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Tagesmütter in ihrer Existenz bedroht

Tagesmütter im Einsatz: Auch die betroffenen Frauen aus Radevormwald fordern mehr Unterstützung wegen der gestiegenen Energiekosten.
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Tagesmütter im Einsatz: Auch die betroffenen Frauen aus Radevormwald fordern mehr Unterstützung wegen der gestiegenen Energiekosten.

Unterstützung gefordert wegen steigender Energiepreise.

Von Cristina Segovia-Buendía

Seit viereinhalb Jahren betreibt Jacqueline Thomssen mit ihrer Mutter Christine Thomssen-Betz die Radevormwalder Kindertagespflege „EinzigARTig“. In der Betreuung haben sie neun Kinder im Alter von einem bis dreieinhalb Jahre. Eine Arbeit, die den beiden gelernten Erzieherinnen große Freude bereitet. Doch aktuell werden die Sorgen immer größer.

Grund sind die explodierenden Energiekosten. Statt wie bislang knapp 40 Euro müssen Mutter und Tochter für ihre Großtagespflege an der Kaiserstraße nun 150 Euro pro Monat zahlen. Das Haus, indem ihre Tagespflege untergebracht ist, wird mit Gas versorgt. Hier sind die Energiekosten für Heizung und Warmwasser von 200 auf 800 Euro gestiegen. Die Mehrkosten für den Betrieb einfach über höhere Beiträge auf die Eltern abzuwälzen, ist laut Kinderbildungsgesetz (KiBiz) untersagt. Die Energiepauschale von 300 Euro, die über das Entlastungspaket der Bundesregierung alle Haushalte entlasten soll, erreicht sie als Selbstständige erst über die nächste Steuererklärung. Auch Energie einzusparen, indem die Heizung heruntergedreht wird, klappt nicht. Laut Gesetz muss bei der Betreuung von Kindern eine Grundtemperatur von mindestens 20 bis 21 Grad eingehalten werden.

Zum Fachkräftemangel kämen nun die Energiekosten dazu

„Es ist derzeit wirklich schwierig“, bestätigt Jacqueline Thomssen. Es gebe Kollegen, die bereits darüber nachdenken, nächsten Sommer zu schließen. Die Stadt, sagt Thomssen, kenne das Problem und suche eine Lösung. „Alle Tagespflegepersonen wurden von der Stadt angesprochen, um Auskunft über die gestiegenen Kosten zu erhalten.“ Ein Zuschuss von 200 bis 400 Euro, kalkuliert Thomssen, seien nötig, um Tagespflegepersonen zu unterstützen. Doch tatsächlich sind in einer Beschlussvorlage für die heutige Sitzung des Jugendhilfeausschusses andere Zahlen zu finden, nämlich eine Energiepauschale von 100 Euro für Großtagespflegestellen und 50 Euro für Tagespflegepersonen als Einmalzahlung. „Das ist lächerlich“, findet Josephine Lorent, die 2018 als eine der ersten eine Großtagespflege in Rade eröffnete und im Laufe der Jahre sogar eine zweite in Betrieb nahm. „Hier wäre es wohl besser, wenn der Stundensatz oder der Mietzuschuss angehoben würden.“ Lorent betreute bis vergangenen Sommer insgesamt 18 Kinder. „Ich musste mich im Sommer von einer Großtagespflege wieder verabschieden, weil es schwer ist, Personal zu finden.“ Zum Fachkräftemangel, sagt sie, kämen nun die steigenden Energiekosten dazu.

Lorent heizt in den angemieteten Räumen mit Erdgas. „Da sind die Kosten jetzt einfach mal doppelt so hoch.“ In Rade bekämen Großtagespflegen zwar einen Mietzuschuss. Aber auch das sei derzeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Derzeit betreut Lorent mit einer Kollegin neun Kinder im Alter zwischen null und fünf Jahren. Die Vergütung pro Stunde beträgt pro Kind 5,20 Euro. In Halver, sagt sie, betrage der Stundensatz 6,90 Euro.

Mit der Schließung von Tagespflegen würde sich für die Stadt ein Problem auftun, schließlich müssen Kommunen für ausreichend Betreuungsplätze sorgen. Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Wer keinen Platz bekommt, kann klagen und bekommt Anspruch auf Schadensersatz für die entstandenen Kosten der privaten Kinderbetreuung, die sich nach dem Verdienstausfall von Mutter oder Vater richten.

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