Gastronomie

Wirte setzen auf das Weihnachtsgeschäft

Marija Klacik vom Restaurant „Am Matt“ ist genauso optimistisch wie ihr Sohn Michael.
+
Marija Klacik vom Restaurant „Am Matt“ ist genauso optimistisch wie ihr Sohn Michael.

Bei manchen Gastronomen laufen die Reservierungen bisher noch verhalten. Die Personalsituation ist unverändert angespannt.

Von Arnd Janssen

Radevormwald. Alles besser als die Corona-Jahre 2020 und 2021, als Lockdowns und viele spontane Absagen der Gastronomie gehörig die Suppe versalzten – da sind sich alle Gastwirte einig. Das Weihnachtsgeschäft kann dieses Jahr endlich wieder Fahrt aufnehmen. Eine Abfrage bei Gastronomen zeigt: Die Gäste buchen wieder Tische für Feiern, viele Gaststätten würden sich aber noch mehr Zuspruch erhoffen.

„Es ist deutlich besser als letztes Jahr, als alles abgesagt wurde. Aber wir sind noch nicht ganz beim Vorkrisen-Niveau“, schätzt Michael Klacik, der mit Mutter Marija das Restaurant „Am Matt“ betreibt. Ab Ende November seien viele Weihnachtsfeiern von Firmen geplant. „Wir sind zufrieden, bisher gab es noch keine Absagen. Bis Weihnachten sind die Wochenenden fast ausgebucht“, sagt Klacik. Nur vereinzelte Tische gebe es noch, auch unter der Woche seien noch Kapazitäten frei. Ansonsten sei man aber auf einem guten Weg und sehe die Weihnachtszeit optimistisch. Zum Silvestertag, an dem es wieder eine Menükarte gebe, seien noch Tische reservierbar.

Probleme bereitet weiter das Personal: „Den zweiten Koch haben wir immer noch nicht“, sagt Klacik. Bei der Dekoration fahre man ähnlich auf wie in vergangenen Jahren, der weihnachtliche Schmuck und Beleuchtung fällt trotz Energiekrise nicht aus. Da man nur LED-Lichter nutze, könne man sonst nicht weiter Strom sparen. „Hauptkostenfaktor ist natürlich das Gas“, sagt Michael Klacik. Das werde fürs Kochen, zum Heizen und für Wärmestrahler im Außenbereich gebraucht. Der Verbrauch lässt sich also nicht so ohne weiteres einschränken. Fast alle Gastronomen sehen bei sich nicht viel Energie-Einsparpotenzial.

Trotzdem sei „Energiesparen ein großes Thema“, betont Elvira Liberto, Wirtin bei „Elvi und Ele“. Dennoch möchte sie auch dieses Jahr die Gäste mit Weihnachtsbeleuchtung erwarten. Mit der Terminauslastung in ihrem Restaurant ist sie zufrieden. „Wir haben nicht wenig, aber man kann auch nicht sagen, ‚wow!’“, sagt Liberto. Ähnlich wie bei „Am Matt“ seien die Wochenenden weitestgehend ausgebucht, nur noch in der Woche seien einige Termine frei. „Aber wir können uns nicht beschweren“, sagt Liberto. Immerhin habe sie derzeit keine Personalprobleme. Und auch wenn der Oktober kein starker Monat im Betrieb gewesen sei, zeige die Tendenz trotzdem nach oben.

Auf einer Erfolgswelle schwimmt nach eigenen Angaben Arnold Tönges und sein Landgasthaus in Honsberg: „Wir sind ausgebucht, ich musste sogar schon einer Person absagen.“ Kleinere Weihnachtsfeiern von zehn bis 15 Personen, aber auch große Feiern von Firmen mit 50 Personen finden in seinen Räumen statt. Jetzt seien nur noch kleinere Tische zu haben. Das gilt auch für Silvester, an dem das Restaurant „à la carte“- Bewirtung nebst einem Glas Sekt für jeden Gast plant. „Wir hatten zwar in der Corona-Zeit zehn Monate zu, aber wir haben trotzdem die Preise nicht erhöht“, versichert Tönges. Das sei auch dadurch möglich, dass er Besitzer des Hauses sei. Vom 16. Januar 2023 bis Ende Februar macht das Landgasthaus Betriebsferien.

