Homeoffice

Azubis gehen digitale Wege

Matthias Grob (v. l.), Pia Gippert und Yannick Ramsport halten über Videokonferenzen den Kontakt zu ihren Kollegen. Foto: Christian Beier
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Matthias Grob (v. l.), Pia Gippert und Yannick Ramsport halten über Videokonferenzen den Kontakt zu ihren Kollegen.

Homeoffice und Homeschooling sind weit verbreitete Themen – der soziale Kontakt fehlt.

Von Alexandra Dulinski

Solingen. Seit einem Jahr laufen die Dinge anders. Mit Beginn der Corona-Pandemie wechselten Mitarbeiter von Unternehmen ins Homeoffice, das kollegiale Miteinander ist in den Betrieben mehr oder minder zum Erliegen gekommen. Dennoch müssen junge Menschen weiter ausgebildet werden. Auszubildende der B. Boll Mediengruppe, Verlag unter anderem des Solinger Tageblatts und des Remscheider General-Anzeigers, berichten von ihren Erfahrungen im vergangenen Jahr.

Das mag ich persönlich, man lernt effektiver, wenn man Dinge selbst macht.

Leonie Bursa über das selbstständige Arbeiten im Homeoffice

Leonie Bursa, im zweiten Lehrjahr zur Medienkauffrau Digital und Print, arbeitet seit November durchgehend im Homeoffice. Auch die Berufsschule findet seit Dezember zwei Mal wöchentlich ausschließlich digital statt, berichtet sie. „Das funktioniert soweit ganz gut“, zieht sie ein Fazit. „Die Berufsschule ist durch die vielen Abgabetermine etwas stressiger geworden, denn die Zeit, die man für Aufgaben braucht, wird online anders eingeschätzt als vor Ort“, erklärt die 24-Jährige.

Der soziale Kontakt zu den Mitschülern fehle, sie sei oft auf sich allein gestellt. Über die Plattform Teams würden Gruppenarbeiten stattfinden. „Ich glaube, die Lehrer versuchen so, das Soziale zu stärken“, sagt Leonie Bursa.

Durch die Verlagerung der Berufsschule ins Netz gebe es für die Azubis aber auch Vorteile: Die Fahrtzeit nach Köln beziehungsweise nach Düsseldorf fällt weg. „Das ist Zeit, die ich für die Prüfungsvorbereitung nutzen kann“, sagt Bursa. Sie hat sich bewusst für eine Ausbildung bei B. Boll entschieden: „Als Azubis durchlaufen wir hier alle Abteilungen, die für ein großes Medienhaus relevant sind: Marketing, Buchhaltung, Vertrieb, Disposition, Anzeigenverkauf und Online.“

Doch trotz der Vorteile gilt: „Der Unterricht vor Ort ist vom Lernfaktor her effektiver“, sagt Yannick Ramsport, Auszubildender zum Medienkaufmann im ersten Lehrjahr. Den 20-Jährigen begeistert die Kombination aus etwas Kaufmännischem und der Medienwelt: „Das hat mir extrem gefallen.“

Pia Gippert, im ersten Lehrjahr zur Medienkauffrau, hat das Verlagsgebäude noch nie voller Mitarbeiter kennengelernt. „Es ist aber immer ein Ansprechpartner vor Ort. Wir werden sehr gut unterstützt und nicht alleine gelassen“, sagt die 19-Jährige. Denn die Azubis durchlaufen auch in der Pandemie verschiedene Abteilungen, nutzen Plattformen wie Zoom oder Teams für Fragen und Gespräche.

Darüber könnten auch ab und an mal Privatgespräche geführt werden, berichtet Yannick Ramsport, dennoch sei das kollegiale Miteinander distanzierter: „Es ist alles mehr auf die Arbeit fokussiert.“

Derweil laufen die Vorbereitungen für das Ausbildungsmagazin „Wat Nu?“, das die Azubis jährlich gestalten und herausgeben. Die Mitarbeit an der Entstehung des Magazins sei für Pia Gippert ein entscheidender Punkt gewesen, sich für die Ausbildung bei B. Boll zu entscheiden, „da ich alle Tätigkeiten rund um einen Verlag und das Entstehen von Medienprodukten in der Azubi-Projektarbeit ,Wat Nu?‘ eigenständig, aber auch in Teamarbeit miterleben kann.“

Es ist alles mehr auf die Arbeit fokussiert.

Yannick Ramsport

Für das Magazin werde ein Planungsprogramm genutzt, in dem Aufgaben gesplittet und verteilt werden können. „Das wird von uns auch weiterhin gut genutzt. So können wir auch unsere Social-Media-Beiträge planen“, berichtet Matthias Grob. Er hat im letzten Jahr sein duales Studium im Bereich General Management mit dem Schwerpunkt Medienmarketing und Eventmanagement aufgenommen. Das Studium biete ihm die Möglichkeit, praktische Berufserfahrung und Theorie als General Manager miteinander zu kombinieren. Nach Studienabschluss könne er sich dann noch weiter spezialisieren. „Ich hatte noch keine einzige Präsenzveranstaltung in der Uni“, berichtet der 18-Jährige. Das Online-Angebot laufe sehr gut, schon im vergangenen April habe die Europäische Fachhochschule Neuss, an der er studiert, die Seminare und Vorlesungen ins Netz verlagert.

Eine Sorge haben die Azubis mit Blick auf ihre Prüfungen: „Die Industrie- und Handelskammer rüttelt nicht an ihren Prüfungen, es wird genau so viel verlangt, wie in den Jahren zuvor“, erklärt Leonie Bursa. Die nicht geschriebenen Klausuren würden „irgendwo fehlen, denn die sind eine Abfrage des Leistungsstands“, sagt Bursa. Nach den Osterferien – wenn Präsenzunterricht wieder möglich sein soll – könnte dann alles auf einmal nachgeholt werden.

Azubis erlernen im Homeoffice Selbstmanagement

Durch die Verlagerung ins Digitale könnten aber fachliche Nachteile entstehen, weil der Unterricht bei den Lehrern online unterschiedlich gut klappe, berichtet Pia Gippert: „Vieles muss man sich selbst beibringen.“

Dennoch sehen die Azubis auch Chancen in der Pandemie. „Wie werden sehr gut in dem Umgang mit dem Computer und den technischen Gegebenheiten trainiert“, sagt Matthias Grob. Gerade in dem digitalen Zeitalter sei das ein positiver Aspekt.

„Das bringt auch unserem Medienhaus viel“, sagt Pia Gippert. Seitdem sie die Ausbildung macht, habe sich ihr Selbstmanagement verbessert. Denn auch das selbstständige Arbeiten werde durch Homeoffice und Homeschooling gefördert. „Das mag ich persönlich, man lernt effektiver, wenn man Dinge selbst macht“, meint Leonie Bursa.

Der Ausbildungsmarkt leidet unter Corona – digitale Zugangswege sollen helfen.

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