Prozess

43-jähriger Ex-Fahrlehrer freigesprochen

Im Amtsgericht Wermelskirchen fiel das Urteil.
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Im Amtsgericht Wermelskirchen fiel das Urteil.

Anklage lautete auf sexuelle Belästigung einer jungen Frau aus Hilgen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Burscheid. Es gibt keine Freisprüche erster oder zweiter Klasse. Ein Freispruch ist ein Freispruch. Und doch kommt es immer auf den Kontext an. Wenn der Richter, der mit Freispruch urteilt, in seiner Begründung sagt: „Ich bin mir sicher, dass etwas zwischen Ihnen passiert ist. Ich weiß aber nicht was – und ob es strafbar war“, dann klingt das eher nach „Im Zweifel für den Angeklagten“, als nach „Freispruch wegen erwiesener Unschuld“. Im Endeffekt kommt es auf das Gleiche heraus.

Dem 43-jährigen ehemaligen Fahrlehrer aus Remscheid, der sich vor dem Amtsgericht wegen sexueller Belästigung einer zum Tatzeitpunkt 17-jährigen Fahrschülerin aus Hilgen verantworten musste, konnte dieser Tatbestand nicht nachgewiesen werden – womit er freizusprechen war.

Es habe mehrere Punkte gegeben, die den Richter abschließend zum Urteil brachten. „Ich muss am Ende der Beweisaufnahme überzeugt davon sein, dass hier ein Tatbestand vorliegt. Ich habe aber Zweifel“, sagte er. In der Fortsetzungsverhandlung – der erste Verhandlungstag endete ergebnislos vor knapp zwei Wochen – wurde eine Zeugin geladen, die diese Zweifel weiter schürte. Denn die geschädigte 17-Jährige hatte in ihrer Aussage am ersten Verhandlungstag bestritten, den Angeklagten jemals geküsst zu haben. Die Zeugin, eine 18-jährige Auszubildende aus Wermelskirchen und selbst ehemalige Fahrschülerin der Fahrschule, in der auch der Angeklagte gearbeitet hatte, gab jedoch an, genau das beobachtet zu haben. „Ich habe das rein zufällig beobachtet, weil ich auf meine Freundin gewartet habe – und das Fahrschulauto frontal vor mir geparkt hatte, so dass ich freie Sicht darauf hatte“, sagte die Zeugin.

Sie habe zwar die Geschädigte nicht persönlich gekannt, wohl aber den Fahrlehrer. Und sie habe die Geschädigte so beschrieben, dass es sich um sie gehandelt haben könnte. „Außerdem hat der Angeklagte nach dem Aussteigen ihren Namen gerufen“, sagte die 18-Jährige. Die beiden hätten sich im Wagen, in dem das Innenlicht angeschaltet gewesen sei, auf den Mund geküsst. Nachdem die Zeugin den Saal verlassen hatte, wandte sich der Rechtsanwalt direkt an den Richter: „Herr Vorsitzender, die Geschädigte hat gelogen. Damit ist ihre Aussage vollständig unglaubwürdig. Wir können uns nicht die Aussagen herauspicken, die uns passen“, sagte er. Was er auch später in seinem Plädoyer wiederholen sollte.

Die Staatsanwältin sah das anders, sah den Tatvorwurf dennoch als erwiesen an. Sie betonte, dass die Aussage der Geschädigten durchaus glaubhaft gewesen sei. Auch die Aussagen anderer Zeugen, die ebenfalls am ersten Tag gehört worden seien, würden ein Bild des Angeklagten zeichnen, demnach dieser sich gerne und in Flirtabsicht mit den jungen Fahrschülerinnen ausgetauscht habe. Die am zweiten Tag gehörte Zeugin sei indes nicht glaubhaft, da sie sich nicht an das genaue Datum erinnern könne, es sich aber auf jeden Fall um einen Tag im Winter gehandelt habe und es entsprechen dunkel gewesen sei. „Sie kannte zudem die Geschädigte nicht, es hätte sich also auch um jemand anderen handeln können“, sagte sie und forderte 90 Tagessätze zu je 70 Euro Strafe.

Der Verteidiger zeigte sich fassungslos. „Alle Fakten, die wir hier haben, wurden von der Staatsanwaltschaft verdreht.“ Es habe eine gewisse Nähe gegeben, zwischen dem Angeklagten und der Geschädigten, diese sei aber immer einvernehmlich gewesen. Vor allem aber habe die Geschädigte im Zeugenstand gelogen, „sie hat sich strafbar gemacht“, sagte der Anwalt. Aus seiner Sicht würden alleine die Zweifel überwiegen, um einen Freispruch zu rechtfertigen. „Aber nicht nur deswegen – sondern schlicht, weil hier nichts strafrechtlich Relevantes passiert ist“, sagte er – und forderte den Freispruch für seinen Mandanten. Den er dann im Urteil des Richters auch bekam.

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