Prozess

Zwei Azubis greifen Feuerwehrmann an

Der Busbahnhof in Radevormwald war schon häufiger Schauplatz von aggressivem Auftreten und Belästigungen.
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Der Busbahnhof in Radevormwald war schon häufiger Schauplatz von aggressivem Auftreten und Belästigungen.

51-Jähriger wurde am Bürgerhaus krankenhausreif geschlagen, als er schlichten wollte.

Von Heike Karsten

Radevormwald. Eigentlich wollte ein 51-jähriger Rader nur drei streitende junge Männer auseinanderbringen. Doch dann griffen zwei von ihnen den Grafikdesigner an, der anschließend mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus kam. Geschehen war das im August 2021 in der Nähe des Bürgerhauses. Die Angreifer, zwei Auszubildende aus Radevormwald, standen jetzt als Angeklagte am Wipperfürther Amtsgericht. Gefährliche Körperverletzung und Misshandlung wurde ihnen von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen.

„Ich war betrunken und nicht Herr meiner Sinne. Es tut mir wirklich leid und ich möchte das wieder gutmachen“, sagte einer der beiden Angeklagten. Was tatsächlich an diesem Abend gegen 22 Uhr passiert war, schilderte das Opfer in seiner Zeugenaussage detailliert. Der 51-Jährige hatte an der Jahresdienstbesprechung der Freiwilligen Feuerwehr teilgenommen, bevor er die Streithähne vor dem Bürgerhaus bemerkte und auseinanderbrachte. Die Aggression sei dann plötzlich auf ihn umgeschlagen. „Ich bin schon wieder Richtung Eingang Bürgerhaus gegangen, als ich von hinten angeschrien wurde“, sagte der Zeuge aus. Er habe sich umgedreht und sei ins Gesicht gespuckt und am Kragen gezogen worden. Nach einem Tritt in die Leber sei ihm die Luft weggeblieben. „Ich bin zusammengesackt. Als ich am Boden lag, hat einer der beiden von oben auf mein Gesicht getreten. Von da an weiß ich nicht mehr viel.“ Seine Feuerwehr-Kameraden waren ihm zu Hilfe geeilt.

Die Angreifer sind schon vorher auffällig geworden

Wie die Polizei nach dem Angriff mitgeteilt hatte, waren die Täter bereits vorher auffällig geworden. Die beiden damals 21-Jährigen seien mehrfach wegen Körperverletzung aktenkundig, erklärte Michael Tietze, Sprecher der Oberbergischen Polizeibehörde. Bei den Bemühungen, die Täter zu überwältigen, sei ein 40-Jähriger durch einen Schlag vor den Kopf leicht verletzt worden. Zumindest bei einem der Täter habe Alkohol eine Rolle gespielt. „Er hatte 1,8 Promille“, berichtete Tietze. Die Täter wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Die Auflistung der Verletzungen ist lang: Zahnlockerung, gebrochener Schneidezahn, Hornhautabschürfung sowie Prellungen im Unterbauch und Gesicht. Bis heute befindet sich das Opfer in zahnärztlicher Behandlung. Auch psychische Probleme seien bei dem Selbstständigen durch verloren gegangene Aufträge und Existenzängste aufgetreten.

Der Anwalt des Angreifers hatte dem Feuerwehrmann schriftlich einen finanziellen Täter-Opfer-Ausgleich angeboten (8877 Euro Schadensersatz und 3650 Schmerzensgeld), der er jedoch nicht angenommen hatte. Der Staatsanwalt wandte sich an die beiden Täter. „Sie haben durch ihr Verhalten massiven Schaden in Höhe von 20.000 Euro inklusiv der Behandlungskosten angerichtet“, rechnete er vor.

Das Opfer hat an diesem Ereignis bis heute zu knapsen. „Man muss doch Zivilcourage zeigen. Woher aber die aggressive Stimmung kam, weiß ich nicht“, sagte der 51-Jährige. Er kündigte an, mit seiner Anwältin als Nebenkläger in dem Strafverfahren auftreten zu wollen. Der Richter setzte das Verfahren daraufhin aus. Mit einem neuen Termin ist erst im Frühjahr zu rechnen.

Wie das Ordnungsamt im Anschluss an die Tat versichert hatte, sei die Situation am Bürgerhaus im Blick der Behörde. Dort versammle sich öfters eine Gruppe von fünf bis zehn jungen Leuten, die auch mal aggressiv aufträten.

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