Facharztpraxis

Verliert die Bergstadt den einzigen Augenarzt?

Seit Monaten ist die Praxis an der Rochollstraße verwaist. Nun ist der Kassensitz neu ausgeschrieben worden.
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Seit Monaten ist die Praxis an der Rochollstraße verwaist. Nun ist der Kassensitz neu ausgeschrieben worden.

OSG-Gruppe konnte Facharztpraxis nicht neu besetzen. Bis Ende Januar läuft die Frist für Bewerber.

Von Stefan Gilsbach

Seit Monaten ist sie schon geschlossen, die Augenarztpraxis an der Rochollstraße. Und ebenso lange haben sich der Betreiber, das Konsortium OSG, die Stadt und die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein bemüht, einen Nachfolger zu finden. Aber: „Leider ist es uns trotz großer Bemühungen nicht gelungen, eine adäquate Nachfolgerin oder Nachfolger für den Standort in Radevormwald zu finden“, teilt Claudia Auer mit, die Leiterin der Unternehmenskommunikation der OSG-Gruppe, die ihren Sitz im fränkischen Fürth hat.

Auch die Stadtverwaltung bestätigt, dass eine neue Besetzung für die Position eines Augenarztes gesucht wird: „Der Vertragsarztsitz für Augenheilkunde in Radevormwald wurde ausgeschrieben“, teilt Flora Treiber, Referentin der Verwaltung, mit. Nach Informationen der Stadt läuft die Ausschreibung bis Ende Januar 2023. „Die Stadtverwaltung hofft sehr, dass sich ein Nachfolger für den vakanten Vertragssitz findet.“

Bürgermeister Johannes Mans habe im vergangenen Jahr zu diesem Thema zahlreiche Gespräche mit der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) geführt, um eine Nachfolge für die Praxis sicherzustellen. Dabei habe er betont, wie wichtig die Augenarztpraxis für die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt sei. „Leider waren die Gespräche bisher nicht zielführend“, berichtet Flora Treiber. Die Stadt rechne Anfang Februar mit einem neuen Stand.

Seit mehr als einem halben Jahr ist die Praxis an der Rochollstraße geschlossen. Die OSG-Gruppe hatte im Juni 2022 erklärt, dass der aktuell tätige Arzt die „Ober Scharrer Gruppe aus persönlichen Gründen“ verlassen werde. An der Tür der Praxis wurde auf einem Aushang mitgeteilt, die Schließung erfolge aus „gesundheitlichen Gründen“. Damals zeigte man sich bei dem Konsortium noch hoffnungsvoll, dass man einen neuen Mediziner finden würde.

Christopher Schneider, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, verweist darauf, dass die Frist, die der OSG-Gruppe blieb, um die Stelle neu zu besetzen, Ende des Monats abläuft. Üblicherweise gewähre man dafür ein halbes Jahr. Theoretisch könne es eine Verlängerung geben, dazu müsse der Inhaber der Praxis aber einen weiteren Nachbesetzungsantrag stellen. „Und ein solcher liegt uns bislang nicht vor“, stellt Schneider fest. Sollte sich in den noch verbleibenden Wochen bis zum Monatswechsel die Lage nicht ändern, dann tritt jenes Szenario ein, das die Stadtverwaltung unbedingt vermeiden wollte: Radevormwald würde den Kassensitz für einen Augenarzt verlieren. „Wenn die Zulassung ausläuft, würde dieser Sitz aus der Bedarfsplanung herausfallen“, erläutert Christopher Schneider. Denn der Oberbergische Kreis sei, was die Facharztversorgung auf dem Gebiet der Augenmedizin angehe, mit 117 Prozent Auslastung schon überversorgt. Kreisweit gebe es aktuell 16 Zulassungen von Augenärzten.

Für die Patientinnen und Patienten in Radevormwald wäre das eine sehr schlechte Nachricht. Thomas Splittgerber, Sprecher der Radevormwalder Ärzteschaft, hatte bereits im Sommer bestätigt, dass die Hausärzte aktuell viele Anfragen von Patienten mit Augenerkrankungen bekämen, die dringend Rezepte benötigten. Und Spezialuntersuchungen an den Augen könne eine allgemeinmedizinische Praxis in der Regel nicht durchführen. Vor allem Senioren, die nicht mehr mobil sind, bereitet das Fehlen der Fachpraxis vor Ort Probleme. „Ich werde immer wieder darauf angesprochen“, bestätigt Wolf-Rainer Winterhagen, der Vorsitzende des Radevormwalder Seniorenbeirats. „Es ist nicht leicht für die Betroffenen, auswärts einen Termin beim Augenarzt zu erhalten. Wie ich höre, sind manche nun nach Wuppertal, Remscheid oder Wermelskirchen ausgewichen.“

Mit dem Thema der ärztlichen Versorgung vor Ort beschäftigt sich Winterhagen schon seit längerem. Und er findet das Vorgehen bei den Bedarfsplanungen kritikwürdig: „Ich bin der Meinung, die Kassenärztlichen Vereinigungen machen es sich zu einfach, wenn es um die nötigen Arztsitze in einer Region geht.“ Es sei ein großer Unterschied für die Patienten, ob ein Facharzt in Radevormwald oder in Gummersbach praktiziere.

Nachbarschaft

Auch in der benachbarten Großstadt Remscheid ist Ärztemangel ein Thema. Darüber wurde bei einer Sitzung des dortigen Seniorenbeirates im Oktober 2022 diskutiert. Insbesondere in Lennep spitze sich die Versorgung mit Fachärzten zu. In manchen Fällen dauere es Monate, bis man einen Termin bekomme.

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