Fachdienst Soziales

Zahl der Wohngeldbezieher steigt in Remscheid rasant

Die Wohngeldstelle der Stadtverwaltung muss personell aufgerüstet werden: Fachdienstleiter Carsten Thies und Stellvertreterin Martina Lajewski stehen vor riesigen Herausforderungen.
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Die Wohngeldstelle der Stadtverwaltung muss personell aufgerüstet werden: Fachdienstleiter Carsten Thies und Stellvertreterin Martina Lajewski stehen vor riesigen Herausforderungen.
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13 neue Vollzeitstellen gegen den Andrang auf das Wohngeld.

Von Andreas Weber

Remscheid. Seit gut vier Jahren ist Carsten Thies mit Führungsaufgaben im Fachdienst Soziales und Wohnen bei der Stadt betraut. Was mit dem „Wohngeld Plus“ und der Änderung des Heizkostenzuschussgesetzes auf ihn und seine Mitarbeiter zukommt, nötigt dem erfahrenen Verwaltungsmenschen viel Respekt ab: „Das wird eine riesige Herausforderung.“ Aktuell werden in Remscheid 950 Leistungsfälle betreut, im Rückstand ist die Wohngeldstelle mit 510 Anträgen.

Mit der Erhöhung des Wohngeldes zum 1. Januar 2023, die vom Bundesrat abgesegnet werden muss, geht der Gesetzgeber davon aus, dass sich die Zahl der Anspruchsberechtigten verdreifacht. Insbesondere die Gewährung eines weiteren Heizkostenzuschusses schätzt Carsten Thies in Zeiten hoher Energienachzahlungen als attraktiv ein: „Ein Zwei-Personen-Haushalt erhält beispielsweise 540 Euro, sofern er zwischen September und Dezember 2022 mindestens einen Monat Wohngeld bekommen hat.“

Zwei Millionen Haushalte bundesweit sollen ab kommendem Jahr davon profitieren. Für die ersten künftigen verwaltungsinternen Planungen bricht Carsten Thies die geschätzten Bundeszahlen auf Remscheid runter. „Wir würden demnach um die 3000 Wohngeldbezieher haben.“

Wohngeld: Fachdienst Soziales kann Antragsflut nicht bewältigen

Zurzeit sind für die Bearbeitung in der Wohngeldstelle 6,6 Stellen vorgesehen. Damit wird die Antragsflut, auf die sich der Fachdienst Soziales und Wohnen in der Haddenbacher Straße 38 im ehemaligen Riloga-Gebäude einzustellen hat, nicht bewältigt werden können. Es braucht schnell deutlich mehr Personal. Woher das kommt? „Wir befinden uns in internen Abstimmungsgesprächen“, bittet Thies um Verständnis, nicht konkret werden zu können.

Möglichkeiten gibt es drei: im eigenen Hause Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verschieben, auf dem Arbeitsmarkt Kräfte anzuheuern oder Pensionäre vorübergehend aus dem Ruhestand zurückzuholen. Wie sich der Personalschlüssel entwickeln soll, steht in einer Vorlage für die Ratssitzung am 20. Oktober. Durch die Verdreifachung würde sich dieser auf 19,8 erhöhen.

Der Rat soll, schlägt es die Verwaltung vor, beschließen, dass elf zusätzliche Vollzeitstellen in der Sachbearbeitung Wohngeld eingerichtet werden, 2,2 Vollzeitstellen in der Zuarbeit Wohngeld sowie eine halbe Stelle in der EDV-Koordination. Für 2023 ergeben sich 68 000 Euro für geschätzte neue 20 Büroarbeitsplätze. Inklusive zusätzlichem Personal kalkuliert die Stadt mit 944 700 Euro mehr für kommendes Jahr.

Die ersten Anträge von Bürgern liegen dem Fachdienst bereits vor. Thies rät zu warten, bis das Gesetz in trockenen Tüchern ist. Gestellt werden sollten Anträge online. Für das Personal wäre dies eine Vereinfachung. 45 Minuten müssen sich Antragsteller beim Ausfüllen Zeit nehmen. Formulare dafür gibt es auch in Papierform, sie können zudem am PC ausgedruckt, dann per Post eingesandt werden. Eine persönliche Vorsprache ist zwar möglich, jedoch nur nach Terminvereinbarung. „Grundsätzlich ist dies nicht erforderlich“, betont Thies.

Die Bearbeitungsdauer wird momentan mit acht Wochen kalkuliert. Carsten Thies rät allen, die auf Staatsunterstützung hoffen, zunächst mit dem Wohngeld-Proberechner zu kalkulieren, ob dieses überhaupt für den eigenen Haushalt infrage kommt. Der Proberechner kann über die städtische Homepage angeklickt werden. Nach einer komplizierten Formel wird Wohngeld nach der Zahl der Mitglieder im Haushalt berechnet, der Höhe des Familieneinkommens und der zuschussfähigen Miete beziehungsweise Belastung. Derweil richtet Thies einen Appell an Vermieter, die Mietern, die noch kein Wohngeld erhalten haben, sich aber finanziell in der Klemme befinden, entgegenkommen sollen.

Stadt setzt auf Kostenübernahme durch Bund und Land

In den ersten beiden Quartalen 2022 gab die Stadt zwischen 550 000 und 600 000 Euro für Wohngeld aus. Nicht beinhaltet sind Hartz-IV-Leistungen und Grundsicherung im Alter. Übernommen wird dieses je zur Hälfte von Bund und Land. Die Stadt Remscheid geht auch bei der Finanzierung für die zusätzlichen Stellen davon aus, dass Bund und Land aufkommen werden. Eine Forderung, die der Deutsche Städtetag unterstützt, der zudem auf „unbürokratische Abschlagszahlungen“ pocht, damit das Geld schnell bei den Menschen ankommt.

Standpunkt von Andreas Weber: Stau darf es nicht geben

andreas.weber@rga.de

Hinter der Umsetzung der Wohngeldreform zum 1. Januar steht ein großes Fragezeichen. In Not geratende Haushalte zu stützen, ist grundsätzlich der richtige Weg. Dass sich das Wohngeld nach dem Entwurf der Bundesbauministerin um durchschnittlich 190 Euro erhöhen wird, mithin etwas mehr als verdoppelt, klingt verlockend. Doch die Bürokratie für die Bewilligung erfordert Personal. Schon jetzt ist dieses knapp.

In Remscheid sind 510 Anträge unbearbeitet. Weniger werden es mit der bevorstehenden Zunahme nicht. Woher und wie das zusätzliche Personal in Windeseile rekrutiert wird, stellt die Stadt vor eine kaum lösbare Aufgabe. Antragsteller üben sich bereits heute in Geduld. Und jeder Wohngeldbearbeiter weniger bedeutet, dass die Reform im Stau endet.

Für die Betroffenen ist eine zügige Entlastung ihrer Portemonnaies aber existenzwichtig. Der Faktor Zeit spielt eine entscheidende Rolle. Bei einer Bewilligung im Sommer kann es für die Menschen zu spät sein.

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