Prozess

Werkstatt-Mitarbeiter stiehlt einen teuren Reifensatz

37-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt.

Von Heike Karsten

Seine Sommer- und Winterreifen bei der Autowerkstatt seines Vertrauens einzulagern, gehört zu einer gängigen Methode für alle, die kein Platz in der Garage haben oder den Reifenwechsel nicht selbst übernehmen wollen. Diesen Service nutzte auch ein Kunde für mehrere Privat- und Firmenwagen. Als er seinen Reifensatz jedoch im April 2022 benötigte, waren diese aus der Radevormwalder Werkstatt verschwunden.

Des Diebstahls überführt werden konnte ein 37-jähriger ehemaliger Mitarbeiter der Werkstatt-Filiale, der dort als Kfz-Servicemitarbeiter beschäftigt war. Der in Velbert lebende Angeklagte wurde nun am Wipperfürther Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt (50 Tagessätze zu je 30 Euro).

Zur Tat wollte sich der Angeklagte nicht äußern. Jedoch konnten zwei ehemaligen Arbeitskollegen als Zeugen zur Aufklärung beitragen. „Ich habe von dem Angeklagten die vier Kompletträder angeboten bekommen, da sie überlagert und zur Entsorgung freigegeben wären“, sagte der erste Zeuge, ein 48-jähriger Kfz-Mechaniker aus. Es sei eine normale Vorgehensweise, dass überlagerte Reifen, die von den Kunden nicht weiter in Anspruch genommen werden, und für die der Kunde auch keine Lagergebühr bezahlt, entsorgt werden. „Vorher müssen die Kunden aber kontaktiert werden“, betonte der Zeuge.

Üblicherweise würden die Reifen abgezogen und die Felgen gesondert entsorgt. „Da man für Alu-Felgen noch den Materialwert bekommt, ist die Entsorgung der Reifen für den Kunden kostenfrei“, berichtete der 48-Jährige. Dass der teure Reifensatz verschwunden war, wäre nicht aufgefallen, wenn der Kunde nicht doch noch zum Radwechsel gekommen wäre.

Der zweite Zeuge, ein 30-jähriger Industriemechaniker und ehemaliger Mitarbeiter der Werkstatt, sagte aus, dass der Angeklagte sich die Reifen auf das eigene Auto montiert hätte und erzählt habe, sie „verkloppen“ zu wollen. „Er hat ganz offen über seine Geldprobleme gesprochen“, berichtete der Zeuge.

Zwischen dem ehemaligen Filialleiter der Werkstatt und dem Kunden hätte es eine Vereinbarung zur Einlagerung gegeben. „Es gab daher keinen Zettel an den Reifen, weshalb der Angeklagte auch den Kunden nicht angerufen haben kann“, erklärte der 30-Jährige vor Gericht.

Überführt werden konnte der Angeklagte letztendlich, als er zwei dieser außergewöhnlichen Felgen mit Chromtiefbett im Internet auf der Plattform „Ebay“ für 350 Euro zum Verkauf angeboten hatte.

Bei einer Inventur in der Filiale sei zudem aufgefallen, dass Waren im Gesamtwert von 14.000 Euro fehlten, wie unter anderem 30 Batterien, 50 Flaschen Motoröl, Dachgepäckträger und Fahrradboxen. Beweise, dass auch diese Diebstähle von dem Angeklagten begangen wurden, gab es jedoch nicht.

Der Werkstatt-Filiale in Radevormwald ist dadurch ein nicht unbeträchtlicher Schaden entstanden. Der Kunde, dem der Reifensatz gehörte, durfte sich auf Firmenkosten neue Reifen im Wert von über 3000 Euro aussuchen.

Am Ende der Verhandlung meldete sich der Angeklagte doch noch zu Wort und gab den Verkauf der Reifen auf Ebay zu. „Es tut mir überaus leid, ich hatte psychische und finanzielle Probleme“, sagte der 37-Jährige, der sich derzeit in Privatinsolvenz befindet und auch schon zweimal vorbestraft ist. „Es ist für Sie die dritte und sicherlich letzte Geldstrafe“, mahnte der Richter nach der Verkündung des Urteils. Soll heißen: Bei weiteren Straftaten muss der Verurteilte mit einer härteren Haft- oder Bewährungsstrafe rechnen.

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