Teo Otto Theater

70 Besucher sind begeistert von Gainsbourgs Alter ego

Der in Frankreich geborene Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz konnte Serge Gainsbourg bestmöglich verkörpern. Foto: Michael Schütz
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Der in Frankreich geborene Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz konnte Serge Gainsbourg bestmöglich verkörpern.

Schauspieler Dominique Horwitz trat mit „Je t’aime“ im Teo Otto Theater auf.

Von Peter Klohs

Remscheid. Das Leben des französischen Musikers Serge Gainsbourg war kompromisslos und geprägt von Affären, viel Alkohol und noch mehr Nikotin. Die Musik des umstrittenen Genies ist ein Spiegelbild seines Lebens. Zerbrechliche Balladen stehen neben jazzbeeinflussten Kompositionen, Reggae und Rock and Roll. Der in Frankreich geborene Schauspieler, Sänger und Autor Dominique Horwitz ist die bestmögliche Besetzung, Gainsbourgs Sicht auf Leben und Tod dem Publikum im Teo Otto Theater nahezubringen. Seine zweistündige Tour de Force zeigte dies am Sonntagabend deutlich auf. Unterstützt von einer Liveband gewährte Horwitz mit „Je t’aime“ schonungslose Einblicke in die Welt eines Genies, das nur an einem scheitern konnte: an sich selbst.

Horwitz schont sich nicht auf der Bühne, raucht pausenlos, wahrscheinlich sehr starke französische Filterlose. Er ist Gainsbarre, das Alter ego Gainsbourgs, dem Sohn jüdischer Eltern, die aus der Ukraine stammten. „Ich habe den Tod oft, nein, immer vor Augen“, beginnt der zweistündige Reigen aus dunklen Lebensabschnitten und nur wenig hellerer Musik. Fixpunkte erhellen sich, wie das Immer-wieder-Überleben – trotz des permanent dem Körper zugeführten Gifts, das erste Mal dank einer versifften Nierenschale.

Die Sprache ist einem Poeten angemessen, streift aber auch das Derbe; Sex erlebt Gainsbarre offenbar nur in Gossensprache. Das über alle Musik erhaben wirkende „Je t’aime. . . moi non plus“, ursprünglich für die angebetete Brigitte Bardot verfasst, wird im Programm immer wieder angespielt, entpuppt sich in einer Piano-Soloversion als seltene Schönheit. Daneben erklingen mit „Mr. Iceberg“ ein lupenreines Jazz-Chanson, der durch „Dr. Jekyll“ abgelöst wird, ein direkter und harter Rocker. „Nicht Bob Marley hat den Reggae nach Frankreich gebracht“, sagt Gainsbarre, „sondern ich.“

Zuzutrauen ist ihm dies allemal. Gainsbourg stirbt mit 62 Jahren an seinem zweiten Herzinfarkt. Horwitz: „Er hatte zu viel Gitanes getrunken.“ Spricht‘s und zieht noch einmal an der letzten von sicher 15 Zigaretten des Abends, während Peter Engelhardt (Gitarre), Kai Werner (Keyboards), Johannes Huth (Bass) und Volker Reichling (Schlagzeug) ihre erstklassige Arbeit für diesen Tag beenden. 70 Besucher im Teo Otto Theater applaudieren begeistert.

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