Gottesdienst

Zwei- und Vierbeiner hören Predigt

Bei bestem Frühsommerwetter feierten rund 50 Gläubige mit der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde und der IG Wiebachtal einen Freiluftgottesdienst an Feldermanns Hütte. Eingeladen waren auch Haustiere.
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Bei bestem Frühsommerwetter feierten rund 50 Gläubige mit der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde und der IG Wiebachtal einen Freiluftgottesdienst an Feldermanns Hütte. Eingeladen waren auch Haustiere.

Evangelisch-reformierte Gemeinde Radevormwald feierte mit der IG Wiebachtal einen Open-Air-Gottesdienst.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Radevormwald. Das Thema „Verantwortung für die Schöpfung übernehmen“ ist ein urchristliches. Denn auch wenn das biblische „Macht euch die Erde untertan“ spätestens mit der Industrialisierung äußerst unschöne Blüten getrieben hat, geht es im Christentum doch eigentlich darum, Gottes Schöpfung zu bewahren, zu erhalten und auch zu fördern. Dass der Mensch eher allerdings das Gegenteil macht, ist auch in Deutschland an allen Ecken und Enden zu sehen. Abgestorbene und abgeholzte Borkenkäfer-Wälder, Sturm- und Unwetterschäden oder vertrocknete Ernten, Gräser, Gärten.

Die Evangelisch-Reformierte Kirchengemeinde Radevormwald hat sich des Themas angenommen – mit dem Ziel, wie Pfarrer Dieter Jeschke es formuliert hat, die Natur den Menschen wieder bewusst zu machen. Am Sonntag hat die Gemeinde bei bestem Frühsommerwetter ins Wiebachtal zur Federmanns Hütte eingeladen. Zusammen mit der IG Wiebachtal soll ein Open-Air-Gottesdienst gefeiert werden – in wunderschöner Natur links und rechts und unter expliziter Einladung von Haustieren.

Am Ende waren zwar nur vier Hunde mit dabei, schön war es dennoch, die vierbeinigen Hausgenossen in diesem Kontext einmal erleben zu können. Und auch sonst war es tatsächlich die Natur, die im Mittelpunkt des knapp einstündigen Gottesdienstes steht. Ein wenig Hippie-Atmosphäre kam gar auf, als zu Beginn das John-Lennon-Lied „Imagine“ zur Gitarrenbegleitung vorgetragen wurde.

Der Blick der Teilnehmer schweifte erst einmal umher, man konnte einen Vogel dabei beobachten, wie er immer wieder in einem Astloch herumwerkelte, vielleicht baute er ein Nest. Als das Lied vorbei ist, wird applaudiert, auch ein Hund meldet sich zu Wort.

Warum können wir die Massentierhaltung nicht abschaffen?

Gerhard Schwarz, Prädikant Diakon

Dann wurde es andächtig, als Prädikant Diakon Gerhard Schwarz, in Vertretung des erkrankten Pfarrers Jeschke, an den Altar trat und die rund 50 Frauen und Männer – und natürlich die vier Vierbeiner – begrüßte. Er dankte Gott für die vielen Tiere und für die Natur, in der der Gottesdienst stattfinden kann. Vogelgezwitscher als Antwort, offensichtlich sind auch die gefiederten Waldbewohner dieser Meinung – und wer weiß, wer sonst noch alles im Unterholz saß und zuhörte.

In seiner Predigt schlug Schwarz dann ernstere Töne an. „Gott regiert und hat den Überblick – auch in einer Welt, die aktuell von Klimawandel und Pandemie durchgeschüttelt wird“, sagte der Prädikant. Jeden Tag könne man dies aufs Neue sehen und erleben, in der Luft, die wir atmen würden, in der Sonne, die uns wärme oder in den Tieren. „Dennoch können wir viele Dinge nicht verstehen: Warum können wir die Massentierhaltung nicht abschaffen? Wir sehen doch immer wieder, dass unser Umgang mit den Nutztieren nichts mit Tierwohl zu tun hat. Als Christen sollten wir das beachten – und mit unseren Mitmenschen darüber ins Gespräch kommen“, erklärte Schwarz.

Es gebe zahlreiche Fragen, die sich aus der Schöpfungsgeschichte – die als Lesung übrigens vor der Predigt verlesen wurde – ergeben würden, so der Geistliche. „Welchen Auftrag haben wir denn von Gott bekommen? Seid furchtbar und mehret euch! Füllt die Erde! Macht sie euch untertan! Als Stellvertreter Gottes auf Eden können wir uns vor diesem Auftrag nicht wegducken – und auch dann nicht, wenn es um Ökologie geht und darum, wenn wir gegen Ungerechtigkeiten aufstehen sollen“, sagte Schwarz.

Dennoch blieben die Fragen, wie das konkret umgesetzt werden könne. „Wie gelingt es uns, mit- und nebeneinander in Frieden zu leben? Wie können wir Tiere schützen und gut leben lassen? Diesen Fragen müssen wir uns stellen und Antworten finden“, sagt Schwarz. Das könne auch im Kleinen gehen. Er erinnere sich daran, wie er früher immer frische Milch bei Bauer Feldmann geholt habe. „Wir haben seit einem Jahr drei Hühner, die bei uns im Garten leben und uns jeden Tag ein Ei legen. Eine unserer Töchter lebt vegetarisch – und auch meine Frau und ich haben den Fleischkonsum deutlich eingeschränkt“, zählte er auf. Die Schöpfungserzählung gebe ihm Trost und könne Mut machen.

„Gott hat uns nicht aufgegeben, auch wenn der Mensch sich durch Adam und Eva von ihm unabhängig gemacht hat“, sagt er. Ehe die Gemeinde noch in Feldermanns Hofcafé zusammensitzen konnte, wurde die Kollekte eingesammelt. Gesammelt wurde für den Tierschutzverein für Remscheid und Radevormwald.

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