Suchtberatung wechselt ins Bonhoeffer-Haus

Die Suchtberatung ist wieder in Radevormwald aktiv. Franc Schaller und Sandra Hellwig sind die Ansprechpartner für die Fachstelle Sucht/OBK Nord im Dietrich-Bonhoeffer-Haus an der Ludwig-Beck-Straße.
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Die Suchtberatung ist wieder in Radevormwald aktiv. Franc Schaller und Sandra Hellwig sind die Ansprechpartner für die Fachstelle Sucht/OBK Nord im Dietrich-Bonhoeffer-Haus an der Ludwig-Beck-Straße.

Wartburghaus wird demnächst abgerissen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Oberbergischer Kreis. Das Thema Sucht zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Auch im ländlichen Bereich sind anfällige Menschen nicht vor Alkohol-, Cannabis-, Amphetamin-, Opiat- oder auch Spiel- und Mediensucht gefeit. Eine Anlaufstelle im Nordkreis, zuständig für die Städte Radevormwald, Hückeswagen, Wipperfürth und Lindlar, ist die Fachstelle Sucht der Diakonie. Deren Hauptstelle ist in der Nachbarstadt Hückeswagen an der Marktstraße – in Radevormwald gibt es keine feste Anlaufstelle. Der Beratungsbedarf wird über Außensprechstunden gedeckt. Die hatten bislang im Wartburghaus an der Andreasstraße stattgefunden. Das soll nun aber abgerissen werden, so dass eine Alternative gesucht wurde.

Die habe man auch schnell gefunden, sagt Florian Schäfer, Geschäftsführer der Diakonie im evangelischen Kirchenkreis Lennep, zu dem auch Radevormwald und Hückeswagen gehören. „Die beiden Außensprechstunden finden ab kommenden Mittwoch, 7. September, im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, dem Gemeindehaus der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in der Ludwig-Beck-Straße 4 statt.“ Die beiden Sprechstunden, die dort angeboten werden, leiten die Sozialarbeiter Franc Schaller und Sandra Hellwig. Wobei die beiden Diakonie-Mitarbeiter sich thematisch aufgeteilt haben. „Ich biete eine Offene Sprechstunde für Menschen an, die eine Substitutionstherapie machen“, sagt Franc Schaller. Seine Kollegin ergänzt: „Meine Sprechstunde ist offen für alle anderen Suchtkranken sowie deren Angehörigen.“

Wenig verwunderlich: Es ist der Alkohol, der mit fast einem Drittel der Fälle die meisten Probleme bereitet. „Allerdings kommen Heroin und Opiate gleich an zweiter Stelle, danach folgt dann Cannabis“, sagt Torsten Reith, ebenfalls Sozialarbeiter, der hauptsächlich in Lindlar arbeitet. Natürlich könne man nur über die Fälle sprechen, die sich Beratungshilfe suchten.

„Wir haben 2021 insgesamt 260 Menschen beraten, das ist ein wenig Corona geschuldet. In normalen Jahren waren es relativ konstant 300 Ratsuchende“, sagt Thorsten Reith. Etwa 30 Prozent kämen dabei aus Rade, die restlichen 70 Prozent würden sich auf die anderen drei Städte aufteilen. „Dass aus Radevormwald mehr Hilfesuchende zu uns kommen, mag auch an der Tatsache liegen, dass hier mit der Praxis von Dr. Reinhard Maienberg die einzige Substitutionspraxis im Nordkreis ist – eine weitere Möglichkeit für diese Behandlung ist sonst nur noch in der Klinik in Marienheide möglich“, sagt Reith.

In der Substitutionstherapie gehe es grundsätzlich darum, die Menschen weg vom Heroin zu bekommen, sie zu entkriminalisieren. „Wir haben eine stabile Zahl von 45 Menschen, die zur Sprechstunde kommen. Das hängt damit zusammen, dass die Menschen mit ihrer Sucht älter werden – und zugleich weniger junge Suchtkranke nachkommen“, sagt Franc Schaller. Das wiederum bringe eine ganz neue Dimension der Arbeit mit sich. „Wie gehen wir künftig mit einer nicht unerheblichen Zahl alter Substitutionspatienten um? Das stellt unsere Arbeit ganz allgemein vor eine große Herausforderung“, sagt Franc Schaller. Allerdings sei es grundsätzlich eine gute Nachricht, dass Heroinabhängige nicht mehr so oft schon in jungen Jahren sterben würden.

Während die Klienten in der Substitutionstherapie bereits relativ weit seien und teilweise sogar in normalen Lebensverhältnissen lebten – mit Job und Familie – gehe es in der allgemeinen Suchtberatung hingegen ganz oft darum, überhaupt erst einmal zu klären, ob eine Suchterkrankung vorliege. „Manche Klienten kommen, ohne zu wissen, ob sie ein Problem haben und wollen das herausfinden“, sagt Sandra Hellwig. In anderen Fällen würden die Klienten auch nicht freiwillig kommen, sondern auf gerichtliche Anordnung – oder zumindest nicht eigenmotiviert, wenn sie etwa von Angehörigen oder dem Arbeitgeber gebeten würden, sich Hilfe zu suchen. „Daher besteht ein Großteil meiner Arbeit auch darin, herauszufinden, wo sich die Menschen Hilfe suchen könnten. Ich vermittele auch sehr oft an Therapie- oder Beratungsstellen weiter“, sagt Sandra Hellwig. Und auch wenn sie nicht immer direkt selber helfen könne, weil natürlich kaum ein Suchtkranker seine Sucht nach einem Termin bei der Beratungsstelle beenden könne, habe sie bei ihrer Arbeit ein sehr gutes Gefühl. „Es sind kleine Schritte, die wir hier gehen können. Und wenn ich merke, dass jemand zumindest zum Nachdenken kommt, weil er hier gewesen ist, dann ist das doch eine gute Sache“, sagt die Sozialarbeiterin.

Hintergrund

Termine: Die offene Sprechstunde Psychosoziale Betreuung Substituierter (PSB) findet mittwochs von 13 bis 14 Uhr statt. Die Sprechstunde für Suchtkranke und Angehörige findet ebenfalls mittwochs von 14 bis 15.30 Uhr statt.

Kontakt: Tel. (0 21 92) 9 36 13 45 (PSB), Tel. (0 21 92) 9 36 13 43 (Suchtkranke).

Anschrift:Evangelisch-reformierte Gemeinde Radevormwald, Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Ludwig-Beck-Straße 4, 42477 Radevormwald.

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