen in Remscheid teils bis ans Limit belastet

Auf dem Papier stehen Remscheid derzeit 70 Sitze für Hausärzte zu, 69,5 davon sind aktuell besetzt. Der Soll-Wert resultiere aus bundesweiten Vorgaben, die an regionale Begebenheiten angepasst werden, erklärte KV-Vertreterin Anika Zembok. Noch viel besser sieht es bei der sogenannten allgemeinen fachärztlichen Versorgung aus: Zehn Kinderärzte in Remscheid bedeuten eine Versorgung mit 149,5 Prozent, zehn Augenärzte 166,9 Prozent. Bei den Urologen (5) sind es 184,5 Prozent, bei den Hautärzten (7) gar 218,2 Prozent.

Dass es trotz des formalen Überangebots Probleme gibt, Termine bei diesen Fachärzten zu bekommen, liege wohl auch daran, dass sich die Inhaber der Ärztesitze nicht nur um Kassenpatienten kümmern, mutmaßte Dietmar Volk, als kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung Tannenhof durchaus ein Kenner der Szene. Doch das habe die KV im Blick, erwiderte Dr. Bettina Stiel-Reifenrath, Vorsitzende der Remscheider Kreisstelle: „Das diskutieren wir mit den Kollegen, wir schauen, wer wie viel abrechnet, wo man noch etwas holen kann.“

Viele Hausärzte: Patienten bekommen zeitnah nur selten Termine

Patienten, die diesen dringend benötigen würden, bekämen in der Regel auch zeitnah einen Termin beim Facharzt, betonte Stiel-Reifenrath. So sei es möglich, die Überweisung mit einem entsprechenden Hinweis zu versehen, im Zweifel rufe der Hausarzt auch persönlich in der Praxis des Kollegen an. Auch bei der Suche nach einem neuen Hausarzt gebe es meist eine Lösung: „Wir haben nach wie vor Praxen, die auch noch aufnehmen.“ Wer alleine nicht fündig werde, könne sich in der Kreisstelle der KV melden.

Häusärzte in Remscheid: Nachfolge gesucht - Frühwarnsystem zeigt Ruhestand an

Gleichwohl ist auch in der Statistik nicht alles in Butter, räumte Anika Zembok ein, denn die Rescheider Hausärzte sind überdurchschnittlich alt, voraussichtlich gehen also viele bald in Rente. Das Durchschnittsalter unter den Allgemeinmedizinern der Stadt liegt laut KV bei 57,3 Jahren, 23 Prozent sind 65 Jahre oder älter. „Wir haben diese Altersstruktur im Blick“, versicherte die KV-Vertreterin.

Unter anderem gebe es inzwischen ein Frühwarnsystem, berichtete Dr. Bettina Stiel-Reifernrath, damit soll die KV in Düsseldorf schneller mitbekommen, wenn in Remscheid eine Praxis abgegeben werden soll – und dann bei der Nachfolge-Suche helfen.

Dafür gebe es gleich mehrere Programme, erklärte Anika Zembok, unter anderem sogenannte Fördersitze, bei denen es bis zu 70 000 Euro gibt, wenn sich eine Ärztin oder ein Arzt in der entsprechenden Region niederlässt. Drei dieser Sitze gebe es inzwischen für Remscheid, so Zembok: „Die sind bisher auf große Resonanz gestoßen.“ Es gebe bereits für jeden Sitz potenzielle Bewerber.

Zu einer weiteren Verbesserung der hausärztlichen Versorgung in Remscheid könnte es zudem zum Jahreswechsel kommen. Ab 2022 sei es in Nordrhein wieder möglich, das Hausarzt-Soll bis zu einem Wert von 110 Prozent zu besetzen, berichtete Anika Zembok. Das bedeutet für Remscheid ein gutes Dutzend möglicher zusätzlicher Hausarzt-Sitze. Zumindest theoretisch, wie die KV-Referentin betonte: „Es ist ja immer auch die Frage, ob die besetzt werden.“ Der Trend unter den Medizinern gehe weiterhin zu Teilzeit und Angestelltenverhältnis.   

Lesen Sie auch: Neues Ärzteverzeichnis: Alle Mediziner in Remscheid auf einen Blick

Kassenärztliche Vereinigung

Die Kassenärztliche Vereinigung ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, in der alle Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten organisiert sind, im Fall der KV Nordrhein fast 20 000. Zu ihren Aufgaben gehört die Sicherstellung der kassenärztlichen Versorgung für gesetzlich Krankenversicherte. Die Remscheider Kreisstelle ist unter anderem per Mail erreichbar: reis.remscheid@kvno.de

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