Ungewöhnlicher Beruf

23-Jährige beschäftigt sich täglich mit dem Tod

Sophie Rosenthal und Holger Reichenbach berichten über den Alltag als Bestatter.
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Sophie Rosenthal und Holger Reichenbach berichten über den Alltag als Bestatter.

Sophie Rosenthal dürfte bald zu den jüngsten Bestatterinnen in der Region zählen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Sophie Rosenthal ist 23 Jahre jung und beschäftigt sich nahezu täglich mit dem Tod. Seit einigen Jahren schon arbeitet sie in dem Bestattungsunternehmen ihres Vaters Holger Reichenbach mit, absolvierte dort erst eine kaufmännische Ausbildung, dann eine verkürzte zur Bestatterin. Wenn die Remscheiderin voraussichtlich im kommenden Jahr ihre Prüfung ablegt, dürfte sie einer der jüngsten Bestatter in der Region sein.

Das sei für sie „ein ganz normaler Beruf“, betont Sophie Rosenthal. „Ich bin ja irgendwie damit aufgewachsen.“ Dass es anderen Menschen anders gehe, merke sie aber nahezu täglich. „Mein Beruf ist im privaten Umfeld natürlich immer das Gesprächsthema Nummer eins“, berichtet sie. Gerade Menschen, die sie neu kennenlernt, hätten meist viele Fragen.

Sophie Rosenthal hat erst nach Umwegen ihren Traumberuf gefunden

Dabei war trotz der familiären „Vorbelastung“ gar nicht klar, dass Sophie Rosenthal mal in der Branche landet. Nach dem Abitur sei sie wie selbstverständlich zur Uni gegangen. „Das war für mich klar, ich möchte studieren.“ Doch nach einem Semester Grundschullehramt an der Bergischen Universität Wuppertal war Schluss. Stattdessen begann sie eine Lehre als Kauffrau für Bürokommunikation bei ihrem Vater.

„Da wurde mir relativ schnell klar, dass das meins ist“, erinnert sie sich. Der Beruf des Bestatters sei vielseitig, beinhalte kreative Aspekte. Vor allem biete er die Möglichkeit, Menschen „in einem kompletten Ausnahmezustand“ zur Seite zu stehen. „Man braucht gewisses Einfühlungsvermögen“, beschreibt sie eine Grundvoraussetzung. Damit könne es gelingen, eine Beerdigung ganz individuell zu gestalten. „Wir wollen ja, dass das etwas Besonderes ist.“
Lesen Sie auch: Bestattungen in Remscheid werden immer persönlicher

So lasse sich die Leidenschaft des Verstorbenen in die Dekoration der Trauerfeier einbauen, nennt die angehende Bestatterin ein Beispiel. Auch Traueranzeigen ließen sich persönlicher gestalten. Wo das hinführen kann, zeigt ein Beispiel aus der Praxis der Firma Reichenbach: Die beerdigte vor kurzem einen Verstorbenen, der 70 Jahre lang Hobby-Imker war – in einer Urne in der Optik eines Bienenkorbs.

Die Ausbildung zum Bestatter ist vergleichsweise jung, nach einer Erprobungsphase trat am 1. August 2007 eine Verordnung in Kraft. Und anders als viele andere Handwerksberufe hat die Branche auch keine Nachwuchssorgen, sagt ihr Bundesverband. Bestehende Unternehmen würden meist über Generationen innerhalb der Familie weitergegeben. Und die neue Ausbildung ermögliche es auch Branchenfremden, Fuß zu fassen.

Ob Sophie Rosenthal irgendwann einmal die Bestattungsunternehmen Reichenbach in Lennep und Burggräf-Spier in Lüttringhausen übernimmt, sei derzeit noch nicht sicher, sagt Vater Holger Reichenbach: „Schauen wir mal.“

Man müsse sich auch der Verantwortung bewusst werden, betont Tochter Sophie Rosenthal: „Man muss 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche erreichbar sein.“

Zuvor gelte es aber ohnehin erst einmal, die Prüfung zu absolvieren. Deren Inhalte seien durchaus umfangreich und komplex, sagt die 23-Jährige. So gelte es, die verschiedenen Vorschriften zu kennen, die von Bundesland zu Bundesland, teils von Friedhof zu Friedhof variieren. „Andere Themen sind die hygienische Versorgung von Verstorbenen und das Trauergespräch.“

Hinzu kommen Veränderungen der Bestattungskultur. Als er die Firma vor 25 Jahre gründete, sei die Erdbestattung noch Standard gewesen, sagt Holger Reichenbach. Heute gebe es viele weitere Möglichkeiten, vom Kolumbarium bis zum Bestattungswald. Dass der Trend zur Urne gehe, habe nicht unbedingt nur etwas mit finanziellen Gründen zu tun, meint Reichenbach. Vielfach gehe es darum, die Grabpflege zu vereinfachen: „Keiner geht gerne auf den Friedhof.“

Solche alternativen Bestattungsformen seien heute nicht mehr außergewöhnlich, sagt Sophie Rosenthal. Dass die Zahl anonymer Bestattungen zunimmt, sehe sie aber mit Sorge. Das liege wohl auch daran, dass sich kaum jemand zu Lebzeiten mit der eigenen Beerdigung beschäftige: „Es wäre doch schön, wenn die Menschen offen darüber reden könnten.“ Das entlaste auch die Angehörigen. „Schade, dass der Tod für viele immer noch ein Tabuthema ist.“

Verband

Dem Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) gehören derzeit deutschlandweit rund 3200 Unternehmen mit mehr als 4800 Filialen an. Zu seinen Aufgaben zählt, Aspekte wie Tod, Trauer und Vorsorge in der Gesellschaft zu thematisieren.

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