Politik

Windräder auf kahlen Waldflächen

Marc Zimmermann besuchte Montagabend den Grünenortsverband und wurde von der Fraktionsvorsitzenden Elisabeth Pech-Büttner (r.) begrüßt.
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Marc Zimmermann besuchte Montagabend den Grünenortsverband und wurde von der Fraktionsvorsitzenden Elisabeth Pech-Büttner (r.) begrüßt.

Grünen-Landtagsabgeordneter stieß mit seinen Ideen nicht nur auf Zustimmung.

Von Cristina Segovia-Buendía

Seit knapp acht Monaten ist Marc Zimmermann Mitglied des Landtags. Ein kometenhafter Aufstieg für den 50-jährigen Handwerker aus Wiehl, der erst 2016 den Grünen in seiner Heimatstadt beitrat. Entsprechend neugierig erlebt er derzeit die Arbeit in Düsseldorf: „Es ist sehr viel Arbeit, aber es macht auch sehr viel Spaß, und man kann viel bewegen.“ Er habe in kürzester Zeit viel gelernt. Mit großer Demut habe er bei seiner ersten Fraktionssitzung im Landtag gesessen und sich umgeschaut, berichtete er seinen Radevormwalder Parteikollegen im Mehrzweckraum des Bürgerhauses. Unter seiner Fraktionsvorsitzenden und stellvertretenden NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur, habe er an den Koalitionsgesprächen teilgenommen und seine wirtschaftliche Expertise eingebracht. Im Landtag sei er nun Sprecher für Handwerk und Mittelstand.

„Seit der Wahl ist auch schon ein bisschen was passiert“, erklärte er stolz. Die Rader Parteikollegen lauschten gespannt: Bisheriger Erfolg sei unter anderem die Vereinbarung über den vorzeitigen Kohleausstieg 2030 statt 2038. „Dadurch reduzieren wir die geplante Abbaumenge um die Hälfte“, sagt er. In diesem Zuge sei auch die Vereinbarung über Lützerath getroffen worden. Trotz aller berechtigter Kritik verbucht Zimmermann die Vereinbarung als Erfolg für die Grünen. „Die Aktivisten haben mit ihren Forderungen recht, aber auf diesem Erfolg lässt sich aufbauen“, meint er. Bis 2030 müssten die erneuerbaren Energien so weit vorangetrieben worden sein, dass es sich für RWE nicht mehr lohne, weiter Kohle abzubauen. Deswegen arbeite die Landesregierung am neuen Landesentwicklungsplan, bearbeite vorrangig das Thema Energie, damit parallel auch schon der Regionalplan erstellt werden kann. Damit werde Zeit gewonnen. Ein Prozedere, das in der Regel bis zu zehn Jahre dauert, würde nun in maximal drei Jahren fertig.

Der Wald würde sich andas Windrad anpassen

Konkret geht es um die Energiewende und die Ermöglichung von Windkrafträdern und Solaranlagen. Die Abstandsregel von 1000 bzw. 1500 Metern für Windkrafträder, so wie sie im Landesentwicklungsplan und Bauordnung festgeschrieben waren, sollen fallen. Ermöglicht wird damit Windenergie an Autobahnen und Wäldern, Floating- und Agri-Photovoltaik, also sowohl schwimmende PV-Anlagen in Gewässern als auch Paneele auf Agrar-Freiflächen.

Denkbar wäre im Oberbergischen Kreis etwa, dass auf kahlen Waldflächen, die sich selbst einer Waldverjüngung überlassen werden, Windräder gebaut werden. Der Wald würde sich an das Windrad anpassen, meint Zimmermann. Eine Vorstellung, die nicht allen Anwesenden gefiel. Es sei aber nötig, urteilte Zimmermann. Trotz aller Bemühungen, den Eigenbedarf an Strom gänzlich durch erneuerbare Energie zu erzeugen, würden sämtliche Windräder nicht ausreichen. Der Import von Wasserstoff über Pipelines, etwa aus den Niederlanden, sei nötig. „Wir werden es allein nicht schaffen, so viel Energie aus Windkraft zu erzeugen, um genug Wasserstoff für unsere Industrie zu produzieren“, sagt er. Das sei allen bewusst. Die Unternehmen hätten sich längst auf den Weg gemacht, um ihre Produktion auf Wasserstoff umzustellen. „Wenn wir das nicht tun“, prophezeite Zimmermann, „werden wir in Zukunft kein Industriestandort mehr sein.“

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