Bündnis für Demokratie: „Wir müssen uns wieder auf das Wesentliche besinnen“

Bürgermeister Johannes Mans (links) und Bernd Hermann vom Radevormwalder Mittagstisch gehörten zu den Mitgliedern des neuen Bündnisses, die am Samstag für Gespräche mit den Menschen bereit standen.
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Bürgermeister Johannes Mans (links) und Bernd Hermann vom Radevormwalder Mittagstisch gehörten zu den Mitgliedern des neuen Bündnisses, die am Samstag für Gespräche mit den Menschen bereit standen.

Bündnis für Demokratie suchte das Gespräch mit den Bürgerinnen.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Es scheint überfällig zu sein, dass sich gewählte Vertreter des Volkes im Stadtrat, die sich der Verfassung und dem Gemeinwohl verpflichtet haben, fernab ihrer politischen Agenden, nun gemeinsam auf dem Marktplatz stellen und für Demokratie, Meinungsfreiheit, Solidarität und ein friedliches, gesellschaftliches Miteinander werben. In Zeiten, in denen der Ton rauer und der Umgang untereinander häufig unachtsamer geworden ist, die Diskussionen in der analogen und digitalen Welt viel zu häufig nicht mehr sachlich ausgetragen werden und alle nur noch darauf zu beharren scheinen, recht zu haben, wirkt es, als ob die Grundwerte unserer Demokratie ins Wanken geraten. Zeit, sich stärker dafür einzusetzen, finden engagierte Radevormwalder, die sich zum Bündnis für Demokratie zusammengeschlossen haben.

„Wir sind ein Bündnis, das sich für Demokratie einsetzt, gegen jegliche Art von Extremismus und für Solidarität wirbt“, erklärt Gerd Uellenberg, stellvertretender Bürgermeister und CDU-Mitglied. Die Parteiangehörigkeit, betont Uellenberg ausdrücklich, spiele hier überhaupt keine Rolle. „Wir haben uns ganz bewusst gegen Namensschilder ausgesprochen und stehen hier nicht für einzelne Parteien.“

Das Bündnis ist breit aufgestellt

Das bekräftigt auch Rafael Krauskopf (FDP). „Das ist ein überparteiliches Bündnis.“ Doch dass an diesem kalten Samstagvormittag Vertreter aller demokratischen Parteien, CDU, FDP, SPD, Grüne, AL, Rua und UWG, anwesend sind, macht auch die vorbeilaufenden Bürger neugierig, die stehenbleiben und sich informieren. „Wir haben schon einige gute Gespräche geführt“, sagt Krauskopf. Die Menschen seien interessiert und dem Bündnis zugewandt, bestätigt auch Uellenberg. „Aufgrund der Witterung sind es vielleicht nicht so viele, wie erhofft, aber das ist auch ein erster Auftakt, um uns vorzustellen.“

Das Bündnis ist breit aufgestellt: Nicht nur Kommunalpolitiker sind darin vertreten, sondern auch die Kirchen und Institutionen, wie der Radevormwalder Mittagstisch und der Trägerverein „aktiv55plus“. „Als Mittagstisch sind wir täglich mit dem Thema konfrontiert“, berichtet Bernd Hermann vom Vorstand. „Bei uns bekommt jeder Lebensmittel, aber man muss sich schon benehmen.“ Dass einzelne Bürger pöbeln und Stimmung gegen Migrantinnen und Migranten machen, sei schon vorgekommen. „Wir sehen im Alltag auf jeden Fall Handlungsbedarf und freuen uns daher, dass mit dem Bündnis die Menschen dafür sensibilisiert werden sollen.“ Schließlich, betont Hermann, seien wir alle Menschen. „Unser Motto ist: Wir lachen und weinen alle in einer Sprache.“

Auch Kyra Springer ist an diesem Samstagvormittag mit einigen Passanten ins Gespräch gekommen. Viele kennen sie als Koordinatorin des Vereins „aktiv55plus“. Und sie beteiligt sich nun auch mit Überzeugung am Bündnis für Demokratie, wie sie sagt, „weil es gut und richtig ist.“ Mit jeder Hilfeleistung von „aktiv55plus“, „tragen wir auch zur Demokratie bei“.

Nun als gemeinsames Bündnis mit politischen Vertretern der Stadt, Kirchen, Institutionen und weiteren Vereinen, nehme das Anliegen eine größere Dimension an, urteilt auch Bürgermeister Johannes Mans. „In Zeiten hohe finanzieller Belastungen und psychischer Nöte brauchen wir keine Menschen, die polarisieren und versuchen zu spalten. Wir brauchen mehr Demokratie und müssen uns wieder mehr auf das Wesentliche besinnen.“ Diakon Burkhard Wittwer von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien stimmt zu. Die Kirche sei in der Ökumene ebenfalls dem Bündnis beigetreten. „Das hätten wir nicht gemacht, wenn es ein parteipolitisches Anliegen gewesen wäre. Uns ging es schon immer darum, uns für das Gemeinwohl zu engagieren. Das sehen wir auch hier.“ Die ökumenische Marktandacht an diesem Tag widmet sich ebenfalls dem Thema.

Ein Passant, der sich die Zeit genommen hat, sich über das Bündnis und dessen Anliegen zu informieren, findet „die Aktion grundsätzlich gut“ und sagte: „Es macht schon mal einen guten Eindruck, wenn Mitglieder der etablierten Rader Fraktionen hier alle gemeinsam stehen.“ Dass in der Stadt mehr gegen Extremismus gemacht werden müsse, findet der Senior wichtig. „Die Problematik gibt es in jeder Stadt. In Radevormwald hatten wir zuletzt das Thema der Regenbogenschilder, die abmontiert wurden, die Schmierereien am Wuppermarkt. Ich finde schon, dass wir das Bündnis benötigen und mehr Zuspruch von der Bevölkerung gebraucht wird. Je mehr Menschen sich diesem Anliegen anschließen, desto besser.“

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