Arbeitnehmerrechte

Rathausplatz: 250 Menschen bei Maikundgebung

Demonstrationszug auf der Alleestraße: Rund 250 Menschen nahmen an der Maikundgebung teil. Fotos: Michael Sieber
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Demonstrationszug auf der Alleestraße: Rund 250 Menschen nahmen an der Maikundgebung teil.

Demonstrationszug führte von der Stadtkirche zum Theodor-Heuss-Platz am Rathaus. Hauptredner: Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die Kundgebungen zum 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeit, gehören auch in Remscheid zu den Traditionen. Um so unglücklicher waren in den vergangenen zwei Jahren die Gewerkschaften, die demokratischen Parteien sowie zahlreiche Vereine und Organisationen in der Stadt, dass der 1. Mai pandemiebedingt ohne große Kundgebung stattfinden musste.

Das war mit dem gestrigen Tag Geschichte, denn der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte zu einer Maikundgebung auf den Theodor-Heuss-Platz direkt vor dem Remscheider Rathaus eingeladen. Am Morgen läutete ein Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche das Ganze ein. Anschließend formierte sich der Demonstrationszug, der von der Stadtkirche zum Platz am Rathaus führte.

Vorne weg: die Sambatrommler Apito Fiasko, die mit ihren brasilianischen Grooves bei jeder Maikundgebung in Remscheid dabei sind. Auf dem Theodor-Heuss-Platz war eine große Bühne aufgebaut worden, auf der ein kleineres Banner „Nein zum Krieg“ forderte.

Zahlreiche Stände von Vereinen, politischen Gruppierungen und Gastronomen luden zu Gesprächen oder Verzehr ein: Der Stand der Linken stand in unmittelbarer Nachbarschaft zur CDU, Amnesty International war ebenso vertreten wie die Verbraucherzentrale oder die Grünen. Zudem gab es eine Hüpfburg für kleinere Besucher der Veranstaltung. Das kulinarische Angebot reichte von Popcorn bis zur Bratwurst. Auf der Bühne stand alles für die Free Bears bereit – eine Band, die Country, Americana und Rock‘n’Roll spielt.

Rund 130 Menschen nahmen am Demonstrationszugteil. Insgesamt waren etwa 250 Gäste zu den Maireden anwesend. Auf Fahnen und Bannern forderten sie „Schluss mit Mini-Lohn“ oder „Gute Arbeit, guter Lohn“.

In seinem Grußwort freute sich Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) nach zwei Jahren wieder, auf einer Maikundgebung sprechen zu können. „Endlich wieder ein 1. Mai, wie er sein soll“, rief er aus und entwarf in seiner Rede ein aktuelles Bild der Stadtgemeinschaft, die, wie er nicht ohne Stolz berichtete, stark sei.

„Inzwischen sind rund 750 Menschen aus der Ukraine, vor allem Frauen und Kinder, in unserer Stadt angekommen“, betonte er. Mast-Weisz äußerte vorsichtige Kritik an der Außendarstellung des Bundeskanzlers und beschwor die Zuhörenden, am 15. Mai zur Landtagswahl zu gehen.
Alle Infos zur Landtagswahl 2022 in Remscheid finden Sie hier.

Anschließend wies Peter Lange, Vorsitzender des DGB-Stadtverbands, auf die vielfältigen Probleme in der Gesellschaft hin und zeigte auf, dass die Gewerkschaften ihren Teil zur Lösung derselben leisten würden.

Dr. Hans-Jürgen Urban (IG Metall) zeigte sich bei der Forderung nach höheren Löhnen kämpferisch.

Hauptredner der Veranstaltung war Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, der in seinen ersten Worten feststellte: „Die Welt der Zukunft braucht Gewerkschaften.“ In seinem gut fünfzehnminütigen Beitrag ging er auch auf den Krieg in der Ukraine ein. „Unser Gegner ist nicht das russische Volk“, betonte Urban, „und nicht die russische Kultur. Unser Gegner ist die korrupte russische Politik-Elite.“ Er erklärte, dass man solidarisch mit der russischen Friedensinitiative sei.

Aber auch die anstehenden Lohnverhandlungen wurden thematisiert. „20 Prozent der Kolleginnen und Kollegen arbeiten im Mindestlohn“, führte Urban aus. „Und gleichzeitig gehen die Gewinne der DAX-Unternehmen durch die Decke.“ Irgendwann werde es unanständig, und irgendwann höre es dann auf, dass sich ein Staat, der so etwas dulde, Sozialstaat nennen dürfe. „Also: In den anstehenden Lohnrunden muss deutlich etwas herauskommen. Und dafür werden wir kämpfen.“

Kundgebung endete mit kulturellen Angeboten

In seiner Rede ging Dr. Urban auf den Rüstungsetat Deutschlands ein, der im Jahr 2022 bei über 50 Milliarden Euro liegt. „Wir brauchen keine neue Rüstungsspirale“, verkündete Urban, „wir brauchen eine neue europäische Sicherheitsordnung.“ Er schloss seine Mairede mit der Aussage, dass die Entlastungspakete wegen der stark angestiegenen Preise im Prinzip eine gute Sache seien, sie aber falsch angewandt würden. „Die Reichen partizipieren mehr davon als die Bedürftigen. Solidarität sieht anders aus.“ Im Anschluss gab es noch ein reichhaltiges kulturelles Angebot auf dem Rathausplatz.

Hintergrund: Deshalb gibt es den Tag der Arbeit

Zur Durchsetzung des Achtstundentags rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung am 1. Mai 1886 zu Demonstrationen auf und hob die Tradition der Maikundgebungen aus der Taufe. Dies endete vor 136 Jahren mit Gewalt und Toten. In Deutschland gibt es seit den 80er Jahren zuweilen Ausschreitungen am Tag der Arbeit, vornehmlich bei den Demonstrationen in Berlin-Kreuzberg. In NRW gilt der 1. Mai auf Grundlage des Feiertagsgesetzes als Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde.

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