Prozess

81-Jähriger gesteht sexuellen Missbrauch der Stiefenkelin

Verhandlungsbeginn vor dem Landgericht in Wuppertal.
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Verhandlungsbeginn vor dem Landgericht in Wuppertal.

Ein Lüttringhauser muss sich vor dem Landgericht verantworten.

Von Dirk Lotze

In einem Prozess um jahrelange, sexuelle Übergriffe im Familienkreis hat ein Angeklagter (81) aus Lüttringhausen alle Vorwürfe bestätigt. Zum Verhandlungsbeginn vor dem Landgericht in Wuppertal gestand der Mann den Missbrauch einer Stiefenkelin zwischen 2006 und 2014. Das Mädchen war zu Beginn des Zeitraums acht Jahre alt, Tatorte waren nacheinander die jeweiligen Wohnungen ihrer Familie in Wuppertal.

Den Richterinnen und Richtern sagte der Angeklagte: „Es trifft zu. Ich bereue das.“ Vor dem Hintergrund der Anklage kämpft der verheiratete, ehemalige Facharbeiter um eine Bewährungschance und zahlt der Geschädigten dafür 10 000 Euro. Sein Anwalt vermittelt.

Den nun bestätigten Vorwürfen zufolge begann der Missbrauch am achten Geburtstag des Mädchens mit einem aufgedrängten und mehrere Sekunden dauernden Zungenkuss des damals 65 Jahre alten Angeklagten. Über die Zeit soll er seine Taten über Griffe durch den Hosenbund des Kindes in den Intimbereich immer weiter gesteigert haben. Die Staatsanwaltschaft nennt insgesamt elf einzeln zuzuordnende Übergriffe. In mindestens einem Fall soll sich der Mann vor dem Kind befriedigt haben. Bei einer anderen Gelegenheit habe er Handlungen an sich verlangt. Der 81-Jährige sagte dem Gericht, er erinnere sich nicht an Einzelheiten oder den Anlass, der seine Taten ausgelöst hat.

Entdeckt wurden die Abläufe laut Informationen unserer Zeitung, indem sich das Mädchen von sich aus seiner Familie offenbarte. Zur Anzeige soll es mit Verzögerungen gekommen sein.

„Es geht um Verbrechenstatbestände.“

Anwalt des Opfers

Die Geschädigte ist nun Mitte 20. Sie soll weiter unter den Taten leiden und wurde vorübergehend in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Ihr Anwalt beantragte Schmerzensgeld von 25 000 Euro und Übernahme von Behandlungskosten. Zum Ziel seiner Mandantin stellte er klar: „Es geht ihr nicht um die Höhe der Strafe, sondern um einen Schuldspruch: Sie will nicht mehr als Lügnerin hingestellt werden.“

Der Anwalt des Angeklagten sagte: Zu einer Zahlung an die Geschädigte habe sich sein Mandant durchgerungen, nachdem er das Gutachten einer Psychologin über die Glaubhaftigkeit ihrer Vorwürfe gelesen hatte. Die Expertin hatte die Stiefenkelin im Auftrag der Staatsanwaltschaft untersucht.

Hintergrund der Verhandlung über eine Zahlung ist eine vorläufige Einschätzung des Gerichts: Bei einem Ausgleich zwischen Täter und Opfer kann wegen der sonstigen Umstände ausnahmsweise eine Bewährungsstrafe möglich werden.

Zu den Punkten, die bereits für den Angeklagten sprechen gehören, dass das Verfahren bis zum Gerichtstermin sechs Jahre dauerte, ohne dass der 81-Jährige das verschuldete und dass er nicht vorbestraft ist. In weiterer Hinsicht kann sich auswirken, dass der Mann laut Ärzten lebensverkürzend erkrankt ist. Der Anwalt der Geschädigten bekräftigte seine Forderungen: „Es geht um Verbrechenstatbestände, und nicht nur um einen.“

Das Gericht will kommenden Montag, 2. August, weiter verhandeln.

In einem Raubmordprozess gegen einen 37 Jahre alten Mann aus Remscheid wurde ein Urteil auf lebenslange Gefängnisstrafe rechtskräftig.

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