Baustelle

Vollsperrung: „Umsatzeinbußen bis zu 80 Prozent“

Blick auf die Baustelle des Landesbetriebs, wo die Stützmauer zur Wupper erneuert wird.
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Blick auf die Baustelle des Landesbetriebs, wo die Stützmauer zur Wupper erneuert wird.

Vollsperrung des Durchgangsverkehrs hat massive Folgen für den Einzelhandel in den Wupperorten, beklagt Investor Andreas Caduff.

Von Stefan Gilsbach

Seit Wochen sorgen sie für Ärger und Frust, die Straßensperrungen in den Wupperorten. Zwei große Baumaßnahmen – in Dahlhausen und Dahlerau – laufen dort parallel. Mit gravierenden Folgen für die Anwohner. Nicht nur mehr Benzinkosten und Zeitverlust wegen der langen Umwege werden beklagt. Inzwischen machen sich auch Geschäftsleute vor Ort, speziell am Wuppermarkt, ernste Sorgen über die ausbleibenden Kunden, die von den Baustellenschildern irritiert oder gleich ganz abgeschreckt werden.

Andreas Caduff, der Besitzer des größten Teils der Immobilien am Wuppermarkt in Vogelsmühle, hat mit Einzelhändlern und anderen Geschäftsleuten vor Ort gesprochen. „Ein absolutes Fiasko“, sagt der Investor. „Der Wuppermarkt lebt vom Durchgangsverkehr, doch der ist im Moment wie abgeschnitten.“

Tatsächlich ist die Landstraße 414 zwischen Dahlhausen und Dahlerau komplett gesperrt, weil dort der Landesbetrieb Straßen NRW mit großen Bohrmaschinen arbeitet. „Ob Baumarkt, ob Frisörsalon, ob Laden für Tierbedarf – alle klagen über den Einbruch der Kundenfrequenz“, berichtet Andreas Caduff. „Es ist die Rede von Umsatzeinbußen von 70 bis 80 Prozent.“ Und dass nach den Corona-Jahren und in Zeiten hoher Energiepreise.

Andreas Caduff setzt sich für die Geschäftsleute am Wuppermarkt ein.

Bei Dahlhausen, wo der Landesbetrieb derzeit saniert, geht es um eine Stützmauer zur Wupper, die in so schlechtem Zustand war, dass die Verantwortlichen erklärten, ein Aufschub sei nicht möglich. Die Baumaßnahme wird noch bis Ende November dauern, die Vollsperrung der L 414, die besondere Probleme mit sich bringt, sollte eigentlich mit dem Ende der Herbstferien aufgehoben werden. Da sich jedoch herausstellte, dass der Fels im Untergrund härter ist als erwartet, müssen die Arbeiten mit schwerem Gerät länger dauern. Nach jetzigem Stand sollen die Arbeiten am Freitag, 4. November, beendet sein. Dann wäre der Durchgangsverkehr in den Wupperorten zumindest einspurig wieder befahrbar.

„Ich kann ja verstehen, dass diese Baumaßnahmen dringend sind“, kommentiert Andreas Caduff. Aber leider gebe es, wie er festgestellt habe, bei den Verantwortlichen wenig Bereitschaft, die Situation zu entschärfen, indem man beispielsweise für bestimmte Zeiten Einspurigkeit herstelle oder eine weitere Straße provisorisch als Umleitung zur Verfügung stelle. Dabei hat Caduff die Flurstraße im Blick.

Das Baustellen-Chaos in den Wupperorten war auch Thema im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagnachmittag. Bürgermeister Johannes Mans betonte, dass die Stadtverwaltung mit der unglücklichen Doppelplanung der Maßnahmen nichts zu tun habe. Man habe im Rathaus erst am Freitag vor Beginn der Sperrung vom Landesbetrieb erfahren, dass diese ab der folgenden Woche eingerichtet werde.

„Wir hatten mit Vertretern des Landesbetriebs Straßen NRW am vergangenen Freitag ein vertrauensbildendes Gespräch“, erklärt Johannes Mans. Mit Nachdruck habe man auf die Sorgen der Bürger hingewiesen und vereinbart, dass solche Projekte im Vorfeld besser koordiniert werden müssten.  „Eine solche Kumulation von Baustellen darf es nicht mehr geben“, bekräftigt der Bürgermeister. Was eine Öffnung der Flurstraße für den Durchgangsverkehr angehe, so sei das Ordnungsamt eindeutig zu dem Urteil gekommen, dass dies keine vernünftige Lösung sei – schon allein, weil größere Fahrzeuge wie Lastwagen, die versuchten, dort durchzukommen, sich festfahren könnten.

Ob es auch an dem besagten Gespräch gelegen hat – am Mittwochmittag kam von der Pressestelle des Landesbetriebes eine Mitteilung, die viele Wupperaner glücklich machen wird. „Die Bohrarbeiten für die neue Bohrpfahlwand sind weitgehend abgeschlossen“, teilt Rainer Herzog, Sprecher der Außenstelle Köln von Straßen.NRW mit. „Daher kann die Vollsperrung der L 414 voraussichtlich am Samstag, 29. Oktober, aufgehoben werden.“

Die Fertigstellung der neuen Stützwand werde unter halbseitiger Sperrung der Landesstraße erfolgen, Baustellenampeln den Verkehr regeln. Bis die komplette Baumaßnahme an der L 414 beendet ist, wird es allerdings noch längere Zeit dauern – der Landesbetrieb spricht von einem Abschluss der Arbeiten „Anfang 2023“.

Hintergrund

Im Bereich Dahlerau lässt nicht der Landesbetrieb arbeiten, sondern die Stadt Rade. Hier ist die Wülfingstraße gesperrt und damit die gewohnte Zufahrt zur Wülfingsiedlung. Anwohner und Besucher können die vorübergehend geöffnete Umleitung durch das Schnellental (Grünentaler Straße) nehmen. Allerdings gibt es auch hier einige Baustellenampeln, die für Wartezeiten sorgen. Grund für diese Baumaßnahme ist die Erneuerung des mürbe gewordenen Hangs an der Straßenrampe, die hinab zur Wupper führt.

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