Impfpflicht

31 Kinder in Remscheid sind nicht gegen Masern geimpft

Schnelligkeit ist jetzt beim Impfen gefragt, damit das Infektionsgeschehen nicht völlig außer Kontrolle gerät.
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Das Masernschutzgesetz sieht eine Nachweispflicht für alle nach 1970 geborenen Personen vor, die mindestens ein Jahr alt sind und in Kitas, Horten, Schulen oder sonstigen Ausbildungseinrichtungen betreut werden.
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Gesundheitsamtschef Jens Pfitzner über Immunitätsnachweis in der Pflege, Schutzimpfung und Affenpocken.

Von Andreas Weber

Remscheid. Für die Mitarbeiter im Gesundheitsamt mit ihrem hohen Arbeitspensum gibt es eine gute Nachricht und Entlastung: Der Paragraf 20a des Infektionsschutzgesetzes entfällt zum 1. Januar 2023. Der 20a hat den Immunitätsnachweis gegen Covid-19 bei Mitarbeiter(inne)n in Krankenhäusern oder Einrichtungen für ältere, behinderte und pflegebedürftige Menschen zum Inhalt. Bei einem Referat vor der AG 60 plus der Sozialdemokraten erläuterte Gesundheitsamtsleiter Jens Pfitzner die Problematik: „Wir haben zu wenig Personal, um Gutachten zu erstellen, die möglicherweise auf ein Tätigkeitsverbot hinauslaufen.“

Mittlerweile sind die Meldungen der Einrichtungen in Remscheid abgeschlossen. Von 240 blieben 180 Fälle übrig, die keinen Nachweis erbrachten und weitergehend geprüft werden müsste. Ob dies geschieht, ist fraglich. Dies bedeutet Manpower und Zeitaufwand: Angehört werden müssen betroffene Mitarbeiter, deren Arbeitgeber, anschließend folgt ein ärztliches Gutachten, daraufhin ein Betretungs- oder Tätigkeitsverbot, mit der Folge von gerichtlichen Klagen dagegen.

Ein irrer Aufwand für nichts? Jens Pfitzner weiß um die Sinnhaftigkeit, angesichts des ohnehin existenten Fachkräftemangels, und die Frage der Verhältnismäßigkeit eines Verbotes, das im März Gesetz wurde und im Januar darauf gegenstandslos wird.

Bayern und viele neue Bundesländer seien mit der Umsetzung zurückhaltend gewesen und hätten kein Tätigkeitsverbot erteilt, auch viele Kommunen in NRW verhielten sich dementsprechend. Auch die Mitarbeiter von Pfitzners Dienststelle, aktuell um die 70, überfordert die Kontrolle.

Kontrolle nach §20 a entfällt: Jens Pfitzner.

Das Infektionsschutzgesetz räumt auch dem Masernschutz Priorität ein. 2020 beschlossen, muss nach Ablauf einer Übergangsfrist (31. Juli 2022) der Nachweis vorliegen. Dies gilt für Kinder, die mindestens ein Jahr alt sind und Horte, Kitas oder Schulen besuchen, oder aber Personal in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern oder Arztpraxen, das nach 1970 geboren wurde.

Vorgelegt werden muss ein Masernschutz oder eine Masernimmunität. Die Meldepflicht der Einrichtungen brachte in Remscheid keine Verweigerungswelle. Pfitzner erklärte, dass im Gesundheitsamt nur eine Meldung über eine nicht geimpfte Mitarbeiterin eingegangen sei. „Nicht geimpfte Schüler und Kita-Kinder verzeichnen wir 31, verteilt auf zwei Schulen.“

Das Gesundheitsamt kann die zum Nachweis Verpflichteten zur Beratung einladen. Allgemein gilt: Schulpflicht schlägt Impfpflicht.

In Remscheid bislang ein positiver Affenpocken-Fall

Für die Eltern heißt dies: „Ihre Kinder dürfen nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden, die Erziehungsberechtigten erhalten aber Bußgeldbescheide bis zu 2500 Euro. Ungeimpfte Kita-Kinder dürfen die Einrichtungen nicht betreten.“ Beim Thema Affenpocken konnte Jens Pfitzner beruhigen. In Deutschland, zitierte er aus einer Statistik, seien im August 3188 derartige Fälle registriert, 448 in NRW.

In Remscheid hätte es bislang einen positiven Fall gegeben sowie in diesem Zusammenhang einen – pockengeimpften – Kontakt und einen Kontakt mit einem Positivfall aus Solingen. „Beide Kontakte verliefen ohne anschließende Infektion“, erläuterte Jens Pfitzner. Die Betroffenen seien informiert und eine 21-tägige Quarantäne verordnet worden. Die von Viren verursachte Erkrankung wurde erstmals 1958 bei Javaneraffen beobachtet, gilt als seltene, vermutlich von Nagetieren auf den Menschen übertragene Viruserkrankung.

„Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nur bei engem Kontakt möglich“, meinte Pfitzner und nannte den Kontakt mit Körperflüssigkeiten, unter anderem bei sexuellen Aktivitäten. Oft träten Affenpocken in Verbindung mit HIV und Syphilis auf.

Impfangebote in Remscheid

Aktuell gibt es drei Impfangebote in Remscheid: Die Stiftung Tannenhof in Lüttringhausen impft an zwei Tagen in der Woche, jeweils fünf Stunden pro Tag. Durchschnittlich werden dort im Monat 120 Menschen geimpft. Die Anlaufstelle des Pflegedienstes 365 Grad (Elberfelder Straße 49) impft zur Vorbereitung auf die zu befürchtende Herbstwelle Bewohner und Personal, aber auch Bürger. 365 Grad bietet zurzeit zwei Termine monatlich an. Der nächste ist am Sonntag, 11. September (10 bis 12 Uhr), der folgende am Mittwoch, 21. September (14 bis 18 Uhr). Im Anschluss finden bei beiden Terminen mobile Impfungen statt. Das Impfteam kommt nach Hause. Ein Angebot, das sich an alle richtet, die nicht mobil sind. Anmeldungen für Termine in der Impfstelle sind wünschenswert unter Tel. (01 51) 67 82 74 17 (Testzentrum) oder unter „Doctolib“ im Internet auf: www.365grad.net.

Die Impfstelle Remscheid in der Berghauser Straße 63 hat im Moment eine von drei Aufklärungs- und Impfkabinen in Betrieb und reduzierte Öffnungszeiten, kann aber jederzeit hochgefahren werden.

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