Bürgerhaus

Theaterstück über die Geschlechterrollen

Um Geschlechterrollen ging es am Freitagvormittag im Bürgerhaus in einem Theaterstück, das sich Gymnasiasten und Sekundarschüler gemeinsam anschauten.
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Um Geschlechterrollen ging es am Freitagvormittag im Bürgerhaus in einem Theaterstück, das sich Gymnasiasten und Sekundarschüler gemeinsam anschauten.

Das Niederrhein Theater gastierte im Bürgerhaus vor etwa 300 Sekundarschülern und Gymnasiasten.

Von Cristina Segovia-Buendia

Radevormwald. Jungs sind stark, draufgängerisch und mutig, Mädchen schwach, schüchtern und sensibel. Mädchen tanzen Ballett, Jungs spielen Fußball. Was nach ollen Klischees klingt, scheint für die Jugend von heute noch aktuell zu sein. Zumindest lässt sich das aus der Reaktion der etwa 300 Schüler ziehen, die am Freitag im Bürgerhaus am Schlossmacherplatz das Stück „Gleich ungleich Gleich“ des luxemburgischen Autors, Schauspielers, Psycho- und Sexualtherapeuten Raoul Biltgen mitverfolgten.

Als Schauspielerin Verena Bill als Melina auf der Bühne nach Gleichberechtigung ruft und sich lautstark dagegen äußert, jedes Mal als hysterisch abgestempelt zu werden, nur weil sie für ihre Überzeugungen einsteht, jubeln die Mädchen im Publikum lauthals mit und klatschen Beifall. Lukas dagegen, gespielt von Michael Koenen, wünscht sich die Vorherrschaft der Männer zurück, wie einst in den 1950er Jahren, als die Rollen zwischen Mann und Frau klar verteilt waren, der Mann das Sagen hatte und die Frauen ausschließlich für Haushalt und Erziehung zuständig waren. „Ja man!“, rufen die Jungs im Publikum. „Männer an die Macht.“

Wie so etwas aussehen würde, zeigen die beiden Schauspieler im Stück. Zunächst spielen sie Szenen von gewöhnlichen Kennenlern- und Beziehungsphasen aus der heutigen Zeit: Melina geht auf Lukas zu, quatscht ihn auf einer Party an. Sollte nicht der Mann den ersten Schritt machen? „Du bist ja gar kein richtiger Gentleman“, wirft die junge Frau ihrem Gegenüber vor. Sie kommen trotzdem zusammen und zeigen dann, wie schwierig manchmal die Kommunikation zwischen Mann und Frau sein kann.

Schauspieler sprechen nach dem Stück mit den Schülern

Weil er sich für Musicals interessiert, wirft sie ihm vor: „Bist du etwa schwul?“. Ein Raunen geht durchs Publikum. Lukas wiederum hat nur eines im Sinn, mit seiner Freundin endlich das erste Mal zu erleben, damit er vor seinen Jungs nicht mehr so blöd dasteht. „Du sollst darüber nicht mit deinen Kumpels reden“, fordert Melina.

Sie ist es leid, dass starke Frauen als Emanzen abgestempelt werden und ihre vorlaute Art auf ihre Regelblutung geschoben wird und wünscht sich mehr Gleichberechtigung, aber am besten die Vorherrschaft der Frauen. Lukas dagegen will das alte Patriarchat zurück, indem man nicht so viel herumeiern musste, um sich zu verstehen. „Es wird gemacht, was der Mann sagt.“

Am Ende aber erkennen die Schüler nach der ersten Euphorie schnell, dass die Zustände der 1950er Jahre auch nicht die Besten waren, der Mann ständig mürrisch von der Arbeit kam und erwartete, wie ein König von der Frau bedient zu werden – und die Frau verließ im Zweifel nur für die Einkäufe das Haus. Ansonsten lebte sie für Haushalt und Erziehung der Kinder. Aber auch die Vorherrschaft der Frau wäre keine Option, in der die Rollen einfach vertauscht sind und nun die Frau wie ein Despot die Beziehung führt. Am Ende scheint die derzeitige Situation die Bessere zu sein, obwohl es bis zu einer echten Gleichberechtigung noch ein weiter Weg ist, wie die Schauspieler in der Nachbesprechung mit den Schülern deutlich machten. „Zweidrittel der Arbeitszeit der Frau ist heute noch unbezahlt, während es bei Männern nur ein Fünftel ist“, sagt Verena Bill. Zu 75 Prozent würden Haushalt und Kindererziehung immer noch von Frauen übernommen. In Sachen häuslicher Gewalt würden Männer statistisch häufiger auftreten als Frauen. Und im Job verdienen Männer nach wie vor mehr als Frauen.

Für Marcel Klausig, Lehrer der Sekundarschule, ist das Stück wertvoll für seine Schüler. „Ich denke, dass es nicht schadet, die noch immer vorherrschenden Geschlechterrollen zu thematisieren. Das Gegröle der Jungs während des Stücks als Szenen der 1950er gezeigt wurden, ist vielleicht der Gruppendynamik geschuldet.“

Doch auch im Alltag erlebe der Pädagoge so manch außergewöhnliches Verhalten, wenn etwa ein Mädchen einem Jungen den Besen wegnehme, weil sie der Meinung ist, dass ein Mädchen besser fegen kann als ein Junge. „Es ist also keinesfalls ein abgeschlossenes Thema“, meint Klausig.

Dass sich die heutige Generation, die oftmals verunsichert scheint, vielleicht wieder an alte Geschlechterrollen orientiert, „könnte etwas damit zu tun haben, dass sie einen gewissen Grad an Sicherheit bieten. Doch das ist nur eine trügerische Sicherheit“, sagt Klausing.

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