Etwas verhaltener sieht die Lage Horst Schmitz vom Restaurant Uelfetal. „Im Moment sieht es bei den Reservierungen ganz gut aus im Vergleich zum letzten Jahr“, sagt der Koch. Eher kleinere Gruppen hätten bei ihm Feiern gebucht, hauptsächlich am Wochenende. Gerade unter der Woche seien noch viele Termine buchbar. Aber es fehlten die großen Buchungen. „Wir machen weiterhin unser Gänsebuffet, auch wenn die Einkaufspreise für Nahrungsmittel derzeit enorm schwanken“, sagt Schmitz. Aber nicht nur Inflation und die unsichere Lebensmittelbranche, auch Corona ist immer noch ein Problem. „Bei jeder Familienfeier, die wir hatten, wenn da ein bis zwei Tage vorher der Anruf kommt, es findet vielleicht nicht statt, weil jemand Corona hat, dann ist das schon ätzend“, klagt Schmitz. Da er erwartet, dass sich die Kunden im Januar und Februar weiter zurücknehmen, will Schmitz in dieser Zeit schließen. „Das bringt dann nichts, es wird sich wohl nicht lohnen.“ Zumindest beim Personal sei das Uelfetal ordentlich aufgestellt.

Anders bei Wolfgang Bleckert im Landhaus Filde, der händeringend Kräfte sucht. „Mir würden sogar Nicht-Fachkräfte helfen können“, sagt der 70-jährige Wirt. Aufgrund dessen plant er nur das normale Geschäft in der Vorweihnachtszeit und will vom Ausrichten größerer Feiern absehen.

Jörg Langbein hat im Landhaus Önkfeld bereits einige Reservierungen für Weihnachtsfeiern vorliegen. Wer noch Interesse hat, soll einfach nachfragen. Allgemein seien im Moment „gute und schlechte Tage dabei. Wir gucken, dass wir durchkommen“, sagt Langbein. Sorgen macht er sich um die steigenden Energiekosten und ärgert sich über fehlende Unterstützung durch die Regierung. „Die Kosten fliegen weg“, sagt Langbein.

Wer noch dringend Platz für private oder betriebliche Weihnachtsfeiern sucht, könnte auch bei Frank Groß und Maria Tellman-Groß im Viva Gastro Heidersteg fündig werden. „Wir haben schon ein paar Absagen bekommen. Manche Firmen haben sich wegen des Krieges dagegen entschieden“, sagt Frank Groß. Von etwa 30 Buchungen in einem normalen Jahr sei man noch entfernt, das Weihnachtsgeschäft sei noch nicht so angelaufen. Ein großes Problem seien die Einkaufspreise. Hochwertige Produkte wie Gans oder Rinderfilet seien gegenüber dem Vorjahr doppelt so teuer.

„Die Gänse verkaufen wir quasi zum Selbstkostenpreis. Das Rinderfilet haben wir ganz rausgeschmissen, das wäre sonst Kapitalvernichtung“, sagt Groß. Das Hotel läuft laut Groß gut, nur beim Personal müsse man noch Löcher stopfen. Auf dem Weg nach Heidersteg seien Beschäftigte auf das Auto angewiesen. Für Silvester planen Groß und seine Frau ein Büffet, auch eine entsprechende Dekoration soll es geben. Interessierte können noch reservieren.

Hintergrund

Umsatz: Laut Statistischem Landesamt NRW setzte das Gastgewerbe im Bundesland im August knapp 20 Prozent mehr um als 2021. Der Umsatz lag 7,4 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Personal: Die Beschäftigtenzahl stieg gegenüber August 2021 um 9,3 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Tragische Umstände führen vors Gericht
Tragische Umstände führen vors Gericht
Tragische Umstände führen vors Gericht
Ein Stadtmarketing für Rade? Harsche Töne im Hauptausschuss
Ein Stadtmarketing für Rade? Harsche Töne im Hauptausschuss
Ein Stadtmarketing für Rade? Harsche Töne im Hauptausschuss
Weihnachtsbäume kommen nur aus Rade
Weihnachtsbäume kommen nur aus Rade
Weihnachtsbäume kommen nur aus Rade

Kommentare