Energiekrise

Vereine wollen selbst Energie sparen

Hohe Energiekosten für Sportstätten wie etwa die Sporthalle Hermannstraße stellen Kommunen und Vereine vor Probleme.
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Hohe Energiekosten für Sportstätten wie etwa die Sporthalle Hermannstraße stellen Kommunen und Vereine vor Probleme.

Verwaltung möchte Sanierung der städtischen Gebäude und Anlagen vorantreiben.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Aus Angst und Sorge vor der angedrohten Kostenexplosion, vorrangig aber, um einer Gasmangellage zu entgehen, drehten viele Kommunen im Herbst das Warmwasser in den Duschen der städtischen Sportstätten ab. Es gab viel Ärger und Kritik seitens der Sportler, einige Städte ruderten gar wieder zurück. Nicht so in Radevormwald. Hier wurden die Warmwasserduschen der Sportstätten nie abgestellt, erklärt Natalie Enneper vom Gebäudemanagement der Stadt. „Was wir allerdings abgestellt haben, um Energie einzusparen, sind die Untertischgeräte der Waschbecken. Händewaschen geht hier tatsächlich nur mit kaltem Wasser.“

Auf die Barrikaden gebracht hat das die Radevormwalder Sportvereine, die zum größten Teil alle städtischen Anlagen nutzen, allerdings nicht, wie auch Michael Muß, Geschäftsführer des Stadtsportverbandes, berichtet. „Die Stadt versucht ihr Möglichstes und ist sehr bemüht, nach der ganzen Pandemie den Sport- und Übungsbetrieb aufrechtzuerhalten.“

Ausnutzen, das würde die Situation seines Wissens kein Verein. Im Gegenteil. „Von der Energiekrise sind wir alle gleichermaßen betroffen, also sollten wir alle mitarbeiten. Aber die Vereine in Radevormwald sind ohnehin sehr genügsam“, sagt er.

Bei Tuspo Dahlhausen beispielsweise duschen in der Regel nur die Gäste nach einem Spiel oder die Seniorenmannschaft nach dem Abendtraining. „Mit der Jugend verzichten wir freiwillig darauf, um einen Beitrag zur Einsparung zu leisten. Sie duschen zu Hause“, berichtet Vereinsvorsitzender Guido Musial. „Das funktioniert auch sehr gut.“ Beschwerden gebe es nicht. Auch das Flutlicht auf dem Platz wird nur noch so oft angeschaltet, wie es wirklich benötigt wird. Den Trainingsalltag haben diese kleinen Maßnahmen nicht aus dem Takt gebracht. „Wir trainieren und spielen ganz normal weiter.“ Die Heizungen seien etwas herunterreguliert, aber frieren müsse bei Tuspo niemand.

Auch Roger Feldermann verzeichnet im Sportbetrieb des TV Herbeck absolut keine Einschränkungen „Wir arbeiten so wie vorher auch.“

Beim SC 08 sind ebenfalls keine Veränderungen spürbar. Nach der Pandemie ist man hier froh, den Fußballbetrieb normal laufen lassen zu können. „Wir sind sehr dankbar darüber, dass wir die städtische Anlage für unseren Sportbetrieb nutzen können“, sagt Rainer Klausing, zweiter Vorsitzender des Sport-Clubs.

Überlegungen, wie der Verein selbst Energie einsparen könnte, gebe es dennoch. Was auf lange Sicht helfen würde, urteilt Klausing, sei allerdings eine energetische Sanierung der Sportstätte.

Das wiederum, bestätigt Enneper, sei in Planung. „Wir haben uns schon vorher, ganz unabhängig von Corona und der Energiekrise, einen Fahrplan überlegt, um jährlich die energetische Sanierung der städtischen Gebäude und Anlagen voranzutreiben.“ Ein externes Büro habe bereits die ersten sieben Gebäude, darunter beispielsweise auch die Turnhallen an der Hermannstraße, aber auch das Rathaus oder die beiden weiterführenden Schulen, unter die Lupe genommen.

Die Ergebnisse der Analyse sollen den Kommunalpolitikern in den entsprechenden Ausschüssen vorgestellt werden. Kleinere Maßnahmen, wie etwa die Optimierung der Heizungsanlage, der Austausch von energieeffizienten Leuchtmitteln, würde im laufenden Betrieb überprüft. Spätestens mit der nächsten Abrechnung im Januar könnte eine ordentliche Analyse durchgeführt werden.

Auf die nächste Abrechnung will auch Gila Hüssing, Vorsitzende des Dahlerauer Turnvereins, warten. Der DTV ist neben den Schützen der einzige Verein mit eigener Anlage und trägt somit die Energiekosten für seinen Betrieb selbst. „Unsere Sportanlage selbst ist nicht davon betroffen, weil es eine Außenanlage ist und wir uns jetzt in der Winterpause befinden“, erklärt Hüssing.

Das Vereinsheim und die Hausmeisterwohnung hingegen werden mit Öl geheizt. Hierfür hätten sich die Abschlagszahlungen bereits verdoppelt. „Wir müssen gucken, wo wir am Ende landen werden und was wir dann machen können.“ Vielleicht, sagt Hüssing, müssten im Frühjahr beim DTV tatsächlich die Duschen dann kalt bleiben.

Hintergrund

Signal: Der Kreissportbund schlägt sich in einer aktuellen Pressemitteilung auf die Seite der Vereine und fordert eine finanzielle Förderung jener Vereine mit eigener Sportstätte. Dass die Landesregierung ein Hilfspaket von 14 Milliarden Euro auf den Weg bringen wolle, sei „ein gutes Signal aus Düsseldorf. Ich bin jedoch gespannt, auf welchem Weg das Geld bei den Vereinen ankommen soll“, meint KSB-Geschäftsführerin Anja Lepperhoff. „Ich erwarte, dass das Geld nicht nur zeitnah, sondern auch ohne große Formalitäten bei den Vereinen ankommt.“

Probleme: Spätestens Ende des Winters erwartet der Kreissportbund große finanzielle Schwierigkeiten bei den Vereinen.

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