Ehemalige Tuchfabrik

Wohnen im Industriedenkmal ist sehr begehrt

Nicht nur in dieser Loft-Wohnung ist der Industriecharakter der ehemaligen Tuchfabrik erhalten geblieben.
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Nicht nur in dieser Loft-Wohnung ist der Industriecharakter der ehemaligen Tuchfabrik erhalten geblieben.

Investor Andreas Caduff wandelt eine Fabrik im Radevormwalder Ortsteil Vogelsmühle in Wohnungen um.

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. Einst wurde in diesen Fabrikgebäuden schwer gearbeitet. Doch eines Tages machten Industriebetriebe wie das Unternehmen Peter Schürmann & Schröder dicht. In die alte Produktionsstätte in Vogelsmühle ist neues Leben eingezogen. Hier wird nicht mehr gearbeitet, es sei denn im Homeoffice. Das Industriegebäude ist ein beliebter Platz zum Wohnen geworden.

Andreas Caduff, Investor aus Köln, hat die einstige Firma Schürmann & Schröder im Jahr 2016 gekauft. Denkmalgeschützte Gebäude wieder herzurichten, sei seine Spezialität, sagt er. An mehreren Standorten in NRW hat er in alte Gebäude investiert, unter anderem in Solingen und in Brühl. In Vogelsmühle gehören dem 54-Jährigen nicht nur die einstigen Schürmann-Bauten, sondern unter anderem auch der Wuppermarkt.

Der Investor bringt den Ort an der Wupper wieder nach vorne

Caduff, das wird in Radevormwald anerkannt, hat entscheidend dazu beigetragen, den Ort an der Wupper wieder nach vorn zu bringen. An der Peripherie der Stadt, wo Radevormwald an Remscheid und Wuppertal stößt, gibt es hier nicht nur einen Supermarkt, sondern auch eine Metzgerei mit Imbiss, ein Reisebüro, einen Friseursalon, ein Geschäft für Tiernahrung mit Postfiliale, einen Baumarkt, ein Bistro – und einen Geldautomaten. All dies in fußläufiger Nähe zu haben – ein Luxus, den selbst Großstadtbewohner selten genießen – sei natürlich ein Grund, warum die Wohnungen in dem Fabrikgebäude beliebt sind, erklärt Caduff. Doch was die Mieter vor allem anziehe, sei das Ambiente, die Lage. Der Charme historischer Industriearchitektur, unmittelbar an der Wupper. Und natürlich haben manche Interessenten jene Fabrikloft-Wohnungen vor Augen, wie man sie aus New York kennt.

Investor Andras Caduff aus Köln hat die ehemalige Fabrik und den angrenzenden Wuppermarkt 2016 erworben.

Allerdings habe nicht jede der Wohnungen in Vogelsmühle diesen Loft-Charakter, sagt der Investor. „In vielen Wohnungen wurden Wände eingebaut.“ Die Größe ist recht unterschiedlich, reicht von Single-Wohnungen mit rund 50 Quadratmetern bis zu 330 Quadratmetern. „Tendenziell sind die meisten Einheiten eher größer“, sagt Caduff.

Doch wie hoch fallen die Mieten in diesem besonderen Ambiente aus? Im Durchschnitt seien es sechs Euro pro Quadratmeter, erklärt der Besitzer. Der durchschnittliche Mietpreis in Radevormwald (Stand 2021) liegt bei 5,94 Euro pro Quadratmeter.

Der Fabrikcharakter ist in den Wohnungen nicht zu übersehen, Säulen und Leisten erinnern daran, das hier einst nicht Sofa und Esstisch, sondern die Werkbank standen. 45 Wohneinheiten wurden bislang fertiggestellt, in den kommenden Jahren geht es mit der Sanierung weiter, am Ende sollen rund 60 Wohnungen bereitstehen. Derzeit lässt Andreas Caduff auch ein Nebengebäude der einstigen Schürmann-Fabrik sanieren. Früher war dort die Gerberei untergebracht. Bereits vermietet ist nebenan das knuffig wirkende Pförtner-Häuschen. „Die Wohnung im Obergeschoss der Gerberei wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2023 fertig sein“, schaut Caduff voraus.

In der früheren Fabrik Schürmann & Schröder in Vogelsmühle sind individuelle Wohnungen entstanden.

Wer dort einzieht, wird unmittelbar auf die Wupper schauen. Eigentlich eine traumhafte Lage für einen Balkon, direkt über dem Fluss. Doch da spiele die Denkmalbehörde nicht mit, erklärt der Investor. „Balkone, das geht nicht“, habe man ihm gesagt. Das einheitliche historische Bild des Industriedenkmals werde dadurch verfremdet.

Mit den Behörden hat der Investor unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Manche gäben sich toleranter, was bauliche Änderungen angehe, andere wieder seien streng. Mit der Radevormwalder Stadtverwaltung sei die Zusammenarbeit aber seit Jahren sehr gut. Dort gebe es ein deutliches Interesse, die Wupperorte weiter zu entwickeln, so sein Eindruck.

Gibt es gar keine Nachteile? Natürlich seien große, höhe Räume aufwendiger zu heizen, räumt der Unternehmer aus Köln ein. Allerdings seien die Wohnungen auf den energetisch aktuellen Stand gebracht worden. Bei einigen Mietern werden die Nebenkostenabschläge allerdings nun steigen.

Und dann ist da die Lage direkt am Fluss. Eigentlich ein Plus, aber im Juli 2021 machte die Wupper, die an diesem Herbstmorgen friedlich gen Beyenburg plätschert, einen ungebetenen Besuch. Ein Mieter, der gerade einziehen wollte, habe das Wasser zehn Zentimeter hoch in den Räumen gestanden. „Die Umzugskartons sind weggeschwommen.“ Der größte Schaden war die kaputte Heizungsanlage, die komplett erneuert werden musste – für rund 50.000 Euro. „Zum Glück war damals Sommer“, sagt Caduff.

Hintergrund

In Vogelsmühle gab es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts  die Hensenhämmer, eine Wasserkraftanlage für zwei Reckeisenhämmer und eine Walkmühle. Die Firma Peter Schürmann & Schröder wurde 1810 gegründet. In den folgenden Jahrhunderten entstand das heutige Gebäudeensemble, zu dem auch der heutige Wuppermarkt gehört, in dem seinerzeit eine Streichgarnspinnerei untergebracht war. 1992 ging die Geschichte des Textilunternehmens zu Ende.

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