Jagd in Zeiten der Pandemie

Abgeblasen: Förster kritisiert Jäger

Horn und Büchse kamen in diesem Jahr seltener zum Einsatz. In der Corona-Krise verzichteten viele Jagdherrn auf die Gemeinschaftsjagd im Revier.Foto: ChristianBeier
+
Horn und Büchse kamen in diesem Jahr seltener zum Einsatz. In der Corona-Krise verzichteten viele Jagdherrn auf die Gemeinschaftsjagd im Revier.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

Das Stadtforstamt hielt an seinen Gesellschaftsjagden fest – Viele Revierpächter verzichteten im Corona-Jahr darauf.

Von Axel Richter

Remscheid. Annähernd 300 Rehe und Wildschweine bringen die Jäger in jedem Jahr bei Gesellschaftsjagden auf Remscheider Stadtgebiet und in den Wäldern im Eigentum der Stadtwerke rund um die Neyetalsperre bei Wipperfürth zur Strecke. Sechs Drückjagden finden dazu im Herbst statt. Bislang erlegt wurden rund 150 Wildtiere. Im Corona-Jahr reicht das durchaus an die Strecken vergangener Jahre heran und Markus Wolff, Leiter des Remscheider Stadtforstamtes, bleibt optimistisch: „Da geht noch was.“

Zwei Gemeinschaftsjagden unter städtischer Regie sollen noch im Januar stattfinden. Trotz Corona. Die Jagdgesellschaften verzichten auf den sonst üblichen geselligen Teil, dem sogenannten Schüsseltreiben bei deftigen Speisen. Wegen der Seuche müsse aber die Jagd selbst nicht abgesagt werden, findet der Forstamtsleiter.

„Der einzelne Jäger verfügt nicht über die Manpower des Stadtforstamtes.“
Prof. Dr. Heinz-Willi Kling

Viele Revierpächter entschieden sich jedoch genau dazu. Zwar hatte die Landesregierung die Jagden zur Reduzierung der Reh- und Schwarzwildbestände trotz Corona erlaubt, den Verantwortlichen aber zahlreiche Auflagen erteilt. Angesichts dessen ließ es der ein oder andere Jäger lieber ganz sein.

Markus Wolff kritisiert das. „Der Handlungsbedarf ist groß“, sagt er. Die Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest, einer tödlichen Seuche in Ostdeutschland, machten eine intensive Bejagung der Wildschweine erforderlich. Und, das wiederholt der Forstmann immer wieder: Der Umbau der todgeweihten Fichten-Monokulturen zu klimastabilen Mischwäldern erfordere deutlich weniger Rehe. Denn die mögen besonders die Spitzen der frisch gepflanzten Bäumchen.

Und dann sind da die Anrufe erschrockener Bürger. Immer wieder klingelt bei den Förstern das Telefon, weil ganze Rotten von Wildschweinen wenig Hemmung zeigen, ganz in der Nähe nach Nahrung zu suchen. Die Menschen haben Angst. Meist ist das unbegründet, aber natürlich können Schweine den Menschen gefährlich werden. Rosenhügel und Kremenholl gelten als Hotspots der Wildschweinerscheinungen im Stadtgebiet. Das Problem: In bewohnten Gebieten kann und darf kein Jäger zur Büchse greifen und schießen. „Wir kriegen das Problem deshalb nicht in den Griff, wenn wir nicht gemeinsam handeln“, sagt Markus Wolff. „Und wir können es uns nicht erlauben, eine Jagdsaison komplett ausfallen zu lassen.“

Prof. Dr. Hans-Willi Kling, seit Oktober Vorsitzender der Kreisjägerschaft Remscheid, hält dagegen. „Unsere Mitglieder standen vor immer neuen Corona-Auflagen. Eine verlässliche Planung war so nahezu unmöglich“, sagt der Vereinschef von annähernd 330 Jägerinnen und Jägern.

„Im Unterschied zum Stadtforstamt verfügt der einzelne Revierpächter nicht über die Manpower und Infrastruktur, um eine Gesellschaftsjagd unter Coronabedingungen zu stemmen“, sagt Kling. Zudem: „Wenn es zu einem Infektionsfall kommt, steht der Veranstalter ganz alleine da. “

Statt sich und andere zu gefährden hätten die Remscheider Jäger sich deshalb dazu entschlossen, im Herbst und Winter die Einzeljagd auf Rehe und Schweine zu verstärken. „Wir hoffen, auf diese Weise auf eine ähnliche Strecke zu kommen wie im vergangenen Jahr“, sagt Hans-Willi Kling.

Jagdstrecke in Remscheider Revieren

In einem durchschnittlichen Jagdjahr kommen in den Remscheider Revieren annähernd 250 Rehe zur Strecke. Rund 100 werden jedoch nicht von Jägern erlegt, sondern die Tiere verenden nach einem Zusammenstoß mit einem Auto auf den Straßen. An zweiter Stelle kommen die Wildschweine. Rund 100 bringen die Jäger in jedem Jahr zur Strecke. Füchse kommen an dritter Stelle. Auch ihre Jagdstrecke liegt bei über 100.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Corona: Es gelten neue Corona-Regeln - Über 5000 Erst-Impfungen in einer Woche
Corona: Es gelten neue Corona-Regeln - Über 5000 Erst-Impfungen in einer Woche
Corona: Es gelten neue Corona-Regeln - Über 5000 Erst-Impfungen in einer Woche
Handwerker in Remscheid sind jetzt schon am Anschlag
Handwerker in Remscheid sind jetzt schon am Anschlag
Handwerker in Remscheid sind jetzt schon am Anschlag
Berufskolleg: Das Richtfest steht bevor
Berufskolleg: Das Richtfest steht bevor
Berufskolleg: Das Richtfest steht bevor

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare