Coronavirus: Job, Freizeit - So will die Stadt die neuen Regeln kontrollieren

2G-Regel ab Montag: Weihnachtstreff führt Armbändchen ein

Auf dem Weihnachtstreff vor dem Rathaus kontrollieren ab Montag Mitarbeiter des Veranstalters die Einhaltung der 2G-Regel. Foto: Michael Schütz
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Auf dem Weihnachtstreff vor dem Rathaus kontrollieren ab Montag Mitarbeiter des Veranstalters die Einhaltung der 2G-Regel.

2G in Kultur und Gastronomie - 3G am Arbeitsplatz: So sollen die neuen Corona-Regeln des Landes kontrolliert werden.

Von Andreas Weber, Melissa Wienzek, Sven Schlickowey und Axel Richter

Remscheid. Wer ab Montag den Weihnachtstreff vor dem Remscheider Rathaus besuchen möchte, muss geimpft oder genesen sein. 2G gilt ebenso im Restaurant und bei Kulturveranstaltungen. 3G gilt am Arbeitsplatz. Aber: Wer soll das eigentlich kontrollieren? Und wie?

Das kommt auf die Besucher des Weihnachtstreffs in Remscheid zu:

Schon im Vorfeld ist Marcel Müller mit der Stadtverwaltung mögliche Szenarien durchgegangen. Ganz unvorbereitet kommt 2G auf den Veranstalter deshalb nicht zu. Penibel kontrolliert werden nun die Geimpften und Genesenen mittels Armbändchen, die an einer Bude auf dem Markt ausgegeben werden – an diejenigen, die ihren Impfstatus nachweisen können. Ebenso wird auf dem Theodor-Heuss-Platz Personal, das mit entsprechenden Westen gekennzeichnet ist, herumlaufen und Besucher gegen Vorlage von Impfnachweis und Personalausweis mit einem Bändchen ausstaffieren. „Wenn nicht viel Betrieb ist, sollte die Legitimation an der Bude abgeholt werden“, erläutert Müller. Wo diese ab nächster Woche vor dem Rathaus aufgestellt wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Marcel Müller erwägt, am Wochenende sein Sicherheitspersonal aufzustocken. Da die Bändchen noch gedruckt werden müssen, rechnet Marcel Müller damit, dass die Umsetzung der Landesverordnung mit Beginn der kommenden Woche startet. Unterstützung wird er vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) erhalten. Auch der ist gehalten, die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen zu gewährleisten, gerade da, wo sich viele Menschen sammeln.

So kontrollieren Theater und Kino ihre Gäste:

Das Teo Otto Theater bereitet sich darauf vor, ab kommender Woche Besucher anhand der 2-G-Regel einzulassen. Im Hinblick auf das Solinger Theater, das 2G-Plus eingeführt hat, erklärt Geschäftsführer Lutz Heinrichs: „Wir warten die Landesverordnung ab und machen keine Alleingänge.“ Ob die Vorstellung der Italopop-Musicalkomödie „Azzurro“ am Samstag unter 2G stattfindet, wird heute entschieden. „Faktisch ist es so, dass unsere Gäste von Anfang an zu 95 Prozent 2G vorgewiesen haben – die allerwenigsten kommen mit einem Test, die meisten sind durchgeimpft.“ Wie viele Mitarbeiter am Eingang die Nachweise kontrollieren, hänge von der Auslastung der Veranstaltung ab. Das Konzept habe sich bewährt. „Die meisten Gäste haben ohnehin den digitalen Impfnachweis in der App“ , sagt Heinrichs. Die Verantwortlichen des Cinestar-Kinos wollen die heutige Bund-Länder-Konferenz abwarten, sagt Standortleiter Jörg Bender. Aktuell gilt am Bahnhof noch 3G.

Das bedeutet die neue Regelung für die Gastronomie:

Wie 2G in der Gastronomie umgesetzt wird, weiß Isabel Hausmann von der Dehoga derzeit noch nicht – die entsprechende Verordnung ist noch nicht da. Ohnehin lehne der Gaststättenverband die Regelung ab, sagt sie: „3G reicht aus.“ Noch schlimmer, gar „tödlich für die Gastronomie“, sei aber 2G-Plus, wie es die Stadt Solingen empfiehlt: „Die Leute betreiben nicht diesen Aufwand für einen Restaurantbesuch.“ Sorgen bereite der Dehoga zudem, dass derzeit viele Gäste ihre Feste und Weihnachtsfeier „in vorauseilendem Gehorsam“ absagen: „Das macht sich kaum einer klar, was das für den Gastronomen bedeutet.“ Breche das Weihnachtsgeschäft weg, gebe es im Januar und Februar das große Gastro-Sterben.

So kontrollieren die Chefs 3G in der Arbeitswelt:

Wer an seinen Arbeitsplatz möchte, muss geimpft, genesen oder getestet sein. Kontrollieren müssen das die Chefs. Nur wie? Dr. Marcus Jankowski, Präsident des Arbeitgeberverbandes und Chef der Robert Röntgen GmbH & Co. KG, hat darauf noch keine Antwort: „Ehrlich gesagt, bin ich da im Findungsprozess.“ Gewiss werde er Kontrolleure an den Zeiterfassungsgeräten postieren. Problem: „Wir arbeiten in drei bis vier Schichten.“ Nicht zu jeder Stunde stünden Mitarbeiter für die Aufgabe bereit, um Impfnachweise zu prüfen oder Tests auszugeben. Grundsätzlich sei er dennoch für 3G am Arbeitsplatz, sagt Jankowski. „Schön wäre es, wenn damit auch Impfquote steigt.“

Jetzt handeln

Der Remscheider Krisenstab begrüßt die angekündigte Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen. Sie gelten ab Montag. Doch sollten die Remscheider nicht bis Montag warten, sondern ab sofort auf persönliche Kontakte möglichst verzichten. Es dürfe keine wertvolle Zeit vertan werden. Eigene Verschärfungen lehnt der Krisenstab ab. Es soll kein neuer Flickenteppich entstehen.

Standpunkt

sven.schlickowey@rga.de

Kommentar von Sven Schlickowey

Die Impfzentren wurden geschlossen, jetzt werden Impfstellen aufgebaut. Die kostenlosen Tests wurden weitgehend abgeschafft, inzwischen sind sie wieder da. Und 2G kam auch erst, als es gar nicht mehr anders ging. Wieder einmal laufen die Entscheidungsträger in Land und Bund der Pandemie nur hinterher. Nicht zuletzt, weil man offensichtlich Rücksicht nehmen will auf eine kleine, aber laute Minderheit, die Meinungen nicht von Fakten unterscheiden kann. Und Youtube für eine seriöse Quelle hält. Nur ist Pandemiebekämpfung nichts Politisches. Mit einem Virus kann man nicht verhandeln. Bei der Frage, ob man Wissenschaftlern oder Scharlatanen folgen will, ist kein Kompromiss möglich. Die vierte Welle rollt bereits über uns, mit energischen Maßnahmen lässt sie sich vielleicht noch abschwächen. Absolute Voraussetzung dafür ist aber das Ende einer falschen Rücksichtnahme. Stattdessen brauchen wir Entscheidungen für die große Mehrheit, die vielleicht nicht so laut schreit und die Kommentarspalten bei Facebook flutet, aber verstanden hat, was nun nötig ist.

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