Corona-Krisenstab tagt erneut

7-Tage-Inzidenz übersteigt die Grenze

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Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz in Remscheid. Zum Vergrößern klicken.

Im Gespräch sind Maßnahmen, wie man sie aus dem Lockdown kennt. Das Coronavirus breitet sich an Schulen aus.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Das Corona-Infektionsgeschehen in Remscheid hat noch einmal an Tempo zugelegt. 19 Neuinfektionen an nur einem Tag meldete das Gesundheitsamt am Dienstag. Damit sprang auch die 7-Tage-Inzidenz über die kritische Marke von 50, ab der Gegenmaßnahmen verpflichtend sind. Der Wert, der die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche angibt, liegt in Remscheid aktuell bei 52,05.

Wie die Stadt darauf regieren wird, entscheidet der Krisenstab am Mittwoch. Im Gespräch sind Maßnahmen, wie man sie noch vom Lockdown im Frühjahr kennt – allerdings immer mit der Maßgabe, dass „die Betreuungsangebote in Kitas und Schulen und die lokale Wirtschaft unangetastet bleiben“, wie Thomas Neuhaus, Leiter des Krisenstabs, auf RGA-Anfrage erklärt.

Am Dienstag bereits kam der Krisenstab zusammen, um die Situation vom Wochenende und vom Montag zu beraten. Da war die Inzidenz über 35 gestiegen und hatte damit die sogenannte Vorwarnstufe erreicht. Infolgedessen beschloss der Krisenstab ein Maßnahmenpaket. „Es besteht aus den drei Säulen Information, Intensivierung der Kontaktpersonennachverfolgung und Ahndung von Verstößen gegen die Coronaschutzverordnung“, heißt es in einer Mitteilung.

Neben einer Informationskampagne und der ausdrücklichen Empfehlung, im gesamten Stadtgebiet in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen, gehören dazu verstärkte Kontrollen des Kommunalen Ordnungsdienst (KOD), der nun auch wieder sonntags im Einsatz sein soll und Verstöße konsequent ahnden wird. Das führte, berichtete Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann, schon dazu, dass drei Friseur-Geschäfte vom KOD geschlossen wurden, weil sie sich nicht an geltende Regeln gehalten hatten.

„Die ganze Stadt muss daran arbeiten, das wieder in den Griff zu bekommen.“

Krisenstableiter Thomas Neuhaus

Dazu wird das Gesundheitsamt die Einhaltung der häuslichen Quarantänen verstärkt kontrollieren. Außerdem werden Veranstaltungen mit mehr als 300 Teilnehmern „bis auf Weiteres“ nicht mehr genehmigt und den Remscheider Schulen der Sportunterricht in Hallen untersagt. Acht Sporthallen, die nicht ausreichend gut gelüftet werden können, werden ganz geschlossen, auch für den Vereinssport. Abgerundet wird all das durch einen Aufruf, nicht in Risikogebiete zu reisen. Und die Einbindung von Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter über mögliche arbeitsrechtliche Konsequenzen von Urlauben in Risikogebieten aufklären sollen.

Die zuletzt deutlich gestiegenen Infektionszahlen führt die Stadt vor allem auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten zurück. Krisenstabsleiter Neuhaus sprach von einem „Schlendrian“, der sich teils eingeschlichen habe. Schutzmaßnahmen seien „missachtet und manchmal auch nicht verstanden“ worden. Selbst die nach positiven Tests angeordnete Quarantäne hätten manche nicht beachtet: „Wir wissen von einer Person, die währenddessen mit dem Auto zum Tüv gefahren ist.“

Dass die Kontrollen erst jetzt wieder verstärkt werden, liege daran, dass dies vorher nicht notwendig gewesen sei, sagt Neuhaus: „Man hatte schon den Eindruck, dass die Menschen sich an die Regeln gehalten haben.“ Genau das müsse nun wieder geschehen: „Die ganze Stadt muss daran arbeiten, das wieder in den Griff zu bekommen.“ Das sei umso bedauerlicher, weil man sich auf einem guten Weg wähnte, so Neuhaus.

Stattdessen kommen nun also wieder Maßnahmen infrage, die auch schon im März griffen. Dazu könnten Betretungsverbote in Altenheimen und Flüchtlingsunterkünften gehören, das Verbot von Kontaktsport und Zuschauerverbot bei Sportveranstaltungen, die erneute Schließung von Spielplätzen, Kirchen und Moscheen, die Wiedereinführung der Maskenpflicht in Schulen oder auch eine engere Regelung von privaten Feiern.

Wirklich lösen könne man das Problem aber nur auf einer übergeordneten Ebene, sagt der Krisenstableiter. „Wir in Remscheid sind dazu nicht allein in der Lage.“ Thomas Neuhaus wünscht sich einheitliche Regelungen – und höhere Hürden für Reisen in Risikogebiete. Am besten auf Bundesebene. „Die hat uns das Ei ja auch ins Nest gelegt.“ 

Aktuelle Corona-Zahlen

Am Dienstag meldete das Gesundheitsamt 79 an Covid-19 erkrankte Remscheider, es gab 19 Neuinfektionen, zeitgleich wurden drei Personen als genesen aus der Quarantäne entlassen. 385 befinden sich zudem in Quarantäne, weil sie im Verdacht stehen, sich angesteckt zu haben, außerdem vier Reiserückkehrer.

Standpunkt: Jeder fängt bei sich an

sven.schlickowey@rga-online.de

Von Sven Schlickowey

Eigentlich hätte man es ja kommen sehen können. Gute Zahlen, gutes Wetter, ein gutes Gefühl – da sind wir alle wohl ein wenig zu sorglos geworden. Hier stand plötzlich ein Kunde mitten im Laden, bis ihm mal jemand sagte, er solle eine Maske aufziehen. Wenn überhaupt. Da wurde sich dann doch wieder zur Begrüßung umarmt und geherzt. Zusammen mit ein paar Reiserückkehrern hat das gereicht, um die Infektionszahlen in Remscheid nach oben zu treiben. Bis wir heute wieder über längst verdrängte Dinge aus dem März reden wie das Verbot von Kontaktsportarten oder die Schließung von Gotteshäusern. So etwas passiert, wenn jeder für sich selbst entscheidet, ob Regeln für ihn gelten oder nicht. Und wenn Menschen die angeordnete Quarantäne nutzen, um ihr Auto zum Tüv zu bringen. Man kann darüber lammentieren, dass es so gekommen ist, das nützt aber nichts. Was wirklich hilft, ist daraus zu lernen und es zukünftig besser zu machen. Und am effektivsten ist es, wenn jeder bei sich selbst anfängt.

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