Krise

Festes Ziel: Remscheider sollen 20 Prozent weniger Energie nutzen

Oliver Gabrian, Viola Juric, Sascha Hilverkus, Sabine Räck und Klaus Zehrtner präsentieren die Plakate.
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Oliver Gabrian, Viola Juric, Sascha Hilverkus, Sabine Räck und Klaus Zehrtner präsentieren die Plakate.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Stadt, EWR und Gewag geben ein Sparziel aus und geben Tipps. Das sind die aktuellen Verbrauchszahlen.

Remscheid. Die Eisbahn auf dem Weihnachtsmarkt verbrauchte so viel Strom wie 40 Einfamilienhäuser. Deshalb gibt es sie nicht mehr. Jedenfalls nicht in diesem Winter. Die Stadt spart Energie auch am Rathausturm. Die weithin sichtbare Spitze mit der Uhr ist nicht mehr beleuchtet. Die Temperatur in den Amtsstuben wurde gesenkt und auch das Badewasser im H2O ist ein Grad kälter. „Das sind Unannehmlichkeiten für uns“, sagt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD): „Keine zwei Flugstunden entfernt wissen die Menschen nicht, ob sie den Winter überleben.“

Die Eisbahn verbraucht so viel Strom wie 40 Einfamilenhäuser. 2022 fehlt sie.

Damit Putins Krieg gegen den Westen sein Ziel verfehlt, sind die Menschen zum Energiesparen aufgerufen. Um 20 Prozent soll der Verbrauch von Strom und Gas sinken. Am heutigen Mittwoch startet die Stadt deshalb eine Gemeinschaftskampagne. „Remscheid spart 20 Prozent“ heißt sie und will die Remscheiderinnen und Remscheider mit über zwei Dutzend Einspartipps auf das gemeinsame Ziel einschwören.
Lesen Sie auch: Einige Stromkunden der EWR haben falsche Bescheide bekommen

Dabei ist die Botschaft bei den meisten Menschen längst angekommen. „Die Verbrauchszahlen gehen deutlich nach unten“, sagt Klaus Zehrtner für die Energie und Wasser für Remscheid (EWR) GmbH. Sowohl in der Industrie als auch bei den Haushaltskunden liegen die Gasverbräuche aktuell um bis zu 44 Prozent unterhalb der Durchschnittswerte der vergangenen vier Jahre. Doch: Herbst und Winter waren bislang vergleichsweise warm. Zudem stellt sich in der Industrie die bange Frage, ob weniger Gas verbraucht wird, weil gespart wird – oder weil die Produktion sinkt.

Das H2O erhitzt sein Badewasser um ein Grad weniger. Die Reaktionen blieben spärlich.

Die Bundesnetzagentur sieht deshalb keinen Anlass für Nachlässigkeiten. Bundesweit muss der Verbrauch runter, wenn Gas und Strom nicht zumindest vorübergehend abgeklemmt werden müssen.

Der Krisenstab Energie, der alle Vorkehrungen auch für einen möglichen Blackout trifft, schließt sich dem Appell an. „Unser Ziel ist es, den Menschen Sicherheit zu geben“, sagt Burkhard Mast-Weisz, der den Vorsitz führt, und zeigt sich optimistisch: „Wir haben in Remscheid schon viele Krisen durchstanden. Wir kommen da auch diesmal durch – wenn alle mitmachen.“

So können Sie Energie und Gas sparen

Viele bedauern das, doch auch das Rathaus bleibt in diesem Jahr ohne Beleuchtung.

Das können Eigentümer und Mieter gleichermaßen. Sparsame Duschköpfe etwa senken den Jahresverbrauch auf 800 bis 1600 Kilowattstunden. Ein Zwei-Personen-Haushalt spart bis zu 485 Euro ein. Auf die Heizungsanlage hat nicht jeder Zugriff. „Wir gehen deshalb jetzt durch alle Gebäude“, sagt Oliver Gabrian, Vorstand der Wohnungsbaugesellschaft Gewag.

Mit 5345 Wohnungen ist sie Remscheids größter Vermieter. An den Reglern in den Heizungskellern kontrollieren die Mitarbeiter jetzt monatlich die Vorlauftemperatur. Und in manchen Räumen wurde die Heizung auch kurzerhand abgestellt. Treppenhäuser und Gemeinschaftsräume, die selten genutzt werden, müssen nicht geheizt werden. Und doch: „Am Ende müssen die Mieter mitspielen“, sagt Oliver Gabrian und verhehlt nicht: „Es wird zu einer Komfortabsenkung kommen.“

Im Ämterhaus und anderen Amtsstuben senkte die Stadt die Temperatur ab.

Akzeptanz dafür wünscht sich auch der Oberbürgermeister. Und zwar in den eigenen Reihen. Stattdessen ist mit der CDU ein Streit darüber entbrannt, ob die Bezirksvertretung Lennep zwingend in Lennep stattfinden muss, wo extra für sie geheizt werden muss. Burkhard Mast-Weisz ist grundsätzlich dafür. „Aber doch nicht in dieser Zeit“, sagt er: „Die Politiker müssen jetzt Vorbild sein.“

Appell

In Bussen, im Allee-Center, im RGA und auch im Internet wirbt die Stadt ab dem heutigen Mittwoch mit zwei Dutzend Tipps fürs Energiesparen in Remscheid. Ob und um wie viel der Verbrauch von Gas und Strom sinkt, lässt sich bei der EWR GmbH einsehen – im Internet unter: www.ewr-netze-remscheid.de.

Standpunkt von Axel Richter: Das macht Mut

axel.richter@rga.de

Die Remscheider sparen Energie, als möchten sie dem Kriegsverbrecher im Kreml höchstpersönlich den ausgestreckten Mittelfinger zeigen. Das macht Mut, doch bleibt es dabei? Aktuell sinken die Temperaturen, das heißt, der Winter beginnt erst. Es besteht deshalb kein Anlass dafür, sich auf den Erfolgen der vergangenen Wochen auszuruhen.

Wir müssen uns weiter einschränken und Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Unseres Geldbeutels wegen. Vor allem aber Putin wegen, der seinen Krieg gegen die Ukraine, der zugleich ein Krieg gegen den Westen ist, nicht gewinnen darf. Dabei sind wir auf einem guten Weg.

Aktuell verbrauchen die Remscheider nach Berechnungen der EWR 44 Prozent weniger Gas als im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre. Dass die EWR die Verbrauchsdaten öffentlich macht, dürfte die Motivation weiter steigern und die Bürgerinnen und Bürger von der Notwendigkeit weiterer Sparanstrengungen überzeugen. Mehr vielleicht als jeder Appell.

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