Immer mehr Sichtungen

Wölfe machen Tierzüchterin Sorgen

Andrea Iselt züchtet deutsche Reitponys in der Ortschaft Finkensiepen in Radevormwald.
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Andrea Iselt züchtet deutsche Reitponys in der Ortschaft Finkensiepen in Radevormwald.

Andrea Iselt hat Angst, dass vorbeiziehende Tiere ihre Ponys reißen könnten.

Von Cristina Segovia-Buendía

Der Gedanke an den Wolf in den heimischen Wäldern ruft bei Andrea Iselt gemischte Gefühle aus. Als Biologin freut sie sich, dass der in diesen Breitengraden als ausgerottet geglaubte Wolf wieder heimisch wird. Als Züchterin von Reitponys allerdings ist sie besorgt um ihre Tiere: „Seit 2022 werden immer regelmäßiger Wölfe in der Region gesichtet. Der Wolf, der im April, Mai in Radevormwald gesehen wurde, lief keine 500 Meter weit weg von meinem Grundstück.“

Dass das Raubtier sich über Nacht an ihren Tieren vergreifen könnte, bereitet ihr Sorgen, vor allem, wenn sich der Wolf in der Region weiter ausbreiten sollte. „Bislang ist immer die Rede von einem vorbeiziehenden Wolf, aber wer weiß, ob sich hier nicht bald ein Rudel niederlässt?“

Der Wolf sei ein Generalist und als solcher könne er sich in jedem Habitat niederlassen, auch in der Nähe dicht besiedelter Flächen. „Für den Wolf ist unsere Region mit Wald bis nach Wipperfürth über Rade, Halver hin zur Ennepetalsperre, ein ideales Gebiet mit viel Wild. Mir persönlich fehlt in den Medien einfach die sachliche Information, etwa dass es mittlerweile durchaus angebracht ist, Vorkehrungen zu treffen, um seine Tiere vor dem Wolf zu schützen.“

Ein wolfssicherer Zaun ist nicht zwingend die optimale Lösung

Wünschen würde sich Iselt ähnliche ein vernünftiges Gleichgewicht und Vorkehrungen wie in Skandinavien. Damit Wölfe nicht aussterben, sei eine Minimalpopulation von 300 Tieren vorgeschrieben. In Schweden, erklärt Iselt, würden aktuell rund 460 Tiere beobachtet. In Gebieten, in denen Nutztiere gehalten werden, werden die Wölfe systematisch gejagt.

Für sie als Biologin sei die Rückkehr des Wolfes in Deutschland grundsätzlich ein gutes Zeichen für den funktionierenden Naturschutz. „Auch wirtschaftlich betrachtet, kann die Rückkehr des Wolfes Vorteile haben, weil er mir den Rehbestand in den Wäldern reduziert. Aber Zuchttierhaltern, die ihre Tiere für ein höheres Tierwohl gerne auf Weide und Wiese lassen, erschwert die Präsenz des Wolfes die Arbeit.“ Iselts Aussagen nach würden in Deutschland mittlerweile mehr als 2000 Wölfe leben.

Das aber kann Dr. Matthias Kaiser vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) so nicht bestätigen. Er ist für das Monitoring der Wölfe in NRW zuständig und tauscht sich regelmäßig mit den Kollegen in ganz Deutschland aus. „Laut unserer jüngsten Statistik leben in ganz Deutschland 420 erwachsen Wölfe und eine unbekannte Anzahl an Jungtieren. Von 2000 Wölfen sind wir also weit entfernt.“

Dennoch rät auch Kaiser Nutztierhaltern zur Vorsicht. Es könne nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass ein Wolf auf der Durchreise auch mal ein Nutztier auf einer Weide reiße. „Ich habe Verständnis für die Sorge der Nutztierhalter. Es sind immer schwere Gespräche, wenn man vor einem gerissenen Schaf steht.“ Zum Herdenschutz gehöre ein guter, wolfssicherer Zaun. In NRW werde dieser etwa für Nutztierhalter von der Landwirtschaftskammer gefördert.

Für Andrea Iselt kommt ein solcher Zaun allerdings nicht infrage. „Klar könnte ich einen Zaun aufstellen, der würde mir möglicherweise die Wölfe fernhalten, aber dann würden auch die Rehe nicht mehr hindurchkommen.“ Für sie keine optimale Lösung. Sie holt ihre Tiere, allen voran die kleinen und jungen Fohlen, über Nacht lieber in den Stall rein.

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