Innenstadt

Alleestraße: So geht es der Einkaufsstraße in Remscheid

Geschäfte und Leerstände in der Remscheider Innenstadt.
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Geschäfte und Leerstände in der Remscheider Innenstadt.

Die Alleestraße hat viele Leerstände. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Etwas mehr als 100 Ladenlokale sind auf der Alleestraße zwischen Markt und Zange zu finden. Knapp 15 Prozent davon stehen derzeit leer. Damit hat die Remscheider Haupteinkaufsstraße heute bereits eine Leerstandsquote erreicht, die eine Studie, an der unter anderem die Deutsche Städtetag und der Städte- und Gemeindebund beteiligt waren, vor einem Jahr für die Zeit „nach Corona“ prognostizierte.

„Wir haben auf der Allee ein Leerstandsproblem“, sagt auch Matthias Gerke, seit September zusammen mit seiner Kollegin Kübra Akyazi als Innenstadtmanager in Remscheid aktiv. Doch das sei keinesfalls ein remscheidspezifisches Problem, betont er: „Wir sehen dieses Bild auch im Rahmen anderer Projekte in anderen Städten.“

Alleestraße in Remscheid: Einkauf nicht mehr Hauptgrund für Besuch der Innenstadt

Als Hauptgrund hat Gerke die insgesamt gesunkene Nachfrage nach Ladenlokalen ausgemacht. Der Handel tue sich schon länger schwer, sagt er. Und die aktuelle Situation mit Corona, Energiekrise und Inflation bremse Unternehmensgründer ebenso aus wie die Expansionspläne von Filialbetrieben. „Das ist ja auch wenig überraschend.“ Gerke glaubt hingegen nicht, dass es am Angebot liege, wie teils in kleineren Städten, wo es etwa an größeren Flächen für Filialisten fehlt: „Mein Eindruck ist, dass wir eine breite Mischung an Größen unter den Leerständen haben.“

Dass der Einzelhandel in den Innenstädten weiter an Bedeutung verlieren wird – zu diesem Schluss kommt die Studie aus dem Jahr 2021. Die Gleichung „Innenstadt = Einkaufen als Hauptbesuchsgrund“ sei passé, heißt es dort. Und je kleiner eine Kommune, desto stärker sei der Bedeutungsverlust des Einzelhandels.

Ein Bild, das die untere Allee längst widerspiegelt. Mit den Allee-Arkaden, die unter anderem Kik und Rossmann beherbergen, Tedi gegenüber und Gottl. Schmidt als eines der letzten inhabergeführten Geschäfte ein paar Meter weiter gibt es dort weiterhin auch attraktiven Einzelhandel. Doch in dem Bereich vom Markt bis etwa zur Mandtstraße haben sich inzwischen viele Dienstleiter angesiedelt, darunter Friseure und Nagelstudios, ein Sonnenstudio sowie eine Krankenkasse und die Verbraucherzentrale. Außerdem zwei Apotheken und die Postbank.

Immer mehr Einzelhändler zieht es stattdessen nach oben. Woolworth zog aus der Hausnummer 51 in die 68. Ernsting’s Family wird in den kommenden Monaten die Nummer 50 verlassen und eine Fläche im Allee-Center beziehen. Womit ein weiterer Leerstand auf der unteren Hälfte der Alleestraße abzusehen ist. Heute schon befinden sich etwa zwei Drittel der ungenutzten Ladenlokale im unteren Teil.

Innenstadtmanager sieht Potenzial in Förderprogramm

„Die Stadt hat das natürlich erkannt“, sagt Matthias Gerke. Eine Reaktion sei die geplante Dreiteilung der Allee, die durch die Sanierungssatzung vorangetrieben werden soll. Danach soll sich der Einzelhandel im oberen Drittel konzentrieren, der Rest insbesondere für Wohnen und Dienstleistung sowie Freizeit und Gastronomie genutzt werden. Die Ansiedlung neuer Anbieter werde durch ein Förderprogramm unterstützt: Dabei mietet die Stadt Ladenflächen an und vermietet sich günstiger weiter. „Ein tolles Programm“, sagt Gerke. Das aber noch nicht bekannt genug sei.

Und einigen besonders großen Leerständen auf der unteren Allee nimmt sich die Stadt gesondert an. Für das ehemalige Sinn-Leffers-Gebäude, Hausnummer 21-25, gebe es weiterhin Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer, berichtete unlängst Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. Hier könnte eine sogenannter Dritter Ort entstehen. Und das ehemalige Kino, Hausnummer 28, schräg gegenüber soll abgerissen werden, um Platz für einen breiteren Durchgang zum neuen Busbahnhof zu schaffen. Wenn sich die Stadt mit dem Eigentümer einigen kann.

Hintergrund

Einen Leerstand auf der Allee beseitigen Kübra Akyazi und Matthias Gerke selbst: Sie beziehen ein Büro in einem bisher leerstehenden Ladenlokal im Haus Alleestraße 49. Aktuell werde dort noch umgebaut, berichtet Gerke: „Wir können aber zeitnah einziehen.“ Geplant sei, mindestens einmal pro Woche vor Ort ansprechbar zu sein. Auch Zukunftsmanager David R. Froessler wird das Büro nutzen, so Gerke. Er kümmert sich vor allem darum, neue Mieter für leere Ladenlokale zu finden, teils auch mit Förderung.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Es braucht Mut

sven.schlickowey@rga.de

Die Alleestraße hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, und das nicht unbedingt zu ihrem Vorteil. Das ist zweifellos richtig. Falsch ist hingegen die in Remscheid gerne kolportierte Ansicht, dass es hier viel schlimmer sei als anderswo, wie schon ein Blick in die Solinger Nachbarschaft beweist. Und falsch ist auch die Vorstellung, dass man nichts dagegen machen könne.

Die anvisierte Dreiteilung der Allee - die übrigens nicht sklavisch zu verstehen ist, kein Einzelhändler wird vom unteren Drittel der Straße vertrieben - ist ein logischer Schritt, eine sich ohnehin schon abzeichnende Entwicklung zu kanalisieren. Das klappt aber nur, wenn alle mitziehen - obwohl das in vielen Fällen einen Sprung ins sprichwörtlich kalte Wasser bedeutet und viel Mut erfordert. Lieber etwas Neues mit Aussicht auf Besserung als Bekanntes mit einem sicher schlechten Ende.

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